VMware: Wachstumsmotor gerät ins Stottern

Mittwoch, 30. Januar 2008 13:01
VMware

(IT-Times) Der Aktienkurs des US-Marktführers bei Virtualisierungslösungen, VMware (NYSE: VMW, WKN: A0MYC8), kollabierte zuletzt, nachdem das Unternehmen enttäuschende Umsatzzahlen vorlegte. Unter Anlegern geht die Angst um, dass sich das Wachstum infolge des zunehmenden Wettbewerbs und einer Abkühlung der US-Konjunktur deutlich verlangsamen wird.

Zwar verfehlte VMware mit einem Umsatz von 412,5 Mio. Dollar die Umsatzerwartungen nur um fünf Mio. Dollar, dies reichte allerdings dafür aus, um die Bewertung von VMware an der Börse um zehn Mrd. Dollar schrumpfen zu lassen. Die Kernaussage hinter diesen Zahlen ist jedoch die Tatsache, dass sich Anleger von den bisherigen gewohnten Wachstumszahlen von 80 bis 90 Prozent verabschieden müssen.

Wachstum verlangsamt sich dramatisch
Wuchs das Geschäft in 2007 noch mit 88 Prozent, werden sich die Wachstumsraten in 2008 dramatisch verlangsamen. Für 2008 stellt VMware lediglich ein Umsatzwachstum von 50 Prozent in Aussicht, was bedeuten würde, dass die Wachstumszahlen insbesondere in der zweiten Jahreshälfte auf 30 bis 40 Prozent sinken werden. Zudem zeichnet sich ein Trend ab, wonach OEM-Hersteller künftig für einen größeren Teil der Lizenzerlöse verantwortlich zeichnen werden, was sich eher wachstumsdämpfend auswirken dürfe.

Zudem ist VMware nach wie vor in einem hohen Grad vom US-Geschäft abhängig. Das US-Geschäft steuerte im vierten Quartal mit 54 Prozent noch die Mehrheit zum Gesamtumsatz bei und wuchs mit 67 Prozent zuletzt deutlich langsamer als die Gesamteinnahmen. Sollte also die US-Konjunktur in eine Rezession abgleiten, stellt dies ein nicht zu unterschätzendes Risiko für das VMware-Geschäft dar.

Wettbewerb dürfte sich weiter verschärfen
In 2008 will VMware mit seinen Produkten dagegen halten, doch die Konkurrenz von Microsoft, Oracle und Citrix Systems steht bereits in den Startlöchern. Analysten taxieren den technischen Vorsprung von VMware derzeit auf rund 18 Monate und verweisen auf den First-Mover-Vorteil des Virtualisierungspioniers, doch Microsoft will spätestens im dritten Quartal 2008 mit einem umfassenden Produktangebot das Kerngeschäft von VMware angreifen.

Das Redmonder Softwarehaus hat zudem auch das notwendige Kapital, um sich Technologie zu erkaufen. In der Branche wird bereits über die Übernahme von Citrix Systems durch Microsoft spekuliert, womit der weltweit größte Softwarekonzern zu einem ernsthaften Wettbewerber aufsteigen könnte. Sollte Microsoft diesen Schritt tatsächlich vollziehen, könnte es wirklich ungemütlich für VMware werden…

Kurzportrait

Die im Jahre 1998 gegründete und im kalifornischen Palo Alto ansässige VMware sieht als marktführender Spezialist in Sachen Virtualisierungstechnologien. Das Unternehmen bietet ein vollständiges Produktfolio an, mit dem Unternehmen mehrere Betriebssysteme auf einem Rechner bzw. Server betreiben können. Ferner bietet VMware Backup- und Sicherungssysteme (VMware Consolidated Backup, VMware HA) an, um Unternehmen bei Defekten bei Rechnern und Servern vor Datenverlusten zu schützen. Zudem werden Automatisierungsprodukte angeboten, die Firmen dabei helfen sollen, ihre IT-Umgebung weiter zu optmieren.

Mit dem VMware Player bietet das Unternehmen eine kostenlose Virtualisierungsplattform an, auf dem ein Anwender mehrere virtuelle Maschinen auf einem Desktopsystem betreiben kann. Die Kreation einer virtuellen Maschine ist jedoch mit dem kostenlosen Tool nicht möglich. Trotzdem wurde der VMware Player bereits mehr als 1,8 Mio. Mal aus dem Netz geladen.

Mit VMware Workstation bietet das Unternehmen ein Desktop-Virtualisierungsprodukt für Software- und IT-Professionals an, die mehrere Betriebssysteme auf einem Desktop-Rechner betreiben wollen. Nutzer können somit simultan Betriebssysteme wie Windows, Linux, NetWare oder Solaris auf einem Rechner betreiben. Eine Partitionierung der Festplatten ist nach VMware-Angaben nicht notwendig.

Mit VMware Server bietet das Unternehmen eine kostenlose Virtualisierungsplattform für Firmenkunden an, die mehrere virtuelle Maschinen auf einem Server betreiben wollen. Das Produkt ist vornehmlich für Administratoren in Unternehmen gedacht, wobei VMware hier Einnahmen über Produkt-Support und Subscription-Gebühren erzielt. Das kostenlose Tool VMware Server wurde bislang mehr als 2,2 Mio. Mal über die VMware-Seiten heruntergeladen. Mit VMware ESX Server bietet die Gesellschaft eine Virtualisierungsplattform an, die direkt auf der Hardware lauffähig ist und ohne Betriebssystem auskommt.

Mit VMware Motion bietet die Gesellschaft ein Tool an, dass den Wechsel von virtuellen Maschinen auf einen anderen Rechner ermöglicht, ohne dass es zu einem Datenverlust oder einer Serviceunterbrechung kommt. Insgesamt setzen weltweit mehr als 20.000 Firmenkunden, darunter Merrill Lynch, Qualcomm, Fuji Film, Denso, Johnson Controls, Siemens, Subaru, Tellabs und T-Systems Global. In 2007 verstärkte sich VMware durch die Übernahme von Dunes Technologies und Psion. Anfang 2008 folgten mit der Übernahme von Thinstall und dem Desktop-Virtualisierungsgeschäft von Foedus zwei weitere Zukäufe. Der Mutterkonzern und Speicherspezialist EMC kontrollierte zuletzt noch 85 Prozent der VMware-Anteile.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2007 meldet VMware einen Umsatzanstieg um 80 Prozent auf 412,5 Mio. Dollar, nach Einnahmen von 229,6 Mio. Dollar im Jahr vorher. Dabei konnte VMware seinen Gewinn auf 78,2 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie mehr als verdoppeln, nach einem Plus von 31 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Aktie in im Vorjahreszeitraum.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie, womit VMware zumindest die Gewinnerwartungen übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man zunächst allerdings mit Einnahmen von 417,4 Mio. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 24 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: VMware

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