Garmin gibt im Smartphone-Markt auf - Navi-Geschäft weiter rückläufig

Freitag, 5. November 2010 13:16
Garmin

(IT-Times) - Der amerikanische Navi-Hersteller Garmin (Nasdaq: GRMN, WKN: A1C06B) sieht sich weiter in der Defensive. Konsumenten interessieren sich immer weniger für die portablen Navigationsgeräte des amerikanischen GPS-Spezialisten, gleichzeitig gab das Unternehmen jetzt im Smartphone-Markt auf.

Garmin zieht sich aus dem Smartphone-Markt zurück
Nachdem Garmin im Vorjahr mit dem nüvifone mit großen Hoffnungen in den Smartphone-Markt eingestiegen war, ist das Abenteuer schon wieder vorbei. Mit 299 US-Dollar war das Garmin-Smartphone offenbar zu teuer, um eine breite Kundenschicht überzeugen zu können.

Zudem war die Konkurrenz durch Nokia, Apple, RIM, Samsung und HTC für Garmin einfach eine Nummer zu groß, zumal moderne Smartphones heute standardmäßig mit GPS-Navigation daherkommen. Viele Konsumenten verschmähen daher auch reinrassige Navigationssysteme und setzen gleich auf moderne Smartphones, die auch als Navigationssystem genutzt werden können. Entsprechend blieben traditionelle Navis zuletzt in den Regalen der Händler liegen, so dass die Lagerbestandszeiten bei Garmin zuletzt auf beängstigende 140 Tage wuchsen.

Durch den Ausstieg aus dem Smartphone-Geschäft will sich Garmin künftig mehr seinem Kerngeschäft widmen und gleichzeitig Forschungs- und Entwicklungskosten einsparen. Vielmehr will das Unternehmen mit Navigationssoftware für Smartphones bei Konsumenten punkten. Doch auch hier ist die Konkurrenz für Garmin nicht weniger groß. Auf Android-basierten Geräten stellt Google bereits eine kostenlose Turn-by-Turn Navigationslösung zur Verfügung, gleiches bietet Nokia für die Kunden seiner Handys an.

Outdoor- und Fitness-Geschäft kann Umsatzrückgang im Kerngeschäft nicht kompensieren
Einziger Lichtblick war zuletzt das Outdoor- und Fitness-Geschäft. Uhren und Messgeräte für Marathonläufer, Mountain Biker und Freizeitsportler erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit, so dass das Geschäft im jüngsten Quartal um neun Prozent auf 144 Mio. Dollar zulegte. Das Outdoor/Fitness, Marine und Aviation-Geschäft zeichnete im jüngsten Quartal bereits für 60 Prozent des operativen Gewinns verantwortlich, weiß Oppenheimer-Experte Yair Reiner.

Dennoch reichte das Wachstum in den anderen Geschäftsbereichen bislang nicht aus, um den Umsatzeinbruch von 19 Prozent im Kerngeschäft mit portablen Navigationssystemen auszugleichen. Daran dürfte sich auch im laufenden vierten Quartal wenig ändern. Garmin COO Clifton Pemble rechnet damit, dass der PND-Markt auch im laufenden vierten Quartal weiter schrumpfen wird. Zudem geht Garmin davon aus, dass die durchschnittlichen Verkaufspreise weiter fallen werden, nachdem diese bereits im jüngsten Quartal um 15 Prozent gesunken waren.

Für Anleger und Investoren bleibt die Hoffnung, dass sich das Navi-Geschäft im nächsten Jahr durch das Wachstum in Asien stabilisieren wird, wo Garmin zuletzt einen Umsatzzuwachs von 47 Prozent verzeichnete, während das Outdoor- und Fitness-Geschäft einen größeren Umsatzanteil beisteuern dürfte…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 gegründete und in der Schweiz ansässige Garmin Ltd ist ein führender Anbieter von Navigationssystemen auf Basis von GPS-Technologie (Global Positioning Systems). Garmin bietet jedoch längst nicht mehr nur Produkte für die Marine und Luftfahrttechnik an, sondern auch für den Privatverbraucher. Darüber hinaus finden die Navigationssysteme der Gesellschaft auch immer mehr Einzug in die Automobilindustrie.

Garmins Geschäftsstruktur besteht aus vier Kerngeschäftsbereiche: Automotive/Mobile, Marine, Outdoor/Fitness und Aviation. Nach der Übernahme von UPS Aviation Technologies im August 2003 vermarktet Garmin die übernommene Technik unter dem Dach von Garmin AT. Ende 2005 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme des Softwarespezialisten MotionBased Technologies LLC. Ende 2006 kaufte Garmin die kanadische Dynastream Innovations, nachdem zuvor bereits die Spezialisten Digital Cyclone und Nautamatic Marine Systems übernommen wurden. Anfang 2007 folgte die Übernahme des französischen GPS-Vertriebshändler EME Tec Sat SAS. Später kaufte man sowohl den deutschen Vertriebspartner GPS GmbH, als auch den spanischen GPS-Händler Electronica Trepat SA, den italienischen Vertriebspartner Synergy und den dänischen Garmin-Händler Fairpoint Navigation AS sowie die österreichische Puls Elektronik GmbH. Anfang 2008 gründete Garmin mit der Garmin Australasia Pty Ltd. eine neue Asien-Pazifik-Tochter.

Zudem übernahm Garmin mit Formar Electronics N.V./S.A., der finnischen NavCor Oy und der schwedischen Sportmanship International AB weitere Garmin-Händler in Belgien, Finnland und Schweden. Auch die portugiesische SatSignal- Equipamentos de Comunicacoes e de Navegacao wurde hinzugekauft. Im Frühjahr 2010 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme der britischen Raymarine, im Herbst wurde der norwegische Distributor Belanor AS übernommen.

Mit dem Forerunner hat Garmin einen Trainingsassistenten für Freizeitsportler und Marathonläufer im Programm. Im Herbst 2010 verkündigte Garmin den Ausstieg aus dem Smartphone-Segment, nachdem das Unternehmen bislang mit seinem nüvifone in diesem Segment aktiv war.

Der Geschäftsbereich Aviation entwickelt spezielle Navigationssysteme für die Luftfahrtindustrie. So setzen auch die Flugzeugspezialisten Cessna und New Piper als auch der Boothersteller Ranger auf Navigationsprodukte aus dem Hause Garmin. Produkte für den Privatverbraucher vertreibt Garmin unter anderem über die Einzelhändler Bass Pro Shops, Best Buy und Wal-Mart.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldete Garmin einen Umsatzrückgang um elf Prozent auf 692 Mio. US-Dollar. Dabei konnte Amerikas größter Hersteller von portablen Navigationssystemen einen Nettogewinn von 279,6 Mio. Dollar oder 1,43 Dollar je Aktie generieren, nach einem Profit von 215,1 Mio. Dollar oder 1,07 Dollar je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Einmalfaktoren wie Wechselkurseffekte erwirtschaftete Garmin einen Nettogewinn von 70 US-Cent je Aktie, womit der GPS-Spezialist die Markterwartungen der Wall Street verfehlte. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 730,3 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 75 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Garmin

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