Texas Instruments hängt Infineon mit Milliardenzukauf ab

Mittwoch, 6. April 2011 13:13
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(IT-Times) - Der amerikanische Mobile-Chiphersteller Texas Instruments (NYSE: TXN, WKN: 852654) sorgte am Vortag für einen Paukenschlag. Für 6,5 Mrd. US-Dollar wollen die Texaner den Rivalen National Semiconductor Corporation (NSM) übernehmen.

Während einige Analysten den Kaufpreis für zu hoch halten, sieht die Mehrheit der Investoren und Marktteilnehmer den Deal positiv - TI-Aktien präsentierten sich trotz des hohen Aufpreises deutlich fester. Bei Texas Instruments (TI) begründet man den Deal unter anderem mit Kosteneinsparungen von 100 Mio. Dollar, die durch den Zusammenschluss realisiert werden können.

Analysten: TI zahlt einen hohen Preis
Bei Nomura Securities ist man nicht ganz so überzeugt. Nomura-Experte Romit Shah verweist darauf, dass solche Mega-Fusionen im Halbleiterbereich bislang meist nicht zu den gewünschten positiven Effekten geführt haben. Citigroup Experte Glen Yeung sieht hingegen durch den Mega-Deal durchaus Vorteile für beide Unternehmen, die sich gut ergänzen würden. Andere Analysten verweisen auf den hohen Aufpreis, da TI ein Premium von 78 Prozent gegenüber dem jüngsten NSM-Schlusskurs zahlt.

Fakt ist aber, dass sich TI durch die Milliardenübernahme im Bereich analoger Halbleiter signifikant verstärkt. Analoge Halbleiter sind heute in fast allen Anwendungsgebieten, sowohl im Militärbereich, wie auch in Waschmaschinen zu finden. Analoge Chips wandeln Eingaben in elektronische Signale um, womit vor allem die Stromzufuhr oder andere Aufgaben geregelt werden. TI galt bisher als der größte Anbieter dieser Halbleiter, wobei das Geschäft für 43 Prozent des Gesamtumsatzes verantwortlich zeichnete.

Fusion schafft neuen Giganten bei Power-Management-Chips
Darüber hinaus wird die Fusion einen Giganten im Bereich Power-Chips schaffen, merken die Marktforscher aus dem Hause IM Research an. Die beiden Unternehmen werden im Power-Management und Driver IC Markt zusammen auf einen Marktanteil von 17 Prozent kommen und damit ihre Marktstellung gegenüber dem Konkurrenten Infineon weiter ausbauen.

TI und NSM werden nach Abschluss der Transaktion in diesem Bereich dann zwei Mal so groß sein wie Infineon, rechnen die IMS-Marktforscher vor. Während die Stärken von TI vor allem bei Switching Controller und im Batterie-Management zu suchen sind, gilt NSM im Bereich Spannungsregler ICs als non plus ultra.

Neben dem Power-Management-Markt werden die beiden Unternehmen auch im Bereich LED-Treiber-IC ihre führende Position weiter ausbauen und ihren Marktanteil auf über 25 Prozent steigern, so die IMS-Marktforscher. LED-Treiber-ICs schützen LED-Leuchten für thermischer Überlastung und regulieren das Licht. Dieser Bereich gilt als wachstumsstarker Zukunftsmarkt, der im vergangenen Jahr bereits ein Volumen von einer Mrd. Dollar erreichte.

In diesem Bereich waren TI und NSM bereits die Nummer eins und zwei im Markt und werden durch den Zusammenschluss den Konkurrenten Infineon weiter abhängen - vorausgesetzt, die geplante Fusion nimmt die Hürde der Kartellbehörden.

Kurzportrait

Seit mehr als sechs Jahrzehnten ist Texas Instruments (TI) nunmehr im Markt für Elektronikkomponenten engagiert. Zunächst für seine Taschenrechner bekannt, schaffte das Unternehmen in den 90er Jahren durch seine Mobilfunkchips den Durchbruch. Aus dem Geschäft mit Digital Signal Prozessoren (DSPs), in denen TI einst Marktführer war, will sich das Unternehmen zurückziehen, um sich auf sein Kerngeschäft mit analogen Chips zu konzentrieren. Heute operiert TI von vier Geschäftsbereichen heraus: Analog, Embedded Processing, Wireless und Other. TI verkauft seine Produkte dabei an Auftrags-, OEM- und ODM-Hersteller weltweit.

Das Geschäft mit Kabelmodems und DSL-Equipment gab IT dagegen in 2007 an den Münchner Chip-Konzern Infineon ab. Der Bereich analoge Halbleiter soll nach der Übernahe von National Semiconductor rund 50 Prozent des Umsatzvolumens beitragen.

Neben analogen Halbleitern bietet TI auch Logic-Chips, Mikroprozessoren und Microcontroller an. So beliefert TI unter anderem große Mobilfunkunternehmen wie Nokia und Motorola, wobei die Finnen zu den größten Kunden der Amerikaner zählen.

Neben dem Kerngeschäft mit Mobilfunkchips, analogen Halbleitern und elektronischen Komponenten, widmet sich TI auch der Unterstützung von jungen Technologiefirmen, welche sowohl Hardware als auch Software rund um den Bereich DSP und verwandte Bereiche entwickeln. Hierfür rief TI gemeinsam mit Granite Ventures im Jahre 1996 das Joint Venture TI Ventures ins Leben.

Zudem verstärkte sich TI im WiFi- und RFID-Bereich durch die Übernahme der kalifornischen Radia Communications sowie des Chiphersteller Integrated Circuit Designs. Im Herbst 2007 kaufte TI den Power-Management-Spezialisten Powerprecise Solutions. In 2008 verstärkte sich TI durch die Übernahme von Commergy Technologies und Innovative Design Solutions. Im Frühjahr 2009 stärkte TI sein Microcontroller-Geschäft mit der Übernahme von Luminary Micro. Im Frühjahr 2011 kaufte TI den Rivalen National Semiconductor für 6,5 Mrd. US-Dollar.

Das Unternehmen unterhält neben dem Stammhaus in Dallas/Texas noch weitere Fertigungs- und Vertriebsniederlassungen in mehr als 30 Ländern weltweit.

Zahlen

Meldung gespeichert unter: Texas Instruments (TI)

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