Garmin schlägt zurück

Freitag, 2. November 2007 11:09
Garmin

(IT-Times) Nachdem der Rivale TomTom mit der geplanten Tele Atlas-Übernahme in die Offensive ging und Nokia den bisherigen Garmin-Lieferanten Navteq schlucken will, sah man im Management des amerikanischen GPS-Marktführers Garmin (Nasdaq: GRMN, WKN: 577963) offenbar dringenden Handlungsbedarf.

Mit 24,50 Euro je Tele Atlas Aktie bzw. 2,3 Mrd. Euro legt Garmin die Latte für den Rivalen TomTom nicht allzu hoch. Die Niederländer haben nunmehr bis zum 8. November Zeit, mit dem Garmin-Angebot gleichzuziehen und ihrerseits ihre Übernahmeofferte um 15 Prozent zu erhöhen, heißt es bei Tele Atlas. Marktbeobachter gehen nunmehr davon aus, dass TomTom ein attraktiveres Angebot vorlegen wird, um nicht erneut von Garmin überboten zu werden.

Übernahmekampf erwartet
An einen bevorstehenden Übernahmekampf glauben daher nicht nur Analysten, zumal Tele Atlas die letzte Chance für TomTom und Garmin ist, eigenes Kartenmaterial in die Hände zu bekommen. Denn der zweite große Anbieter Navteq gehört de facto schon zum Mobilfunkkonzern Nokia, der sich die Navteq-Übernahme 8,1 Mrd. Dollar kosten ließ. Zudem hat sich Garmin bereits 5,02 Prozent der Tele Atlas Anteile gesichert, wobei die Amerikaner keinen Zweifel daran lassen, dass man es Ernst mit der Übernahme meint. Jedoch ist Garmin auf das Wohlwollen der Tele Atlas-Gründer angewiesen, die nach wie vor noch etwa 57 Prozent der Tele Atlas-Anteile kontrollieren.

Dennoch wirft das hektische Übernahmeangebot von Garmin auch Fragen auf. Bislang setzen die Amerikaner weitgehend auf den Lieferanten Navteq, der nachdem Willen von Nokia auch weiterhin für Dritte Kartenmaterial anbieten soll. Lediglich in Singapur und Malaysia griff Garmin auf das Kartenmaterial von Tele Atlas zurück, so dass eine größere Umstellung auf Tele Atlas Kartenmaterial sicherlich mit einem gewissen Kosten- und Technikaufwand verbunden ist. Zudem fallen weitere Kosten in Höhe von 20 Mio. Euro an, falls sich Tele Atlas für die Auflösung der Übernahmevereinbarung mit TomTom entscheidet.

Marktbeobachter halten es daher auch für möglich, dass Garmin auch nur den Preis für TomTom nach oben treiben will, denn die Amerikaner sind bislang auch ohne eigenes Kartenmaterial sehr gut gefahren, was die jüngst vorgelegten Zahlen eindrucksvoll belegen.

Tele Atlas stärkt Marktstellung
Dennoch dürften sich durch eine Übernahme weitere Synergieeffekte realisieren lassen, zumal Tele Atlas seine eigene Position zuletzt weiter gestärkt hat. So hat sich Tele Atlas eine Mehrheitsbeteiligung von 76 Prozent an dem afrikanischen Karten- und Datenlieferanten Georigin (Pty) Ltd gesichert. Die in Südafrika ansässige Georigin hält wiederum eine 49%ige Beteiligung an MapIT, einem südafrikanischen Kartenspezialisten, der die Rechte an Kartenmaterial für Südafrika und Nigeria hält. Georigin soll Tele Atlas vor allem langfristig dabei helfen, weitere Märkte zu erschließen.

Daneben hat Tele Atlas zuletzt seine Asien-Aktivitäten ausgebaut und ein Joint Venture mit der thailändischen MappointAsia Thailand ins Leben gerufen. Ziel sei es, digitales Kartenmaterial für die Region rund um Thailand zur Verfügung zu stellen. Zusätzlich schickte Tele Atlas einen weiteren Mapping Van in Singapur auf die Straßen, der entsprechende Routendaten aber auch Geschwindigkeitsbegrenzungen erfassen soll.

