Suntech am Abgrund: Verluste und hohe Schulden zerren an der Substanz

Mittwoch, 5. September 2012 14:17
Suntech Power Holdings

(IT-Times) - Chinas führender Solarkonzern Suntech Power Holdings steht wie viele andere Solarfirmen am Abgrund. Finanzierungsprobleme, eine sinkende Nachfrage und der anhaltende Preisverfall treiben die Anbieter in den Ruin.

Suntech hat jüngst seine vorläufigen Zahlen für das vergangene zweite Quartal 2012 präsentiert. Suntechs neuer CEO David King sprach zwar von einer höheren Nachfrage aus Europa, USA, China, Japan und Australien, insgesamt senkte das Unternehmen jedoch seine Auslieferziele für das Gesamtjahr 2012 auf nunmehr 1,8 bis 2,0 Gigawatt. Ursprünglich wollte Suntech Solarprodukte mit einer Leistung von 2,1 bis 2,5GW ausliefern.

Verluste und hohe Schulden lasten auf der Bilanz
Suntech konnte zwar eigenen Angaben zufolge im jüngsten Quartal einen positiven operativen Cashflow von fünf Mio. Dollar generieren, doch unter dem Strich dürften auch im zweiten Quartal 2012 tiefrote Zahlen stehen. Analysten erwarten einen Nettoverlust von 46 US-Cent je Aktie. Die Bruttomarge gibt Suntech im jüngsten Quartal mit minus zehn Prozent an. Suntech (NYSE: STP, WKN: A0HL4L) will daher seine Kosten weiter drastisch senken, um den Preisverfall entgegenzuwirken.

Zudem will das Unternehmen verschiedene Optionen ausloten, wodurch die in 2013 fällige Wandelschuldverschreibung refinanziert werden kann. Ingesamt steht Suntech mit über 2,3 Mrd. US-Dollar in der Kreide, so die Analysten aus dem Hause Jefferies.

Preisverfall geht weiter
Obwohl sich die Nachfrage in der chinesischen PV-Industrie in diesem Jahr auf fünf bis sechs Gigawatt gegenüber dem Vorjahr verdoppeln dürfte (Quelle: Solarbuzz), kämpft die Industrie nach wie vor mit dem gleichen Problem: Nach wie vor produziert die Solarindustrie mehr, als der Markt aufnehmen kann. Die Folge ist ein Preiskollaps, der die Anbieter in eine existentielle Krise stürzt.

Seit 2010 sind die Preise für Polysilizium-Wafer, die für die Fertigung von Solarzellen benötigt werden, um 73 Prozent eingebrochen. Die Preise für Solarzellen brachen um 68 Prozent ein, während die Modulpreise um 57 Prozent gesunken ist.

Auch für das zweite Halbjahr 2012 erwarten die Marktforscher aus dem Hause IHS iSuppli und einen weiteren Rückgang der Preise von durchschnittlich elf Prozent. Zwar gilt die Solarindustrie im Zuge der Energiewende nach wie vor als zukunftsträchtig, doch kurzfristig haben die Anbieter kein wirksames Mittel zur Hand, um die Krise erfolgreich zu meistern.

Suntech und Hanwha Solar schließen Forschungskooperation
Die Wirkungsgrade der Module sind zu gering und die Kosten für die Speicherung von Sonnenstrom sind noch zu hoch, damit sich der Eigenverbrauch von Solarstrom wirklich lohnt. Suntech hat daher gemeinsam mit Hanwha SolarOne und der University of New South Wales eine Forschungsoffensive gestartet, um den Wirkungsgrad von Silizium-Solarzellen zu verbessern.

Kleine Metallkontakte sollen in den elektrischen Insolator einer Solarzelle integriert werden und so für einen höheren Wirkungsgrad sorgen, so der Branchendienst Phys.org. Insgesamt wartet die Industrie aber noch auf den großen Durchbruch, der die Modul-Wirkungsgrade deutlich anhebt und so die Netzparität einen großen Schritt näher rücken lässt.

Kurzportrait

Suntech Power Holdings Ltd wurde im Jahre 2001 von Dr. Zhengrong Shi gegründet. Der Gründer fungiert heute als CEO und Chairman der Gesellschaft. Die im chinesischen Wuxi ansässige Suntech Power ist heute der weltweit größte Hersteller von Solarmodulen. Das Geschäft mit dem Verkauf von Solarmodulen steuerte zuletzt die Mehrheit zu den Umsatzerlösen bei, während das Geschäft mit Solarzellen und Solar-Wafer den übrigen Umsatz trug.

Das Unternehmen betreibt vier große Fertigungsfabriken in China (Wuxi, Luoyang, Qinghai und Shanghai). Die Produkte des Unternehmens kommen nicht nur auf Hausdächern, sondern auch in Lampen und Relay-Stationen sowie in der Industrie zum Einsatz. Suntech exportiert den Großteil seiner Produkte in Ländern wie Deutschland und Spanien. Verkauft werden die Solarzellen über Distributoren und Modulhersteller weltweit. Zu den Kunden des Unternehmens zählen namhafte Solarfirmen wie die SolarWorld AG, Conergy AG, Altersa, IBC Solar AG, Ibesolar Engeria S.A..

Das Unternehmen hat sich über langfristige Lieferverträge Siliziummaterial für seine Produktion in den nächsten Jahren gesichert. In Sachen Polysilizium-Versorgung arbeitet Suntech mit der südkoreanischen DC Chemical zusammenarbeiten (Kontrakt bis 2016). Weitere Lieferanten im Bereich Solar-Wafer sind Glory Silicon, Wacker Schott, sowie PV Crystalox Solar und ReneSola.

Daneben hält Suntech zahlreiche Beteiligungen an Tochterfirmen. Bereits in 2006 beteiligte sich Suntech mit 66,88 Prozent der Anteile an dem Solarspezialisten MSK Corporation. In 2007 gründete das Unternehmen mit der Shenzhen Suntech Co Ltd eine neue Tochter, an der das Unternehmen 80 Prozent der Anteile hält. Weitere Tochterfirmen sind die Shenzhen New Photovoltaic Technology Development Co und die Shenzhen Yutong Investment Co. An der in 2007 gegründeten Tochter Jiangsu Suntech hält Suntech 90 Prozent der Anteile.

Anfang 2008 beteiligte sich Suntech mit 100 Mio. US-Dollar an den Polysilizium-Hersteller Nitol Solar, um sich weitere Polysilizium-Lieferungen zu sichern. Im April 2008 übernahm Suntech zudem den deutschen Automatisierungsspezialisten KSL-Kuttler. Gleichzeitig beteiligte sich Suntech mit einer Minderheitsbeteiligung an dem chinesischen Silizium-Spezialisten Shunda Holdings Co Ltd sowie an dem chinesischen Polysilizium-Spezialisten Asia Silicon. Ende 2010 schloss Suntech die Übernahme von Rietech Solar ab. Gleichzeitig trennte sich Suntech von seiner 20%igen Beteiligung an Asia Silicon. Im Bereich Silizium-Ingot und Solar-Wafer betrugen die Produktionskapazitäten zum Jahresende 2010 rund 500 Megawatt.

Meldung gespeichert unter: Suntech Power Holdings

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