Yahoos Zukunft nach Abgang von Bartz völlig ungewiss

Freitag, 9. September 2011 13:39
Yahoo

(IT-Times) - Amerikas führendes Internet-Portal Yahoo blickt in eine mehr als ungewisse Zukunft. Nachdem wenig ruhmreichen Abgang von CEO Carol Bartz steht das Unternehmen nicht nur ohne permanente Führung da, es fehlt auch nach wie vor die richtige Strategie, um Facebook und Google die Stirn zu bieten.

Der Abgang von Bartz dürfte einen Strategiewechsel bei Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) beschleunigen, glauben Analysten. Damit scheint auch ein Verkauf des Unternehmens oder Merger nicht mehr ausgeschlossen. Investor-Aktivisten wie Third Point bringen sich bereits in Stellung. Die Investmentberater, die sich inzwischen 5,2 Prozent der Yahoo-Anteile gesichert haben, stellen die Kompetenz des Yahoo-Verwaltungsrats offen in Frage. Die Aufseher hätten viel zu lange gewartet, um Bartz zu entlassen, so der Vorwurf von Third Point.

Tritt Microsoft erneut als weißer Ritter auf?
Third Point CEO Daniel Loeb bezeichnete es als großen Fehler, dass Yahoo das Übernahmeangebot von Microsoft im Jahre 2008 in Höhe von 33 US-Dollar je Aktie oder 47,5 Mrd. Dollar ausgeschlagen habe. Der Yahoo-Aktienkurs notierte zuletzt nur bei knapp über 14 Dollar. Insgesamt sieht Loeb den inneren Wert der Yahoo-Aktie bei 19 bis 20 US-Dollar. Ob Microsoft einen neuerlichen Anlauf nehmen wird, um Yahoo zu übernehmen, ist ungewiss.

Derweil schießen Spekulationen ins Kraut, was nunmehr mit Yahoo geschehen soll. Yahoo-Mitgründer Jerry Yang bemüht sich offenbar um Schadensbegrenzung. Das Unternehmen stehe nicht zum Verkauf, so der Manager gegenüber AllThingsDigital. Gleichzeitig soll Yang planen, Yahoo zu privatisieren, will der Business Insider erfahren haben. Yang sitzt wie Bartz noch im Verwaltungsrat von Yahoo.

Asien-Assets von Yahoo erneut auf dem Prüfstand
Ein Verkauf der Asien-Assets ist am wahrscheinlichsten. Wie die Financial Times berichtet, zieht das Yahoo-Direktorium einen solchen Schritt schon ernsthaft in Betracht. Yahoo soll demnach bereits die die Schweizer Bank UBS und die Investmentberater Allen & Co eingeschaltet haben, um einen Verkauf der Asien-Assets zu forcieren.

Die 35%ige Beteiligung an Yahoo Japan und die Beteiligung an Alibaba zählen zu den eigentlichen Kronjuwelen des Unternehmens. Die Beteiligung an Japans meistbesuchten Web-Portal Yahoo Japan dürfte mehr als fünf US-Dollar pro Aktie Wert sein, schätzt Gabelli Analyst Brett Harriss. Thornburg Investment Experte Di Zhou sieht den Wert der gesamten Asien-Assets von Yahoo gar bei mehr als 15 US-Dollar pro Anteil.

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 600 Millionen Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahr 1999 wurden weitere Zukäufe getätigt und anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, als auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen, wobei GeoCities inzwischen wieder geschlossen wurde. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Zukäufe. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen, inzwischen wurde HotJobs.com an den Konkurrenten Monster abgegeben. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich "sponsored Links", um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo mit insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba und brachte damit seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Daneben hält Yahoo noch eine 35%ige Beteiligung an Yahoo Japan.

Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Mit demVideo-Editor Jumpcut und den Online-Werbespezilaisten AdInterax folgten weitere Zukäufe. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium und den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Im Herbst 2009 schluckte Yahoo die arabische Internet-Community Maktoob.com. Anfang 2010 trennte sich Yahoo wieder von Zimbra und verkaufte den Email-Spezialisten an VMware. Anfang 2010 wurde die indonesische Koprol übernommen, zudem wurden Dapper und Citizen Sports aufgekauft.

Die Einnahmequelle Online-Werbung trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal wies Yahoo einen Gesamtumsatz von 1,23 Mrd. US-Dollar aus, was einen Rückgang von 23 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode entspricht. Allerdings hinkt der Vorjahresvergleich etwas, da Yahoo Änderungen bei der Erfassung seiner Umsätze in der Bilanz vorgenommen hat.

Im Zuge der Partnerschaft mit Microsoft und dessen Suchmaschine Bing, die auf Yahoo-Seiten im Einsatz ist, führt Yahoo für jede 100 US-Dollar an Werbeumsatzerlöse 12 US-Dollar an Microsoft ab. Entsprechend brach der Suchmaschinenumsatz um 45 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 467 Mio. Dollar ein.

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