Kurzum: Auch ein höherer Übernahmepreis für Tele Atlas dürfte sich langfristig für TomTom oder Garmin auszahlen, auch wenn der Kaufpreis derzeit überzogen scheint und noch weiter nach oben gehen sollte…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 gegründete Garmin Ltd, ansässig in George Town/Cayman Islands, ist ein führender Anbieter von Navigationssystemen auf Basis von GPS-Technologie (Global Positioning Systems). Garmin bietet jedoch längst nicht mehr nur Produkte für die Marine und Luftfahrttechnik an, sondern auch für den Privatverbraucher. Darüber hinaus finden die Navigationssysteme der Gesellschaft auch immer mehr Einzug in die Automobilindustrie.

Garmins Geschäftsstruktur besteht aus vier Kerngeschäftsbereiche: Automotive, Marine, Outdoor und Aviation. Nach der Übernahme von UPS Aviation Technologies im August 2003 vermarktet Garmin die übernommene Technik unter dem Dach von Garmin AT. Ende 2005 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme des Softwarespezialisten MotionBased Technologies LLC. Ende 2006 kaufte Garmin den kanadischen Spezialisten Dynastream Innovations, nachdem zuvor bereits die Spezialisten Digital Cyclone und Nautamatic Marine Systems übernommen wurden. Anfang 2007 folgte die Übernahme des französischen GPS-Vertriebshändler EME Tec Sat SAS. Später kaufte man sowohl den deutschen Vertriebspartner GPS GmbH, als auch den spanischen GPS-Händler Electronica Trepat SA, den italienischen Vertriebspartner Synergy und den dänischen Garmin-Händler Fairpoint Navigation AS.

Die Produktpalette für Verbraucher umfasst unter anderem Handheld-Navigationssysteme und PDA-Geräte. So stellte das Unternehmen Mitte 2003 mit dem PDA iQue 3600 den ersten GPS-basierten Handheld-Computer vor. Mit der StreetPilot- und Nüvi-Produktreihe stellte Garmin neue portable Navigationssysteme für die Automobilindustrie vor. Die Systeme verfügen über einen hoch auflösenden Tochscreen und über einen Routen-Planer. Mit dem Forerunner hat Garmin einen Trainingsassistenten für Freizeitsportler und Marathonläufer im Programm.

Der Geschäftsbereich Aviation entwickelt spezielle Navigationssysteme für die Luftfahrtindustrie. Im Jahr 2003 entschied sich der Flugzeughersteller Cessna für Garmins G-1000 als Standard-Ausrüstung für seine neuen Flugzeugmodelle. Daneben setzen auch der Flugzeugspezialist New Piper als auch der Boothersteller Ranger auf Navigationsprodukte aus dem Hause Garmin. Produkte für den Privatverbraucher vertreibt Garmin unter anderem über die Einzelhändler Bass Pro Shops, Best Buy und Wal Mart.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2007 meldet Garmin einen Umsatzsprung auf 729 Mio. US-Dollar, was einem Zuwachs von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Im Automotive-Bereich zogen die Erlöse um 118 Prozent auf 519 Mio. Dollar an. Der Nettogewinn kletterte im vergangenen dritten Quartal auf 193,5 Mio. US-Dollar oder auf 88 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 123 Mio. Dollar oder 56 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Garmin gleichzeitig die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Diese hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 683 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 81 US-Cent je Aktie kalkuliert. Insgesamt konnte Garmin im dritten Quartal 2,69 Mio. Navigationssysteme ausliefern, ein Zuwachs von 119 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei generierte Garmin einen freien Cashflow von 117 Mio. Dollar und konnte somit das Quartal mit Barreserven von 1,03 Mrd. Dollar abschließen.

Meldung gespeichert unter: Mapping

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