SAP sorgt mit Milliardenzukauf für Irritationen

Dienstag, 9. Oktober 2007 12:52
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(IT-Times) Mit der größten Firmenübernahme seit 35 Jahren wollte der Walldorfer Softwarehersteller SAP AG (NYSE: SAP, WKN: 716460) die Märkte beeindrucken. Doch Investoren und Analysten reagierten wenig erfreut über den jüngsten Milliardenzukauf - SAP-Aktien präsentierten sich zuletzt deutlich leichter.

4,8 Mrd. Euro bzw. 6,8 Mrd. Dollar ließ sich SAP die Verstärkung im Business Intelligence (BI) Markt kosten - ein stolzer Preis für das französisch-amerikanische Softwarehaus Business Objects, wie viele Marktbeobachter meinen. Immerhin zahlt SAP das 5,4-fache des 2006er Jahresumsatzes. Gleichzeitig bezahlt man das 90-fache des Nettogewinns, den Business Objects in 2006 ausgewiesen hatte. Im Vergleich hierzu kam Oracle deutlich günstiger weg. Der US-Datenbankriese zahlte für den Konkurrenten Hyperion nur das 4,3-fache des Umsatzes sowie das 52-fache des Nettogewinns.

Zugleich kommt der Milliardendeal einer Abkehr von der bisherigen Strategie gleich. Während man zuletzt eher auf kleine Zukäufe (OutlookSoft, Pilot Software) setzte, soll nunmehr ein Milliarden-Coup den Rückstand auf Oracle verkürzen. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die jüngsten Zukäufe in diesem Marktbereich nicht ausreichend waren und man Hyperion doch nicht hätte Oracle überlassen sollen.

Fragezeichen Integration
Diese Schmach soll nunmehr offenbar der Business Objects-Zukauf wettmachen, wenngleich SAP-Chef Henning Kagermann entsprechende Motivationen hinter dem jüngsten Zukauf von sich weist. „Es ist keine Reaktion, da wir nicht sehen können, dass Oracle Marktanteile gewinnt“, meint SAP-Chef Kagermann in einem Statement. Doch tatsächlich hat Oracle in den jüngsten Quartalen die Gewinnerwartungen der Märkte übertreffen können, was auch auf die jüngsten Zukäufe zurückzuführen ist.

Während sich Analysten über den hohen Kaufpreis mokieren, hat die Übernahme dann doch auch seine positiven Seiten. Zum einen wird es durch den ohnehin schon hohen Preis voraussichtlich kein Bietergefecht um Business Objects geben, zum anderen gewinnt SAP rund 44.000 Kunden hinzu, was SAP dabei helfen könnte, sein ehrgeiziges Ziel von 100.000 Kunden im Jahr 2010 zu erreichen.

Daneben soll die Marke Business Objects erhalten bleiben, wodurch größere Restrukturierungen und ein Stellenabbau vermieden werden sollen. Vielmehr wachsen beide Unternehmen schnell und wollen die vorhandene Infrastruktur des jeweils anderen Unternehmens nutzen, was sogar zu neuen Arbeitsplätzen führen soll, verspricht SAP-Lenker Kagermann. Daneben soll sich die Übernahme im Jahr 2009 positiv auf die Gewinnentwicklung von SAP auswirken und dem Unternehmen zu mehr Marktanteilen im Analysesoftwaremarkt verhelfen, der zuletzt um zehn Prozent auf 6,35 Mrd. Dollar wuchs (Quelle: AMR Research).

Sollte sich der Milliardendeal als erfolgreich erweisen, dürfte dies einen Wechsel in der langfristigen Firmenstrategie einleiten, die zu weiteren großen Zukäufen in anderen Bereichen führen könnte.

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 21.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP 1997 die Tochterfirma SAP SI. SAP SI wuchs in der Vergangenheit wiederum durch die Übernahme von Prescient Consulting. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Anfang 2005 übernahm SAP den Softwaredienstleister TomorrowNow. Zudem kaufte SAP mit der kanadischen Triversity und der amerikanischen Khimetrics zwei weitere Softwarespezialisten. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP zudem den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Während SAP acht Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, hält der Autozulieferer Bosch mit 30 Prozent den Löwenanteil an diesem Projekt. Mit seiner neuesten Version von NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2007 meldete SAP einen Umsatzanstieg auf 2,42 Mrd. Euro (3,34 Mrd. Dollar), ein Zuwachs von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Softwareerlöse der Walldorfer zogen zuletzt um 18 Prozent au 715 Mio. Euro an.

Der Nettogewinn kletterte dabei auf 449 Mio. Euro (619,6 Mio. Dollar), nach einem Plus von 415 Mio. Euro im Jahr vorher, womit SAP die Analystenerwartungen leicht übertreffen konnte. Analysten hatten zuvor nur mit einem Plus von 545,1 Mio. Dollar kalkuliert. Umgerechnet konnte SAP einen Nettogewinn von 50 US-Cent je ADS-Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten (44 US-Cent je Anteil) spürbar übertreffen.

Meldung gespeichert unter: SAP

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