Hewlett-Packard steuert nach Führungskrise in ungewisse Zukunft

Montag, 30. August 2010 12:54
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) - Der weltgrößte PC- und Druckerhersteller Hewlett-Packard (NYSE: HPQ, WKN: 851301) hat seinen Aktionären in den vergangenen Wochen nur wenig Freude bereitet. Erst der unrühmliche Abgang des bisherigen Firmenchefs Mark Hurd, nunmehr der übermotivierte Bieterwettbewerb rund um den unprofitablen US-Speicherspezialisten 3Par, der den HP-Aktienkurs zuletzt auf ein neues Jahrestief bei 38 Dollar abstürzen ließ.

Für das kalifornische Unternehmen, welches in den vergangenen Jahren drei Jahren keinen Cent Gewinn ausweisen konnte, will HP 30 US-Dollar bzw. zwei Mrd. Dollar auf den Tisch legen und damit einen Aufpreis von 211 Prozent gegenüber dem 3PAR-Schlusskurs zahlen, der vor dem Bieterwettstreit mit Dell bei rund zehn US-Dollar lag.

HP will in den Cloud Computing Markt
Zwar gilt 3Par als zukunftsorientiertes Unternehmen, deckt der Speicherspezialist mit seinem Produktangebot (Virtualisierung von Speicherplattformen) einen Teilbereich des Cloud Computing ab, jedoch müsste 3Par mehr als 40 Mio. US-Dollar an freien Cash-Flow generieren, damit der Deal für HP profitabel wird, rechnet CreditTrends-Präsident Ken Hackel vor. Das dieser Fall in den nächsten drei Jahren eintritt, gilt als eher unwahrscheinlich, generierte 3Par zuletzt gerade einmal Jahreserlöse von 200 Mio. Dollar und schrieb auf Jahressicht Verluste.

Dennoch stehen HP als auch Dell unter Zugzwang, haben sich Konkurrenten wie IBM und EMC bereits in diesem Bereich durch Übernahmen entsprechend verstärkt. 3Par gilt als eine der wenigen verbliebenen Alternativen, um vom Wachstum im Cloud Computing Markt zumindest teilweise profitieren zu können. Die Marktforscher aus dem Hause IDC rechnen damit, dass die Firmenausgaben in diesem Bereich in den nächsten vier Jahren jeweils um 27 Prozent wachsen werden, wobei das Marktvolumen im Jahr 2014 dann 55,5 Mrd. US-Dollar erreichen soll - im letzten Jahr wurden in diesem Bereich gerade einmal 16,5 Mrd. Dollar umgesetzt.

Vakuum an der Führungsspitze - Abgang von Hurd belastet
Durch den überraschenden und schnellen Abgang von CEO Mark Hurd tut sich bei HP noch eine weitere große Lücke auf. Die strategischen Entscheidungen von Hurd haben mit dazu beigetragen, dass HP heute deutlich besser da steht, als noch vor wenigen Jahren. So konnte beispielsweise die operative Gewinnmarge von 8,0 Prozent im Fiskaljahr 2005/2006 auf zuletzt rund 11,4 Prozent gesteigert werden. Daneben spielt HP auch im IT-Servicegeschäft eine tragende Rolle, nachdem mit EDS die weltweite Nummer zwei im IT-Servicegeschäft übernommen wurde.

Wer auch immer das Ruder beim IT-Giganten HP übernehmen wird, steht vor großen Herausforderungen, muss sich HP nach Meinung von Marktanalytiker Rob Enderle (Chef-Analyst der Enderle Group) noch im Software- und Firmenkundengeschäft weiter verstärken, nachdem IBM und Oracle immer mehr in diesem Bereich Fuß fassen. Daher wird auch der Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight bereits als nächstes potentielle Übernahmeziel von HP gehandelt…

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Unternehmen stieg innerhalb weniger Jahre zum weltweit führenden Anbieter von Drucker- und Zubehörprodukten auf. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das PC-Geschäft etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trug. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch BroadVision, i2, SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2003 folgte die Übernahme der schwedischen PipeBeach sowie Geschäftsbereiche der englischen Baltimore Technologies. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. Im Spätherbst 2009 gab HP zudem ein Übernahmeangebot für den Netzwerkspezialisten 3Com ab - die Übernahme wurde im April 2010 abgeschlossen. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen.

Zahlen

Für das vergangene Juliquartal meldet HP einen Umsatz von 30,7 Mrd. US-Dollar, was einem Zuwachs von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Nettogewinn kletterte dabei um 15 Prozent auf 2,6 Mrd. US-Dollar oder 1,08 Dollar je Aktie, nach einem Profit von 2,2 Mrd. Dollar oder 0,92 Dollar je Aktie im Jahr vorher. Mit den vorgelegten Zahlen konnte HP die Markterwartungen der Analysten erfüllen, die im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 1,08 Dollar je Aktie und mit Einnahmen von 30,4 Mrd. Dollar gerechnet hatten.

Während die Umsätze in Amerika um 12 Prozent auf 14,2 Mrd. Dollar anzogen, kletterte das Geschäft in Europa, Afrika und im Mittleren Osten um neun Prozent auf 10,9 Mrd. Dollar. Im Wirtschaftsraum Asien-Pazifik legten die Erlöse um 14 Prozent auf 5,6 Mrd. Dollar zu. Das Auslandsgeschäft zeichnete zuletzt für rund 63 Prozent der HP-Erlöse verantwortlich.

Die Serviceumsätze legten im jüngsten Quartal um ein Prozent auf 8,6 Mrd. Dollar zu, wobei die Einheit einen operativen Gewinn von 1,4 Mrd. Dollar erwirtschaften konnte. Im Geschäftsbereich Enterprise Storage and Servers (ESS), in der das Geschäft mit Speicher-Hardware zusammengefasst ist, kletterten die Erlöse um 19 Prozent auf 4,4 Mrd. Dollar. Der Division gelang es einen operativen Gewinn von 549 Mio. Dollar zu generieren. Die Division HP Software meldet einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 863 Mio. Dollar, wobei die Softwareeinheit einen operativen Gewinn von 183 Mio. Dollar erwirtschaften konnte.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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