Citrix im Windschatten von VMware

Dienstag, 30. Oktober 2007 12:17
Citrix

(IT-Times) Der US-Softwarehersteller Citrix Systems (Nasdaq: CTXS, WKN: 898407) konnte im jüngsten Quartal mit einem Rekordumsatz von 350 Mio. Dollar aufwarten und einmal mehr die Analystenerwartungen übertreffen. Vor allem die Online-Division steuerte im jüngsten Quartal bereits über 55 Mio. Dollar bei und wuchs damit um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Citrix reitet auf der Virtualisierungswelle
Das Unternehmen sieht sich nach verschiedenen Zukäufen weiterhin auf einem aggressiven Wachstumskurs. Die Übernahme von XenSource, die Ende Oktober abgeschlossen wurde, dürfte Citrix langfristig in neue Dimensionen befördern. Mit dem Zukauf steigt das Unternehmen stärker in den Markt für Desktop- und Server Virtualisierungstechniken ein, einen Markt, der bislang von der EMC-Tochter VMware weitgehend allein dominiert wurde.

Durch Zukauf von XenSource sieht sich Citrix nunmehr als einziger Anbieter, der eine komplette end-to-end Virtualisierungsinfrastruktur aus einer Hand anbieten kann. Um die Marktmöglichkeiten auszuschöpfen, setzt Citrix auf schwergewichtige Vertriebspartner. So konnte man in der Vorwoche bereits mit Dell und Hewlett-Packard (HP) zwei wichtige Technologiepartner gewinnen, die künftig XenSource-Produkte vermarkten werden. Bis zum Jahresende will Citrix bis zu 1.000 Vertriebspartner für seine XenSource-Produkte gewinnen, wobei im ersten Quartal 2008 nochmals 1.000 weitere Partner hinzukommen sollen.

Dementsprechend aggressiv fallen die Wachstumsziele für die nächsten Jahre aus. Während XenSource im laufenden vierten Quartal gerade einmal 1,0 bis 2,0 Mio. Dollar zum Gesamtumsatz beisteuern wird, dürften es im Gesamtjahr 2008 schon 50 Mio. Dollar sein. Zwar wird sich die Akquisition im nächsten Jahr noch belastend auf den Gewinn auswirken - Citrix geht von einer Verwässerung von 15 bis 20 US-Cent je Aktie aus - doch langfristig steckt in dem jüngsten Zukauf explosives Wachstumspotential.

Explosives Wachstum vorprogrammiert
Wie explosiv dieses Wachstum sein kann, zeigt das Beispiel in Form des Wettbewerbers VMware. Zu 29 Dollar Mitte August an der Börse platziert, markierten die Aktien des Virtualisierungsmarktführers jüngst ein neues Allzeithoch bei über 120 Dollar. Hintergrund ist das enorme Wachstumspotential in diesem Bereich. Die IDC-Marktforscher gehen davon aus, dass der Markt für Desktop- und Anwendungsvirtualisierung in fünf Jahren ein Marktvolumen von 3,4 Mrd. Dollar erreichen wird. Inklusive Support-Services dürfte der Markt in 2011 auf ein Volumen von 15 Mrd. Dollar klettern.

Citrix will sich mit XenSource ein großes Stück von diesem Kuchen abschneiden. So gibt sich das Management optimistisch, dass XenSource nach 50 Mio. Dollar in 2008, in 2009 bereits 200 Mio. Dollar zum Gesamtumsatz beisteuern wird…

Kurzportrait

Die im Jahre 1989 gegründete und in Fort Lauderdale/Florida ansässige Citrix Systems wird seit 1995 an der Technologiebörse Nasdaq notiert. Das Unternehmen schaffte in der Vergangenheit vor allem durch seine MetaFrame-Software (vormals WinFrame) den Aufstieg in die erste Liga der Softwareanbieter. Citrix´ MetaFrame Application Server erlaubt es innerhalb von Unix- oder Windows-basierten Systemen, Anwendungen anderer Betriebssysteme von einem zentralen Server aus zu starten. Dieses System soll dem jeweiligen Anwender einerseits eine größtmögliche Flexibilität einräumen und andererseits Kosten für Firmen in Form von geringerem Speicherbedarf senken. Nachdem das Citrix-System im Wesentlichen für Software aus dem Hause Microsoft optimiert war, arbeitet MetaFrame seit Jahren auch auf Unix-Systeme, sowie auf Suns Solaris-Plattform.

