Infineon setzt auf die Elektronisierung der Automobilindustrie

Montag, 13. September 2010 13:44
Infineon Technologies Unternehmenszentrale

NEUBIBERG (IT-Times) - Der Münchner Chipkonzern Infineon Technologies (WKN: 623100) hat sich von seiner Mobilfunkchipsparte getrennt und blickt nunmehr optimistisch in die Zukunft. Während manche Anleger die Transaktion auf den ersten Blick nicht nachvollziehen können, versucht Infineon-Chef Peter Bauer im jüngsten Interview mit der FAZ die Motivation für den Verkauf zu erklären.

Hintergrund ist vor allem der zunehmende Wettbewerb in der Mobilfunkchipbranche, der höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung erforderlich macht. Hier sieht sich Infineon einer Übermacht von Konkurrenten wie Qualcomm, Broadcom oder Marvell Technology gegenüber. Zuletzt war Infineons Mobilfunkchipsparte profitabel, aber nur die Nummer drei in diesem Markt.

Abschied aus einem margenschwächeren Geschäft
Zwar kommen die Chipsätze der Münchner unter anderem im iPhone bzw. iPad aus dem Hause Apple zum Einsatz, doch dies könnte sich schon bald ändern. Nach amerikanischen Medienberichten zufolge will Apple schon bei seiner fünften iPhone-Generation (iPhone 5) nicht mehr auf Baseband-Chips von Infineon, sondern auf Chips aus dem Hause Qualcomm setzen. So gesehen könnte der Verkauf der Handychipsparte für Infineon just zum richtigen Zeitpunkt erfolgt sein, obwohl das Smartphone-Geschäft derzeit noch boomt.

Trotz des Booms bei Smartphones warf die Mobilfunkchipsparte zuletzt schon niedrigere Gewinnmargen ab, als andere Geschäftsfelder, in denen Infineon noch Weltmarktführer ist. Diese verbliebenen Geschäftsfelder (Automotive, Industrie und Chipkarten & Security) könnten vom jüngsten Mittelzufluss profitieren, glauben Analysten, die den Verkauf der Sparte mehrheitlich positiv bewerten.

Nachdem Verkauf verfügt Infineon über eine prall gefüllte Kriegskasse von mehr als 2,2 Mrd. Euro. Infineon-Chef Peter Bauer stellte im Interview mit der FAZ nochmals klar, dass Akquisitionen zur Firmenstrategie gehören, um das organische Wachstum zu unterstützen. Ein konkretes Übernahmeziel gebe es aber nicht, man wolle aber den Markt weiter beobachten, ließ der Manager durchblicken.

Elektronisierung der Automobilindustrie soll Infineon zu neuer Blüte verhelfen
Bauer hofft vor allem auf eine weitere Elektronisierung der Automobilbranche. Den Elektrofahrzeugen gehört schon heute die Zukunft und für die Steuerung der Leistung von Elektromotoren sind Chips erforderlich, wie sie Infineon anbietet. Bei Infineon geht man davon aus, dass der Chip-Anteil in Elektrofahrzeugen auf rund 900 US-Dollar steigen wird, während heute in herkömmlichen Autos Chips im Wert von lediglich 300 Dollar verbaut werden.

In vier bis fünf Jahren werden Elektrofahrzeuge bereits konkurrenzfähig sein, glaubt Peter Reif, Chef der Magna-E-Auto-Sparte. Sollte es der chinesischen Akku-Firma 24M gelingen, seine Pläne in die Tat umzusetzen und die Akku-Kosten durch eine neue Technik bis 2015 um mehr als 80 Prozent zu senken, könnte dies der Elektromobilität und damit auch Infineon zum Durchbruch verhelfen…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) wurde in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst, die inzwischen ausgegliedert wurde. Qimonda musste im Januar 2009 allerdings einen Insolvenzantrag stellen.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda und dem Verkauf der Mobilfunkchipsparte will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Automotive, Industrie und Chipkarten & Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Mitte 2009 gründete Infineon gemeinsam mit LS Industrial Systems das Joint Venture LS Power Semitech Co. Ltd, an welchem Infineon 46 Prozent der Anteile hält. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die Comneon GmbH (mobile Kommunikationstechniken), sowie Danube Integrated Circuit Engineering GmbH & Co. KG, an der Infineon zuletzt mehr als 50 Prozent der Anteile hielt und die Infineon Technologies IT Services GmbH. Gemeinsam mit Siemens betreibt Infineon die Infineon Technologies Bipolar GmbH, an der Infineon mit 60 Prozent die Mehrheit hält. Mitte 2010 verkaufte Infineon seine Mobilfunkchipsparte an Intel für 1,4 Mrd. US-Dollar.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie vor einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind BMW, Bosch, Schlumberger, Scientific-Atlanta und Sony.

Zahlen

Der Umsatz wuchs im dritten Quartal 2010 um 17 Prozent auf 1,209 Mrd. Euro gegenüber dem Vorquartal (1,035 Mrd. Euro). Deutlich angestiegen mit 48 Prozent ist das Segmentergebnis auf 163 Mio. Euro gegenüber 110 Mio. Euro im zweiten Quartal dieses Jahres. Infineons Konzernüberschuss belief sich auf 126 Mio. Euro und wuchs damit um 59 Prozent (Vorquartal: 79 Mio. Euro).

Daraus ergab sich eine knappe Verdoppelung des Ergebnisses je Aktie aus fortgeführten Aktivitäten. Dieses belief sich auf elf Cent im Vergleich zu sieben Cent im diesjährigen zweiten Quartal. Dies bedeutete ein Wachstum von 57 Prozent.

Daneben konnte das Unternehmen seine Rentabilität steigern. So näherte sich Infineon dem Ziel der Segmentergebnis-Marge von 15 Prozent und mehr an.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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