Alle wollen Versatel

Donnerstag, 13. Dezember 2007 12:55
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(IT-Times) Die Aktie des deutschen Telekom- und DSL-Spezialisten Versatel AG (WKN: A0M2ZK) steigt und steigt. Ursächlich für den Kursanstieg ist die Beteiligung des Internet-Dienstleisters United Internet Ende November. Spekulationen, wonach United Internet seine derzeitige Beteiligung von rund 20 Prozent zügig weiter aufstocken wird, hievten den Versatel-Aktienkurs zuletzt über die Marke von 23 Euro - damit hat sich der Aktienkurs seit Oktober mehr als verdoppelt.

Banker warnen vor übertriebenen Erwartungen
Jedoch mehren sich die Stimmen, die vor übertriebenen Erwartungen im Zusammenhang mit der vollständigen Übernahme durch United Internet warnen. Verschiedene Banken und Anlegermagazine raten Anlegern bereits zum Ausstieg. Nicht ohne Grund: Zwar wächst Versatel weiter und hat auch im dritten Quartal knapp 49.000 DSL-Kunden hinzugewinnen können, doch Versatel selbst geht von einem weiter anhaltenden Preiskampf im DSL-Markt aus, der zu weiter sinkenden Preisen führen wird. Dies wiederum dürfte weiter auf die Gewinnmargen des Telekomspezialisten drücken, der bereits in den ersten neun Monaten einen Rückgang bei der EBITDA-Marge hinnehmen musste. Zwar stiegen die EBITDA-Margen im Vorquartal wieder leicht, doch die nächste Preisrunde könnte dem Aufwärtstrend bei den Gewinnmargen schnell ein Ende setzen.

Durch die sinkenden Preise verliert das Geschäft allerdings an Attraktivität für United Internet. Zwar ist für United Internet eine eigene Netzinfrastruktur, wie sie Versatel heute hat, überlebenswichtig, um langfristig im Wettbewerb mit Telekom & Co bestehen zu können, allerdings wird United Internet nicht jeden Preis zahlen. Analysten des Hauses Sal. Oppenheim beziffern die möglichen Synergieeffekte durch den Zusammenschluss auf 70 bis 80 Mio. Euro. Dies dürfte jedoch kaum Preise von über 1,0 Mrd. Euro rechtfertigen - der aktuelle Börsenwert von Versatel.

United Internet kann sich dann auch beruhigt zurücklehnen, denn bei den aktuellen Kursen ist die Gefahr gering, dass ein weiterer Interessent am Horizont auftaucht, der die Preise im Rahmen eines Bietergefechts weiter nach oben treibt. Dafür ist das Geschäftsmodell zu unattraktiv, zumal Versatel auch für 2008 unter dem Strich einen Verlust ausweisen dürfte.

Kurzportrait
Die in Düsseldorf und Berlin ansässige Versatel AG ist einer der größten alternativen Telekommunikationsanbieter in Deutschland. Das Unternehmen ist in elf der 16 deutschen Bundesländer und in 28 der 50 größten deutschen Städte vertreten. Insgesamt bietet Versatel seine Dienstleistungen in über 230 Städten an und erreicht damit etwa 9,7 Mio. Haushalte. Dies entspricht einer Abdeckung von 25 Prozent. Diese umfassen Festnetzanschlüsse und Internetzugänge. Für Geschäftskunden gibt es weitere, spezielle Angebote.

Kernstück von Versatels Assets ist das Netz aus über 35.000 km Lichtwellenleiterkabeln in ganz Deutschland, von denen ca. 26.000 km zur regionalen- und Stadtnetzebene gehören. In der Regel muss Versatel die letzte Meile von der Deutschen Telekom AG mieten. Außerdem erzielt Versatel signifikanten Umsatz durch die Vermietung freier Netzwerkkapazität an dritte Anbieter. Der Vertrieb erfolgt über eigene Shops oder Partner wie The Phone House.

Die Tochtergesellschaften des Unternehmens sind Versatel Berlin GmbH (Berlin), Versatel Nord-Deutschland GmbH (Flensburg), Versatel West-Deutschland GmbH (Dortmund), Versatel Süd-Deutschland GmbH (Stuttgart), Versatel Ost GmbH (Berlin), Versatel NRW GmbH (Essen), Versatel Rhein-Main GmbH (Frankfurt), ChemTel Telekommunikations GmbH (Chemnitz), ddkom - Die Dresdner Telekommunikationsgesellschaft mbH (Dresden) sowie jetz! Kommunikation GmbH & Co. KG (Jena).

Versatel beschäftigte zuletzt mit 1.400 Mitarbeiter mehr als 600.000 Kunden. Die AG in ihrer heutigen Form entstand durch die Übernahme des Deutschland-Geschäfts der international tätigen Versatel B.V. aus den Niederlanden durch die Tropolys-Gruppe (Apax). Anschließend wurde die Gesellschaft in Versatel AG umbenannt. Gegen Ende 2007 stieg United Internet bei Versatel ein und erwarb 20,05 Prozent der Anteile. Ende 2007 übernahm Versatel den Dresdner Stadtnetzbetreiber ddkom vollständig.

Zahlen
Für das vergangene dritte Quartal 2007 meldete Versatel einen Umsatzanstieg auf 176,4 Mio. Euro, ein Zuwachs zum Vorquartal um gut acht Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht dies jedoch lediglich einer Steigerung von circa fünf Prozent bzw. 8,3 Mio. Euro, da sich der Konzern zu Jahresbeginn umstrukturiert hat.

Der bereinigte Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (EBITDA) belief sich auf 46,5 Mio. Euro. Er liegt damit knapp 20 Prozent über dem des Vorquartals jedoch 5,6 Mio. Euro unter dem Vorjahreswert. Die bereinigte EBITDA-Marge legte im Vergleich zum zweiten Quartal 2007 um 2,6 Prozentpunkte zu und lag bei 27,1 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Versatel

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