United Internet sucht neue Wachstumschancen im Internet

Donnerstag, 14. Januar 2010 13:43
United Internet

(IT-Times) - Die Aktien des deutschen Internet-Spezialisten United Internet AG (WKN: 508903) sahen sich zuletzt wieder im Aufwind, nachdem sich das Geschäftsumfeld wieder etwas aufhellte. Allerdings kämpft United Internet weiterhin mit einem gesättigten DSL-Markt in Deutschland und sucht nach neuen Möglichkeiten, weiteres Wachstum zu generieren.

In den Mittelpunkt des Interesses ist nunmehr offenbar der IPTV-Markt gerückt. Wie die Financial Times vor wenigen Wochen berichtete, soll United Internet und dessen Tochter 1&1 die Deutsche Telekom aufgefordert haben, IPTV-Infrastrukturtechnik für Wettbewerber unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. United Internet will das IPTV-Backend der Telekom mitnutzen dürfen und sieht in der aktuellen Situation eine Monopolstellung der Deutschen Telekom, wie der 1&1 Robert Hoffmann gegenüber der FAZ jüngst durchblicken ließ. 1&1 will künftig ein eigenes IPTV-Angebot vermarkten, ist dabei aber auf die Kooperationsbereitschaft der Deutschen Telekom angewiesen.

Telekom zeigt sich gesprächsbereit
Um entsprechende IPTV-Angebote vermarkten zu können, ist der Zugriff auf das Multicast-Fernsehsignal der Deutschen Telekom erforderlich, wogegen sich die Telekom verständlicherweise (noch) sträubt, ist die Telekom mit „T-Home Entertain“ bereits mit einem eigenen IPTV-Angebot am Start.

Gegenüber der FAZ zeigte sich ein Sprecher der Telekom jedoch gesprächsbereit und kündigte an, dass VDSL-Vorleistungsprodukt so weiter zu entwickeln, dass auch Wettbewerber IPTV-Angebote realisieren können. Allerdings müsste United Internet dann ein eigenes Programm konzipieren bzw. Inhalte einkaufen.

IPTV mit Potential - 2,5 Mio. Anschlüsse im Jahr 2012 erwartet
Hier könnte United Internet möglicherweise seine Beziehungen zum Kooperationspartner ProSiebenSat.1 und dessen Online-Videothek maxdome nutzen. Das Angebot, welches in Kooperation mit United Internet entstanden ist, gilt als größtes Pay-per-View Angebot in Europa und würde sich damit auch als IPTV-Plattform eignen.

Ein Markteinstieg im Bereich IPTV wäre für United Internet wichtig, könnte das Unternehmen damit Zukunftschancen nutzen. Der Branchenverband BITKOM und Goldmedia gehen davon aus, dass es in Deutschland im Jahr 2012 bereits 2,5 Mio. IPTV-Anschlüsse geben wird. Die direkten Erlöse in diesem Geschäftsfeld sollen dabei auf 420 Mio. Euro klettern…

Kurzportrait
United Internet ist ein Internet Service Provider mit Sitz in Montabaur. Das Unternehmen entwickelt und vertreibt Internet-Anwendungen und technische Mehrwert-Produkten an Privatkunden und kleine oder mittelständische Unternehmen. Dabei ist United Internet in drei Geschäftsfelder gegliedert: Produkte und Online-Marketing. Die Sparte Outsourcing wurde mit dem Verkauf von twenty4help aufgelöst. Anfang 2008 gründete United Internet mit der Creative Campaigns & Crossmedia eine neue Beratungseinheit.

