eBay: schwache Konjunktur und hausgemachte Probleme belasten

Freitag, 18. Juli 2008 12:31
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(IT-Times) Der weltweit führenden Online-Marktplatz eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) bleibt weiter in der Defensive. Mit Umstellungen der Preisstruktur und einer verbesserten Sicherheit will eBay mehr Verkäufer und Käufer auf seine Seiten locken. Doch wirkliche Innovationen, die das Unternehmen zurück auf einen Wachstumskurs bringen, scheinen vorerst nicht in Sicht.

Das Handelsvolumen auf eBay stagnierte zuletzt bei 15,7 Mrd. US-Dollar, zwar ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber ein Rückgang von zwei Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2008. Auch die aktiven Nutzer halten sich weiter zurück. Die Zahl dieser wichtigen Kenngröße wuchs gerade einmal um ein Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 84,5 Mio. Teilnehmer. Die Zahl der Einträge auf eBay zog hingegen um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 669,9 Mio. Listings an.

Schwache Konjunktur belastet
eBay-Finanzchef Bob Swan sieht sein Unternehmen als Opfer der anhaltenden Konjunktur- und Immobilienkrise in den USA. Die Kunden ersteigern zunehmend preiswerte Produkte auf der eBay-Seite, was zu deutlich niedrigeren Durchschnittsverkaufspreisen führt. Swan geht davon aus, dass sich die Entwicklung auch in den kommenden Monaten fortsetzen wird, solange bis sich die Wirtschaft wieder merklich erholt.

Auch eBay CEO John Donahoe stößt ins gleiche Horn und verweist auf die schwache wirtschaftliche Gesamtsituation. Dies hätte dazu geführt, dass beispielsweise die Erlöse in der Rubrik eBay Car im Vergleich zum Vorjahrquartal lediglich stagnierten.

Manche Analysten teilen die Ansicht und Darstellung des eBay-Managements nicht. Dies sei nur die halbe Wahrheit, so der Tenor. Vielmehr verliere eBay rapide Marktanteile an die Konkurrenz in Form von Amazon.com & Co, heißt es beispielsweise bei der Deutschen Bank und Cantor Fitzgerald. Als Lichtblick gilt lediglich das schnell wachsende Online-Zahlungsgeschäft rund um PayPal und dem VoIP-Dienst Skype.

PayPal und Skype lassen Margen sinken
Doch dieses Geschäft wirft geringere Gewinnmargen ab, als das traditionelle Online-Auktionsgeschäft. Diese Entwicklung beginnt sich bereits negativ auf die Margen auszuwirken, so dass die operative Gewinnmarge um 50 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 31,9 Prozent gesunken ist.

Zudem droht das Unternehmen neues Ungemach. Die Konkurrenzsituation könnte sich im zweiten Halbjahr noch einmal verschärfen, denn Cantor Fitzgerald Analyst Derke Brown rechnet damit, dass auch Amazon.com an einen PayPal-Konkurrenten arbeitet und ein entsprechendes Produkt im zweiten Halbjahr auf den Markt bringen wird…

Kurzportrait

Gegründet im September 1995 und ansässig in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose stieg eBay schnell zu einem der führenden Internet-Unternehmen auf. Heute gilt das Geschäftsmodell der Gesellschaft als eines der wenigen Konzepte die sich nachhaltig im weltweiten Datennetz behaupten konnten. Dabei setzt das Unternehmen zwar auf Online-Auktionen, die aber ohne Lagerhaltung auskommt. Vielmehr vermittelt der Online-Anbieter lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und betreibt hierfür die Online-Plattform.

Heute besteht die eBay-Gemeinschaft aus mehr als 84 Mio. aktiven Nutzern und bietet daher das weltweit größte Publikum, wenn es um Versteigerungen von gebrauchten oder neuen Waren geht. Damit gilt eBay gleichzeitig auch als die weltweit größte Shopping-Seite im Internet. Auf mehreren Kontinenten weltweit in über 30 Ländern aktiv, können Internet-Nutzer Produkte in mehr als 18.000 Kategorien ersteigern.

