Die sich wiederholende Geschichte der Deutsche Telekom AG

Montag, 13. August 2007 15:10
Deutsche Telekom Unternehmenslogo

(IT-Times) Es ist fast wie eine Szene aus dem Film Und täglich grüßt das Murmeltier: Wenn die Deutsche Telekom AG (WKN: 555750) ihre Quartalszahlen veröffentlicht, bekommen Analysten, Aktionäre und das Fachpublikum irgendwie immer das gleiche Bild präsentiert. Ähnlich wie Bill Murray in dem Komödien-Klassiker aus den 90ern, der den gleichen Tag immer wieder durchleben muss, berichtet der Ex-Monopolist immer wieder von den gleichen Problemen. Vorstandschef Rene Obermann scheint bemüht, aus diesem Kreislauf auszubrechen, aber wird er am Ende ebensoviel Glück haben wie sein filmisches Pendant?

Neue Besen kehren gut
Obermann ist in der Tat nicht zu beneiden. Der Manager muss viele Baustellen gleichzeitig beaufsichtigen und konnte mit der Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in Servicegesellschaften einen veritablen Punktsieg gegen die Gewerkschaften landen. Dahinter steht die geplante Kostenreduktion von 4,7 Milliarden Euro bis zum Ende der Dekade. Das bisher größte Projekt in Obermanns Amtszeit zeigt, dass er gewillt ist, die Strukturen im Unternehmen grundsätzlich umzukrempeln. Auf der anderen Seite: Gibt es keine Möglichkeit, Umsatz und Gewinn zu organisch zu erhöhen, muss an der Kostenschraube gedreht werden. Hier hat die Telekom schließlich auch deutliches Potenzial.

Die Änderung von Strukturen zeigt sich auch an anderen Punkten: Obermann räumte die Markenarchitektur auf und für die kriselnde Geschäftskundensparte T-Systems wird ein Partner gesucht, wenn auch bisher ohne Erfolg. Die Tochter Media & Broadcast steht ebenfalls zur Disposition, während die Internet-Aktivitäten in Frankreich und Spanien abgestoßen wurden. Daneben wurde man ergänzend als Käufer tätig, etwas bei dem niederländischen Ableger der France Telecom-Tochter Orange oder dem Internet-Telefondienstleister Jajah.

Wo bleibt die Kür?
Was Obermann bisher vollbracht hat, ist respektabel, aber ohnehin längst überfällig gewesen. Die Situation auf dem Heimatmarkt wird sich auf lange Sicht sicherlich stabilisieren lassen, allerdings ist weiterhin mit einem andauernden Kundenschwund und Umsatzrückgang in Deutschland zu rechnen. Hier ist noch nicht abzusehen, wie viel Erfolg die neue Zweitmarke Congstar haben wird. Auf der anderen Seite dürfte sich das Wachstum im Ausland mit der Zeit abschwächen.

Als Obermann kurz nach seinem Amtsantritt eine neue Strategie veröffentlichte, begrüßten Experten vor allem die Ankündigung von Übernahmen in Schwellenländern und witterten die lang ersehnte Wachstumsstory. Die Idee an sich ist nicht neu, andere Ex-Monopolisten wie France Telecom, Telenor aus Norwegen und die spanische Telefonica sind mit diesem Ansatz durchaus erfolgreich. Die Deutsche Telekom baute einen Teil der Auslandsbeteiligungen im Zuge der Schuldenreduzierung nach 2000 wieder ab, einzig in Osteuropa, auf dem Balkan und in den USA ist man noch vertreten. Doch Obermann ruderte zwischenzeitlich wieder zurück und erklärte im letzten Juni, dass man sich nicht verzetteln wolle. Statt dessen werde man sich auf die bestehenden Märkte konzentrieren.

Kurzportrait
Die Deutsche Telekom AG ist Europas größtes Telekommunikationsunternehmen. Der Konzern ist in die Sparten T-Mobile (Mobilfunk), T-Com (Festnetz und Internet) sowie T-Systems (Geschäftskunden) gegliedert. Zum Portfolio des Unternehmens gehören Mobilfunkdienstleistungen aller Art, die Bereitstellung von Festnetz- und Internetzugängen und der Wiederverkauf von Internetzugängen (Wholesale). Das Geschäftsfeld T-Systems ist auf mittelständische, große und internationale agierende Geschäftskunden ausgerichtet, wobei auch IT-Dienstleistungen erbracht werden. Zudem bietet die Telekom über das neue VDSL-Hochgeschwindigkeitsnetz auch Internetfernsehen an. Terrestrisches Fernsehen wird ebenfalls angeboten.

Die Deutsche Telekom AG ist aus der Telekommunikationssparte der Deutschen Bundespost hervorgegangen. Anfang 1995 erfolgte die Umwandlung in eine AG, im November 1996 der umjubelte Börsengang. In der Folgezeit wird die internationale Expansion vorangetrieben, Schwerpunkte sind Ost- und Südosteuropa. Aber auch in Asien erwirbt man einige Beteiligungen, die bis 2003 jedoch wieder allesamt abgestoßen werden. Eine der spektakulärsten Transaktionen war die Übernahme des US-Mobilfunknetzbetreibers Voicestream Wireless für rund 40 Mrd. US-Dollar im Jahr 2001. Das TV-Kabelnetz wurde auf der anderen Seite sukzessive verkauft. Heute hält der Bund direkt und indirekt noch rund 30 Prozent an dem Unternehmen.   

Zahlen
Der Umsatz des zweiten Quartals lag bei 15,57 Mrd. Euro, im Vorjahr waren 15,13 Mrd. Euro ausgewiesen worden. Der im Inland erzielte Umsatz sank um 6,3 Prozent gegenüber 2006 auf 7,62 Mrd. Euro. Dafür konnte die Deutsche Telekom im Auslandsgeschäft weiter wachsen, hier stieg der Umsatz von 6,99 Mrd. Euro in 2006 auf 7,95 Mrd. Euro. Es wurde ein EBIT (Gewinn vor Zinsen und Steuern) für das In- und Ausland zusammen von 2,04 Mrd. Euro ausgewiesen, hier gab es einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahreswert von 2,08 Mrd. Euro. Die EBIT-Marge reduzierte sich dementsprechend von 14,2 Prozent auf 13,7 Prozent. Das EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) konnte hingegen leicht von 4,74 Mrd. Euro in 2006 auf 4,81 Mrd. Euro verbessert werden. Dennoch musste die Deutsche Telekom mit 608 Mio. Euro einen geringeren Überschuss als im Vorjahreszeitraum ausweisen (2006: 1,01 Mrd. Euro).

Das Unternehmen konnte den Schwund bei Festnetzkunden mit 516.000 Anschlüssen leicht bremsen und teilweise durch Zuwächse bei DSL-Nutzern auffangen.

Meldung gespeichert unter: Telekommunikationsnetzbetreiber (Carrier)

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