Die Anwendungen und technischen Mehrwerte des Unternehmens basieren auf eigenen Produkten und im eigenen Haus entwickelter Software. Das Endverbraucher-orientierte Segment Produkte ist das Kerngeschäft und erwirtschaftet die Mehrheit des Umsatzes. Hier vermarktet die Gesellschaft Internet-Mehrwertdienste und -zugänge über die Marken GMX, WEB.DE, 1&1 sowie Schlund + Partner an private und gewerbliche Kunden. Die Internetzugänge werden als Reseller-Verträge der Deutsche Telekom AG an den Mann gebracht. Im Geschäftsfeld Online-Marketing offeriert United Internet beispielsweise Domain-Marketing über Sedo und Affiliate-Marketing über affilinet. Zur Marketing-Sparte gehört auch der Werbevermarkter AdLINK.

1988 wurde United Internet unter dem Namen 1&1 gegründet. Zunächst tritt die Gesellschaft hauptsächlich als -Vermarkter von kleinen Softwareanbietern auf. 1996 hat die 1&1-Gruppe schon fünf Tochtergesellschaften, die sich auf Segmente in den Bereichen Online- und Multimedia konzentrieren. Mit der Deregulierung des Telekommunikationsmarktes und dem Aufkommen des Internets eröffnen sich neue Geschäftsmöglichkeiten. 1997 werden die ersten Internetzugänge vermarktet, ein Jahr später folgt der Börsengang. Kurze Zeit später steigt 1&1 bei dem Internetprovider Schlund & Partner ein, das Unternehmen wird später vollständig übernommen. Hierdurch kann der Geschäftskundemarkt erschlossen werden. Noch vor der Jahrtausendwende gründet 1&1 mit anderen Partnern den e-Mail-Dienst GMX.

Zudem werden kleinere Unternehmen aufgekauft. 2000 erfolgt die Umbenennung in United Internet. Nach dem Ende des Dot.com-Booms muss das Unternehmen neu ausgerichtet werden und bereinigt das Portfolio. Ab 2001 verstärkt sich United Internet wieder, die Beteiligungen an 1&1, GMX, Schlund+Partner sowie twenty4help werden auf 100 Prozent aufgestockt. Die twenthy4help AG wurde inzwischen wieder verkauft. In 2006 schluckte United Internet den britischen Web-Hoster Fasthosts Internet. Auf der Portal-Seite übernahm United Internet das Geschäft von Web.de. Darüber hinaus erwarb United Internet weitere Anteile an dem Festnetzanbieter Versatel (25,05 Prozent). Anfang 2008 beteiligte sich United Internet mit 48,65 Prozent an der Medienholding virtual minds AG (Adition). Im Mai 2009 erwarb die United Internet Tochter 1&1 das DSL-Geschäft von freenet. Im Herbst 2009 trennte sich United Internet von seiner direkten freenet-Beteiligung und verkaufte 10,79 Mio. Anteile. Trotz des Verkaufs ist United Internet weiterhin über die MSP Holding GmbH mit etwa 12,75 Millionen Aktien an freenet beteiligt.

Zahlen
Der Umsatz des dritten Quartals 2009 verbesserte sich gegenüber 2008 um 4,4 Prozent von 391,7 Mio. Euro auf 409,1 Mio. Euro. Es wurde ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 95,4 Mio. Euro erwirtschaftet (2008: 78,5 Mio. Euro). Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) von United Internet summierte sich auf 82 Mio. Euro nach 65,1 Mio. Euro im dritten Quartal 2008. Inklusive eines Einmalertrages in Höhe von 50,2 Mio. Euro aus dem Verkauf der direkt gehaltenen freenet-Anteile stieg das EBITDA auf 145,6 Mio. Euro und das EBIT auf 132,2 Mio. Euro. Nach einem Ergebnis je Aktie von minus 45 Cent in 2008 wurden nun plus 43 Cent erreicht. United Internet wies darauf hin, dass im Vorjahreszeitraum Einmaleffekte aus Wertminderungen von 63 Cent je Aktie wirksam geworden seien. Nun wäre das Ergebnis je Aktie durch positive Effekte in Höhe von 19 Cent aus dem Verkauf der freenet-Anteile sowie mit drei Cent aus eingestellten Geschäftsbereichen beeinflusst worden.

Meldung gespeichert unter: United Internet

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...