Balda: Presse-Chaos sorgt für Verunsicherung

Mittwoch, 13. Februar 2008 12:47
Balda

(IT-Times) Der Handy-Zulieferer Balda AG (WKN: 521510) kämpft seit geraumer Zeit mit Schwierigkeiten. Das Pressedesaster in den vergangenen Tagen war nur der traurige Höhepunkt eines Abstiegs, der in 2006 begann und sich im neuen Jahr beschleunigt fortzusetzen scheint.

Vergangenheit holt Balda ein
Mit dem Verkauf des defizitären Europageschäfts (Balda Solutions, Balda Werkzeugbau, Balda Solutions Hungaria Kft) an die KS Plastic Solutions GmbH zum Jahresende 2007 schienen die Probleme zunächst bereinigt. Doch nunmehr holt die Vergangenheit Balda wieder ein und weitere Belastungen in zweistelliger Millionenhöhe drohen.

Der Käufer der ehemaligen Balda-Tochterfirmen hat eigenen Angaben zufolge Schwierigkeiten seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber seinen Mitarbeitern nachzukommen und macht hierfür die Balda AG verantwortlich. Balda schickt ein Dementi hinterher und beteuert, dass man allen Verpflichtungen nachgekommen sei. Selbst Analysten wie LBBW-Experten Stephan Wittwer blicken nicht mehr durch. Wittwer bezeichnet den Nachrichtenfluss als „katastrophal“, nachdem auch Balda-Vorstandschef Joachim Gut erklärte, dass man nicht wisse, was bei der KS Plastic vor sich gehe.

Zu guter Letzt bestätigte ein Sprecher der Balda Solutions Deutschland GmbH Gerüchte, wonach aus den drei verkauften Tochtergesellschaften ein Verlust von bis zu 40 Mio. Euro zu decken sei. Wie hoch die Verluste bei den Ex-Töchtern tatsächlich sind, ist völlig offen. Nachdem auch Balda bislang wenig Licht ins Dunkel brachte, ist das Vertrauen dahin. Die Hoffnungen ruhen daher auf der Bilanzpressekonferenz am 19. März, in der Balda seine Zahlen für das vierte Quartal 2007 und für das Gesamtjahr vorlegen will.

Modell Yahoo: Auftragshersteller könnten Schwäche für Übernahmeofferte nutzen
Wie auch immer das Gezerre um zusätzliche Finanzmittel für die Ex-Tochterfirmen ausgehen wird, der Image- und Vertrauensverlust für Balda dürfte den Aktienkurs kurzfristig weiter belasten. Damit ist das Unternehmen ein leichtes Opfer für übernahmewillige Auftragshersteller aus Asien.

So sollen bereits die beiden asiatischen Spezialisten Foxconn und allen voran Flextronics ihre Fühler nach Balda ausgestreckt haben, zumal das Touchscreen-Geschäft als zukunftsfähig gilt. Nachdem Apple-Vorstoß drängen immer mehr Handy-Hersteller mit eigenen Touchscreen-Modellen auf den Markt, was Balda neben der günstigen Bewertung als Übernahmekandidat attraktiv macht…

Kurzportrait

1908 wurde Balda in Dresden gegründet und stellte hochwertige Kameras her. 1985 wird die Produktion nach China verlagert. 1994 erfolgt eine strategische Neuausrichtung, die auch heute noch Bestand hat. Das Unternehmen setzt sich seitdem aus den fünf Sparten Infocom, Health Care, Cosmetics, Electronic Devices und Household zusammen. 1999 kam es zur Erstnotierung der neu gegründeten Balda AG am Neuen Markt, heute ist die Gesellschaft im Nebenwerteindex S-Dax gelistet.

Filetstück des Konzerns ist die Infocom-Sparte. Hier werden sämtliche Kunststoff- Komponenten eines Mobiltelefons hergestellt. Ende 2007 trennte sich Balda allerdings von seinem europäischen Infocom-Geschäft. Die Gesellschaft beschränkt sich dabei nicht nur auf die Produktion. Im Auftrag von Kunden wie Alcatel, Motorola, Nokia, Sagem, Sony Ericsson sowie einiger lokaler chinesischer Hersteller werden auch Schalenmodelle sowie eigene Produktionsmethoden- und Anlagen entwickelt.

Zuletzt hat sich Balda einer Neuausrichtung verschrieben. So will das Unternehmen weg vom Geschäft mit Handy-Schalen und sich stärker auf den Geschäftsbereich Touch konzentrieren. Zum Stichtag 31. Dezember 2007 wurden die Balda Solutions Deutschland GmbH sowie die Balda Werkzeugbau GmbH, sowie die Balda Solutions Hungaria Kft. (Ungarn) an die KS Plastic Solutions GmbH verkauft. Insgesamt soll die Produktion soll mehr und mehr nach Asien verlagert werden. Hier ist das Unternehmen mit seiner chinesischen Tochter TPK bereits gut positioniert. So beliefert Balda heute schon den iPhone-Hersteller Apple mit entsprechenden Touch-Displays. Fünf weitere Fertigungswerke werden in Malaysia, Brasilien, Deutschland und Ungarn unterhalten.

Während die größte Sparte Infocom weiterhin den größten Umsatzbeitrag liefert, wurde das Geschäft in den letzten Jahren umgebaut und durch die Sparten Health Care, Cosmetics, Electronic Devices und Household ergänzt. Auch Rahmen für Autoradios und veredelte Türgriffe wurden zuletzt noch hergestellt. Zu den Kunden gehören hier beispielsweise Audi, Daimler Chrysler, Saab, Volkswagen, Becker, Blaupunkt, Bosch und Philips.

Eine weitere wichtige Sparte, die zunehmend in den Mittelpunkt rücken soll, ist die Einheit Balda Medical. Hier besteht eine Konzentration auf das Branchensegment Diagnostik und den Pharma- und Kosmetikteilbereich (Inhalationsgeräte). Zielgruppen dieser Produkte sind Diabetes- und Asthmapatienten.

Zahlen

Im vierten Quartal 2007 hatte Balda in Asien ein operatives Betriebsergebnis (EBIT) von rund acht Mio. Euro erzielt. Die endgültigen Zahlen für das vierte Quartal 2007 sowie der Abschluss für das abgelaufene Geschäftsjahr stehen noch aus, da die Arbeiten am Jahresabschluss noch andauern.

Meldung gespeichert unter: Balda

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