Neben der MetaFrame-Produktfamilie bietet Citrix auch so genannte Access Portal Software an. Damit sollen Mitarbeiter schnell und einfach auf Inhalte und Softwarelösungen der Zentrale zugreifen können, ohne lange Installationsroutinen und Vertragskonditionen abarbeiten zu müssen. Citrix liefert de facto damit auch die technologische Plattform für das ASP-Geschäft. Durch die Übernahme von XenSource in 2007 stieg Citrix in das Geschäft mit Virtualisierungslösungen ein.

Insgesamt setzen heute mehr als 120.000 Firmenkunden weltweit auf Softwarelösungen aus dem Hause Citrix. Zu Das Unternehmen gilt inzwischen als Pionier und Marktführer im Zusammenhang mit dem virtuellen Arbeitsplatz außerhalb des Büros, denn Citrix-Software ist neben dem Extranet auch im Intranet, als auch im Internet und drahtlosen Kommunikationsnetzen einsetzbar. Zu den Kunden des Softwarehauses zählen neben AT&T, auch Ericsson, IKEA und Emerson sowie die deutschen Sparkassen. Darüber hinaus kooperiert Citrix neben seinem Vertriebsnetz bestehend aus mehr als 7.000 Händlern, mit weiteren Technologieunternehmen wie mit IBM und Oracle.

Neben dem Softwaregeschäft, welches inzwischen auch Lösungen für Handheld-Computer umfasst, bietet Citrix auch Beratung und Support an. Auch diverse Softwareprodukte rund um den Bereich Load-Balancing zählen zum Produktportfolio des Softwareanbieters. Ende 2003 verstärkte sich Citrix mit der Übernahme des Softwarespezialisten Expertcity (GoToMyPC, GoToAssist) für 225 Mio. Dollar. Ende 2004 kaufte Citrix den Sicherheitsspezialisten Net6. Mitte 2005 übernahm Citrix den Sicherheitsspezialisten NetScaler. Im Frühjahr 2006 kaufte Citrix den Client-Server-Softwarespezialisten Reflectent Software. Mitte 2006 folgte die Übernahme des WAN-Spezialisten Orbital Data, wobei gegen Jahresende der Spezialist Ardence zugekauft wurde. Im Frühjahr 2007 schluckte Citrix den Test-Softwareanbieter ThinGenius. Im Herbst 2007 wurde die Übernahme des Virtualisierungsspezialisten XenSource abgeschlossen. Gleichzeitig schluckte Citrix den Softwarespezialisten QuickTree.

Zahlen

Für das zurückliegende Septemberquartal meldet Citrix einen Umsatzsprung auf 349,9 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 277,9 Mio. Dollar im Jahr vorher. Das für Softwarefirmen so wichtige Lizenzgeschäft legte um 24 Prozent zu. Dabei konnte Citrix einen Gewinn von 60,7 Mio. Dollar oder 33 US-Cent je Aktie einfahren, nach einem Plus von 43,7 Mio. Dollar im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen durch Wertberichtigungen und Aktienoptionskosten, konnte Citrix im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 38 US-Cent je Anteil realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 339,7 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 38 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Negativ auf die Ergebnisse wirkten sich die zuletzt stark gestiegenen operativen Kosten aus. Diese zogen um 26 Prozent auf 253,9 Mio. US-Dollar an. Einer der Wachstumstreiber war erneut die Online-Division. Die Einheit konnte ihren Umsatz um 43 Prozent auf über 55 Mio. Dollar steigern. Aus dem operativen Geschäft konnte Citrix einen positiven Cashflow von 86 Mio. Dollar generieren, womit sich die Barreserven zum Quartalsende auf rund 1,0 Mrd. Dollar summierten.

Meldung gespeichert unter: Citrix

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...