TAL-Runde 2013: Bundesnetzagentur setzt zwiespältiges Signal

Donnerstag, 28. März 2013 16:00
BREKO

Die Deutsche Telekom hat Anfang des Jahres bei der Bundesnetzagentur (BNetzA) ihren Antrag auf eine rund 25-prozentige Erhöhung der Entgelte für die Nutzung der Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) eingereicht. Heute gab die Regulierungsbehörde ihre Entscheidung bekannt: Der Mietpreis zum Hauptverteiler (HVt) wird ab dem 1. Juni 2013 angehoben – von 10,08 Euro auf 10,19 Euro (netto). Die Monatsgebühren für die allerletzte Meile zum Kabelverzweiger (KVz) werden von 7,17 Euro auf 6,79 Euro (netto) gesenkt. Der Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO) hatte von der Behörde eine deutliche Reduzierung aller TAL-Varianten gefordert, um mehr Investitionsanreize für den kostenintensiven Breitbandausbau zu schaffen – vor allem im ländlichen Raum.

Bonn, 28. März 2013: Die BNetzA hat dem Infrastruktur-Wettbewerb einen Dämpfer verpasst.  Alle zwei Jahre beantragt die Deutsche Telekom bei der Regulierungsbehörde, die Mietpreise der letzten Meile – die Verbindung zwischen Kabelverzweiger (KVz) beziehungsweise Hauptverteiler (HVt) und Wohnung – deutlich anzuheben. Dieses Mal sollten die TAL-Preise nach Wünschen der Telekom um rund 25 Prozent steigen. Nachdem die Regulierungsbehörde in den letzten Runden die Entgelte für die HVt-TAL marginal reduziert hat, vollzieht sie nun eine Kehrtwende und kommt dem Ex-Monopolisten entgegen. Der BREKO hatte sich hingegen stets für eine deutliche Absenkung der HVt-TAL ausgesprochen. Das Ergebnis: Der Monatspreise für die Anmietung der Leitungen des HVt wird von 10,08 Euro auf 10,19 Euro (netto) raufgesetzt. Mit der Anhebung gehen wichtige Investitionsmittel für die kostenintensive Glasfaserverlegung verloren – vor allem im ländlichen Raum. Dort zählt jeder Cent.

Die im Gegenzug vorgenommene Absenkung der KVz-TAL von 7,17 Euro auf 6,79 Euro (netto) wiegt diesen Nachteil jedoch  nicht auf. Grund: Die Investitionsmittel, um Glasfaser zum KVz zu verlegen und von der Absenkung der KVz-TAL zu profitieren, müssen am HVt verdient werden. Das wird nach dieser Entscheidung für die City- und Regional-Carrier deutlich schwieriger.

„Die BNetzA hat die Chance verpasst, eindeutige Investitions-Impulse für den Breitbandausbau der Wettbewerber zu setzen. Eine deutliche Absenkung der TAL-Preise wäre nämlich das beste Investitionsprogramm für den dringend erforderlichen Breitbandausbau in der Fläche. Damit ist die Entscheidung zunächst keine gute Nachricht für Bürgerinnen und Bürger. Insbesondere, weil die für den Ausbau erforderlichen Mittel nicht in größerem Maße bei den Unternehmen bleiben, die wirklich investieren, sondern beim Ankündigungsweltmeister Deutsche Telekom“, sagt Stephan Albers, Geschäftsführer des BREKO.

Die neuen Entgelte greifen ab dem 1. Juli 2013. Zwar hat die Deutsche Telekom ihre Forderungen nicht im vollen Umfang durchsetzen können, durch die Anhebung der HVt-TAL wird der so wichtige Breitbandausbau der Wettbewerber dennoch gebremst.  Allerdings ist das letzte Wort hierzu noch nicht gesprochen. Die  Entscheidung muss noch der Europäischen Kommission vorgelegt werden. Diese peilt mittelfristig einen Entgelt-Korridor von 8 bis 10 Euro für die HVt-TAL an. Von diesem Korridor bewegt sich die BNetzA mit der Entscheidung weg.

 

Was die Entgelt-Absenkung bezüglich der KVz-TAL für die Wettbewerber am Ende wert ist, hängt maßgeblich von einer weiteren Entscheidung ab, die die Regulierungsbehörde kurzfristig zum Thema Vectoring treffen muss. Auch hier hatte der Ex-Monopolist einen entsprechenden Antrag eingereicht und den exklusiven Einsatz der innovativen Breitbandtechnik für sich reklamiert. Der BREKO kontert hier ebenfalls seit Monaten und setzt alles daran, dass die Technik wettbewerbskonform und diskriminierungsfrei eingesetzt werden kann. Ansonsten würde der Infrastruktur-Wettbewerb beendet und der ehemalige Staatskonzern hätte seine Monopolstellung zurückerlangt.

 

Über den BREKO:

Der Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. (BREKO) repräsentiert den Großteil der Festnetzwettbewerber der Telekom Deutschland. Unsere Mitglieder vermarkten ihre Produkte vor allem auf Basis eigener Infrastruktur in Kombination mit dem entbündelten Teilnehmeranschluss (TAL) der Telekom Deutschland; vermehrt bieten sie aber auch eigene hochleistungsfähige Glasfaseranschlüsse direkt zum Kunden (FTTH/B) an.

 

Seit seiner Gründung im Jahre 1999 tritt der BREKO erfolgreich für den Infrastrukturwettbewerb im deutschen Telekommunikationsmarkt ein. Die über 140 BREKO-Unternehmen, darunter City- und Regionalcarrier sowie Stadtwerke versorgen sowohl Ballungsräume als auch ländliche Gebiete, die „weißen Flecken“, mit hochleistungsfähigen Glasfaseranschlüssen. Dazu haben sie im Jahre 2011 rund 1,5 Mrd. Euro investiert und dabei einen Umsatz in Höhe von etwa 7 Mrd. Euro erwirtschaftet. Damit leisten die BREKO-Unternehmen einen maßgeblichen Beitrag zum flächendecken Glasfaserausbau sowie zur Erreichung der Breitbandziele der Bundesregierung. Auch weiterhin sind die BREKO-Unternehmen zu Investitionen bereit. Vor diesem Hintergrund tritt der BREKO für verlässliche gesetzliche und regulatorische Rahmenbedingungen ein, dazu gehören beispielsweise eine angemessene Regulierung von Vorleistungen und eine einheitliche Regulierung im gesamten Bundesgebiet. Der BREKO ist zudem maßgeblich an der Entwicklung von Open Access-Geschäftsmodellen beteiligt, bei denen die unternehmerische Freiheit bei der Ausgestaltung einer diskriminierungsfreien Zugangsgewährung an Dritte im Vordergrund steht.

Weitere Informationen finden Sie unter www.brekoverband.de.

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