Um die Zahlungsabwicklung so einfach und sicher wie möglich zu gestalten, bietet eBay entsprechende Services an. Durch die Übernahme von PayPal löste eBay sein eigenen Online-Zahlungssystem Billpoint ab und setzt voll auf PayPal.

Später verstärkte sich eBay mit der Übernahme des Online-Angebots Half.com. Half.com bietet über die gleichnamige Internet-Seite stark reduzierte Waren zu festen Preisen an. Im Jahr 2003 übernahm eBay den führenden chinesischen Online-Auktionator EachNet, sowie Teile der Softwarefirma FreeMarkets. Gleichzeitig übernahm man den in Südkorea operierenden Online-Anbieter Internet Auctions Company. Die chinesische Eachnet wurde Ende 2006 wiederum in ein Joint Venture mit Tom Online eingebracht, an welchem eBay 49 Prozent hält.

Anschließend folgte die Übernahme der deutschen mobile.de. Später kaufte sich eBay mit der Übernahme von Baazee.com in den indischen Online-Auktionsmarkt ein. Ende 2004 übernahm eBay den holländischen Online-Kleinanzeigenmarkt Marktplaats.nl. Darüber hinaus beteiligte sich eBay mit 25 Prozent an den Kontaktanzeigenservice Craigslist.com. Im Dezember 2004 kaufte eBay schließlich den Online-Immobilienvermittler Rent.com. Anfang 2005 übernahm eBay den Kontakt- und Treffpunktservice Kijiji. Die Einheit kaufte wiederum die deutsche Opusforum.org. Im Frühjahr 2005 übernahm eBay schließlich den Preisvergleichsdienst Shopping.com. Im gleichen Jahr wurde auch der VoIP-Spezialist Skype für rund vier Mrd. Dollar aufgekauft. Im Frühjahr 2006 verstärkte sich eBay durch die Übernahme des schwedischen Online-Auktionators Tradera.com. Anfang 2007 kaufte eBay den Ticket-Dienst StubHub auf.

Mit dem Produkt eBay Stores will der Online-Auktionator auch Geschäftskunden ansprechen, welche ihren eigenen Shopping-Bereich auf eBay einrichten können. Im Frühjahr 2006 stellte das Unternehmen mit eBay Express ein neues Online-Shop-Konzept vor, über dieses Neuwaren unter Ausschluss des Bieterverfahrens erworben werden können. Mitte 2006 formte eBay gemeinsam mit dem Anbieter PCHome Online ein Joint Venture in Taiwan.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldete eBay einen Umsatzanstieg um 20 Prozent auf 2,20 Mrd. US-Dollar. Wachstumstreiber war vor allem das Skype-Geschäft sowie das Geschäft beim Online-Zahlungsservice PayPal.

Insgesamt konnte eBay zuletzt einen Gewinn von 460 Mio. Dollar oder 35 US-Cent je Aktie erwirtschaften, nach einem Plus von 376 Mio. Dollar oder 27 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte eBay einen Nettogewinn von 43 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 2,17 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 41 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Die Zahl der gelisteten Einträge auf eBay zog um 19 Prozent auf 667 Mio. Einträge an. Allerdings stieg die Zahl der aktiven Nutzer gerade einmal um 1,4 Prozent auf 84,5 Mio. Nutzer. Die Umsätze im Bereich eBay Marketplaces, welches das Geschäft auf eBay, Shopping.com, StubHub und anderen E-Commerce Seiten umfasst, kletterte um 13 Prozent auf 1,46 Mrd. Dollar. Das Geschäft rund um den Online-Zahlungsdienst PayPal zog um 33 Prozent auf 602 Mio. Dollar an, während beim VoIP-Dienst Skype die Erlöse um 51 Prozent auf 130 Mio. Dollar kletterten.

Meldung gespeichert unter: eBay

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