SAP auf Sparkurs - Zugeständnisse an Kunden

Donnerstag, 30. April 2009 13:06
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(IT-Times) Im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise muss auch der Walldorfer Softwarekonzern SAP AG (NYSE: SAP, WKN: 716460) auf die Kostenbremse treten und sparen. Hierzu sollen weltweit bis Jahresende 3.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, so SAP. Allein in Deutschland werden rund 600 der 15.000 Arbeitsplätze dem Sparkurs zum Opfer fallen.

Durch weitere Maßnahmen wie das Einfrieren der Gehälter, weniger Dienstreisen und die Straffung von Hierarchien will SAP weitere 200 Mio. Euro einsparen. Das Sparpaket ist auch notwendig, nachdem im jüngsten Quartal das für Softwarefirmen so wichtige Software-Lizenzgeschäft um ein Drittel auf 418 Mio. Euro eingebrochen war. Das Lizenzgeschäft ist in der Regel ein guter Indikator für die künftige Entwicklung des Wartungsgeschäfts, dass im jüngsten Quartal noch vergleichsweise stabil geblieben war.

SAP gibt bei Wartungsgebühren klein bei
Während SAP den Rückgang vornehmlich auf die Rezession zurückführt, hat das Unternehmen aber selbst auch seinen Teil dazu beigetragen, dass die Kunden weniger Software beim Walldorfer ERP-Spezialisten kaufen. Vor allem die umstrittene Anhebung der Wartungsgebühren von 17 auf 22 Prozent des Wertes der Softwarelizenzen inmitten der Wirtschaftskrise hatte im Vorjahr für heftige Kritik bei der SAP-Kundenbasis gesorgt.

Ursprünglich sollten die Gebühren über einen Zeitraum von vier Jahren bis 2012 auf 22 Prozent des Vertragsniveaus angehoben werden. Nach heftigen Protesten gibt SAP nunmehr klein bei. Die Anhebung soll sich nunmehr über sieben Jahre erstrecken, wobei die höheren Gebühren damit erst in 2015 fällig werden. Daneben soll der maximale Preisanstieg pro Jahr auf 3,1 Prozent gedeckelt werden.

Zudem hat sich SAP mit der Anwendervereinigung SUGEN auf ein neues Leistungssystem geeinigt, wonach sich SAP künftig am Mehrwert beim Firmenkunden-Support messen lassen will. Ob das Unternehmen damit die zuletzt verprellten Kunden zurückgewinnen kann, bleibt abzuwarten.

Business By Design soll im dritten Quartal kommen
Immerhin lässt die groß angekündigte Mittelstandssoftware „Business By Design“ immer noch auf sich warten. Im dritten Quartal 2009 soll es dann endlich soweit sein. An das mehrfach verschobene Programm sind große Erwartungen geknüpft, sollen damit insbesondere Mittelständler ihre Kosten deutlich senken können.

Mit „Business By Design“ will SAP im großen Stil im Markt für Software-as-a-Service (SaaS) Lösungen einsteigen. Die Anwendung und die entsprechenden Daten liegen im SAP-Rechenzentrum, wodurch sich der Kunde um die Wartung der Software nicht mehr kümmern muss und damit Zeit und Geld sparen kann...

Kurzportrait

Das im Jahre 1972 ins Leben gerufene und in Walldorf ansässige Softwarehaus SAP AG stieg insbesondere in den 80er und 90er Jahren zum weltweit führenden Anbieter im Bereich ERP-Software (Enterprise Resource Planning) auf.

Diese Unternehmenssoftware erlaubt es Firmenkunden wichtige Daten im Bezug auf Geschäftsprozesse, wie der Produktion, Buchhaltung, Personalverwaltung und Vertrieb innerhalb eines Unternehmens im Auge zu behalten und Geschäftsabläufe zu optimieren. Heute setzen bereits mehr als 21.000 Unternehmen in mehr als 120 Ländern weltweit auf Software aus dem Hause SAP.

Mit dem Einzug des Internet ergänzte auch SAP sein Produktangebot entsprechend und bietet neben seinem Internet-Portal mySAP.com mit der komplexen Softwarereihe mySAP Business Suite sowohl Lösungen rund um elektronische Beschaffungssysteme (Supply Chain Management) als auch Kundenmanagement (Customer Relationship Management) an.

Um die einzelnen Märkte, wie IT-Services und elektronische Beschaffungssysteme effektiv bearbeiten zu können, gründete SAP 1997 die Tochterfirma SAP SI. SAP SI wuchs in der Vergangenheit wiederum durch die Übernahme von Prescient Consulting. Später wurde SAP SI wieder in den Konzern rückintegriert. Anfang 2005 übernahm SAP den Softwaredienstleister TomorrowNow. Zudem kaufte SAP mit der kanadischen Triversity und der amerikanischen Khimetrics zwei weitere Softwarespezialisten. Im Frühjahr 2006 übernahm SAP zudem den Softwareanbieter Virsa Systems sowie den Softwarespezialisten Frictionless Commerce. Mitte 2006 wurde der Softwarespezialist Praxis Software übernommen. Im Frühjahr 2007 kaufte SAP den norwegischen Softwarehersteller MaXware sowie die finnische Wicom Communications. Im Bereich Business Intelligence verstärkte sich SAP durch die Übernahme von OutlookSoft und Pilot Software. Nach der Übernahme seines Partners SAP Arabia schluckte SAP im Herbst 2007 den französischen Analysesoftwarehersteller Business Objects.

Im Bereich elektronische Beschaffungssysteme gründete SAP gemeinsam mit Siemens, Bosch, INA, Continental AG und ZF Friedrichshafen das Joint-Venture SupplyOn AG. Während SAP acht Prozent an dem Unternehmen beteiligt ist, hält der Autozulieferer Bosch mit 30 Prozent den Löwenanteil an diesem Projekt. Mit seiner neuesten Version von NetWeaver will sich SAP weitere Geschäftsmöglichkeiten im Integrationsmarkt und im Markt für Application-Server erschließen Mit dem Projekt „Business By Design“ will sich SAP stärker im Mittelstand und im Markt für Mietsoftware engagieren.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2009 wies SAP einen Gesamtumsatz (nach US-GAAP) von 2,39 Mrd. Euro aus, im Vorjahreszeitraum waren es noch 2,46 Mrd. Euro. Davon entfielen 418 Mio. Euro auf das Segment Software (2008: 622 Mio. Euro). Durch (softwarebezogene) Services erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 1,74 Mrd. Euro nach 1,73 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.

Meldung gespeichert unter: SAP

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