Electronic Arts mit neuer Strategie - mehr Qualität, statt Quantität

Mittwoch, 1. September 2010 12:47
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(IT-Times) - Der zweitgrößter US-Videospielentwickler Electronic Arts (Nasdaq: ERTS, WKN: 878372) konnte im jüngsten Quartal die Markterwartungen der Analysten zwar übertreffen, blieb aber insgesamt weiter in der Verlustzone. Auf der Baustelle Electronic Arts (EA) gibt es noch viel zu tun, dass weiß auch EA-Chef John Riccitiello, der seit seinen Jobantritt bei EA mehr als 2.500 Stellen gestrichen hat.

EA streicht Spiele-Pipeline zusammen
Die Strategie ist klar. EA soll schlanker, flexibler und profitabler werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat EA seine Game-Pipeline kräftig zusammengestrichen. Insgesamt seien für das laufende Fiskaljahr 2011 nur 36 neue Titel geplant, wovon allein 15 im dritten Fiskalquartal pünktlich zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft veröffentlicht werden sollen. Große Hoffnungen hegt EA dabei auf den Titel „Medal of Honor“, der am 12. Oktober in den Handel kommen soll.

Das Motto scheint klar. Mehr Qualität, statt Quantität soll künftig zum Erfolg führen. Zudem will man vom boomenden Online-Geschäft profitieren. Der weltweite Markt für Online-Spiele dürfte im laufenden Jahr um ein Drittel auf 20 Mrd. US-Dollar wachsen, schätzt Lazard Capital Analyst Colin Sebastian. Um von diesem Trend zu profitieren, hat EA jüngst einen Online Pass eingeführt, mit dem das Unternehmen vor allem Käufer gebrauchter Spiele zur Kasse bitten will, die Online-Features nutzen wollen. Der Online Pass kostet einmalig zehn US-Dollar und ist seit Juni im Zusammenhang mit dem Golf-Spiel „Tiger Woods PGA Tour 11“ verfügbar.

Mehr Online, statt Offline
Auch für neuere EA Sportspiele wie „Madden NFL 11“ ist ein Online Pass erforderlich, zumindest für Nutzer, die das Game nicht neu erstehen. EA schätzt, dass die Umsätze im Zusammenhang mit „Madden NFL 11“ allein im August um fünf Prozent gestiegen sind. Das Game ist insbesondere in der Online-Community sehr populär, so dass EA seine digitalen Erlöse rund um das Spiel gegenüber dem Vorjahr verdreifachen konnte. Durchschnittlich loggen sich mehr als zwei Millionen Spieler jeden Tag in „Madden NFL 11“ ein, freut sich EA Sports Präsident Peter Moore.

Dies ist zwar ein ansehnlicher Erfolg für EA, kann aber nur ein erster Schritt in die richtige Richtung sein. EA benötigt neue innovative Spieleideen, um im Kampf um Marktanteile im Online-Geschäft bestehen zu können. Um sich entsprechendes Know-how ins Haus zu holen, scheint auch ein weiterer Zukauf, eine Beteiligung oder eine tiefergehende Kooperation mit einem Online-Spielentwickler nicht mehr ausgeschlossen.

Schon wird gemunkelt, EA habe seine Fühler erneut nach China ausgestreckt und den chinesischen Online-Spielentwickler Perfect World ins Visier genommen, nachdem EA im Reich der Mitte bislang nur wenig erfolgreich war…

Kurzportrait

Electronic Arts (EA), ansässig im kalifornischen Redmond, entwickelt seit 1982 Computerspiele. Dabei spezialisiert sich das Unternehmen nicht nur auf eine Plattform, sondern bietet Spiele sowohl für den PC, als auch für andere Plattformen aus dem Hause Sony, Nintendo und Microsoft an. Vor allem durch legendäre Titel wie Madden NFL, SimCity, und Ultima Online machte sich das Unternehmen einen Namen. Das Haus publiziert seine populären Titel unter den Labels EA Sports, EA Games, sowie unter EA Play.

Zudem beteiligte sich EA an dem schwedischen Entwicklerstudio Digital Illusions - das Studio wurde Ende 2004 vollständig übernommen. Gleichzeitig schloss EA im Oktober die Übernahme von Criterion Software ab. Anfang 2005 beteiligte sich EA mit 19,9 Prozent an dem französischen Spielentwickler Ubisoft. Ende 2005 übernahm man den führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. Jamdat wurde inzwischen in die Einheit EA Mobile integriert. Mitte 2006 kaufte EA den Online-Rollenspielspezialisten Mythic Entertainment, aus der die Einheit EA Mythic hervorging. Ende 2006 schluckte EA das auf die Wii-Konsole spezialisierte Entwicklerstudio Headgate Studios. Im Frühjahr 2007 beteiligte sich EA mit 15 Prozent an dem chinesischen Online-Spielespezialisten The9, nachdem man sich bereits 19 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Online-Spielespezialisten Neowiz sicherte. Mitte 2007 eröffnete EA ein eigenes Büro in Moskau, um den russischen Markt besser bedienen zu können. Ende 2007 übernahm EA mit BioWare und Pandemic zwei weitere Entwicklerstudios. Später kaufte EA mit Hands-On-Mobile und ThreeSF erneut zu. Ende 2008 übernahm EA das südkoreanische Entwicklerstudio J2M. Ende 2009 wurde das Social-Gaming-Portal Playfish übernommen.

Ferner vertreibt das Unternehmen über 4.000 Spieletitel von Drittanbietern. Dieses Geschäft trug in der Vergangenheit etwa ein Fünftel des gesamten Umsatzvolumens von EA. Über das Internet-Portal EA.com bietet das Unternehmen nicht nur einen kostenlosen Online-Spieledienst an, sondern auch gebührenpflichtige Services.

Daneben betreibt das Unternehmen die Tochter und Spieleplattform pogo.com im Internet. Pogo.com versteht sich als eine Online-Spielgemeinschaft. Die Plattform verzeichnet inzwischen mehr als 1,7 Million registrierte Nutzer. Gleichzeitig betreibt EA aber auch den Game Channel im Rahmen des Online-Angebots von AOL.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet EA zunächst einen Umsatzsprung auf 815 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 644 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Nettogewinn kletterte dabei auf 96 Mio. Dollar oder 29 US-Cent je Aktie, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein Verlust von 234 Mio. Dollar oder 72 US-Cent je Aktie zu Buche stand.

Ausgenommen etwaiger Einmalfaktoren blieb unter anderem Strich jedoch ein Nettoverlust von 78 Mio. Dollar oder 24 US-Cent je Aktie übrig, nachdem im Vorjahr ein Verlust von sechs Mio. Dollar oder zwei US-Cent je Aktie entstand. Der angepasste Umsatz schrumpfte von 816 Mio. Dollar auf 539 Mio. Dollar. Mit den vorgelegten Zahlen konnte EA dennoch die Markterwartungen der Analysten übertreffen. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 502 Mio. Dollar sowie mit einem Nettoverlust von 35 US-Cent je Aktie gerechnet.

Im jüngsten Quartal profitierte EA nicht nur von sinkenden Kosten, nachdem das Unternehmen in den vergangenen Quartalen kräftig Stellen abgebaut hat. Die operativen Kosten sanken dann auch um 13 Prozent auf 495 Mio. Dollar. Gleichzeitig generierte EA im digitalen Geschäft mit Online-Inhalten und Downloads Erlöse von 188 Mio. Dollar, nach 124 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Electronic Arts

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