Research In Motion vor radikalem Kurswechsel - Unternehmen droht der Ausverkauf

Montag, 2. April 2012 14:19
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(IT-Times) - Trotz schwacher Zahlen legten die Aktien des kanadischen BlackBerry-Herstellers Research In Motion (RIM) am vergangenen Freitag unter hohen Umsätzen um rund sieben Prozent zu. Investoren und Anleger hegen die Hoffnung, dass es unter der Führung des neuen CEO Thorsten Heins doch noch zu einem Verkauf der Gesellschaft bzw. zu einem radikalem Strategiewechsel kommt.

Der neue CEO hatte noch im Januar einen radikalen Kurswechsel abgelehnt. Nunmehr glaubt der neue CEO, dass sich substantiell etwas ändern müsse, soll RIM wieder auf die Erfolgsspur zurückkehren. Heins hatte zuletzt durchblicken lassen, sich stärker auf den Firmenkundenmarkt konzentrieren und den Konsumentenmarkt nur noch sporadisch bedienen zu wollen. Hintergrund ist der Umstand, dass die Kanadier sukzessive Boden in Sachen Marktanteile gegen Apple (iPhone) und Android im Smartphone-Markt verlieren.

Nielsen: Nur fünf Prozent der US-Smartphone-Käufer greifen zum BlackBerry
Dies scheint sich auch durch die Einführung neuer BlackBerry-Modelle nicht geändert zu haben. Ganz im Gegenteil: Wie eine jüngste Nielsen-Studie belegt, griffen in den USA in den vergangenen drei Monaten lediglich fünf Prozent der Smartphone-Käufer zu BlackBerry-Geräten.

Derweil lassen RIMs neue BlackBerry 10-basierte Smartphones weiter auf sich warten. Voraussichtlich dürften erste BlackBerry 10-basierte Modelle im zweiten Halbjahr 2012 auf den Markt kommen. Bis dahin dürfte RIM (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) weiter Marktanteile im Smartphone-Markt verlieren, glauben Analysten.

Bieten Microsoft und Nokia für den BlackBerry-Hersteller?
Auch scheint ein Verkauf der Gesellschaft als Ganzes möglich, sollten andere Optionen wie die Weiterlizenzierung von BlackBerry-Software nicht fruchten. Bereits im Vorjahr hatten Microsoft und Nokia nach einem Bericht des Wall Street Journals ein gemeinsames Übernahmeangebot erwogen.

Sollten die beiden Schwergewichte tatsächlich ein Gebot abgeben, dürfte dies wohl deutlich über sieben Mrd. US-Dollar, dem aktuellen Marktwert von RIM liegen, glauben Marktbeobachter. Sollten Microsoft und Nokia tatsächlich den Zuschlag bekommen, dürfte das RIM-Betriebssystem wohl der Geschichte angehören. Marktbeobachter gehen davon aus, dass RIM-Modelle dann mit Windows Software ausgeliefert werden.

Noch aber ist es nicht soweit. RIM CEO Thorsten Heins dämpfte im Rahmen des Conference Calls die Hoffnungen auf einen schnellen Buyout. Auch bei Bernstein Research glaubt man vorerst nicht an eine schnelle Übernahme durch Nokia/Microsoft, da die Übernahme geschäftlich keinen Sinn mache, so die Analysten. Allein die RIM-Patente seien werthaltig, allerdings dürfte dies keinen Kaufpreis von mehr als sieben Mrd. Dollar rechtfertigen, glauben die Analysten.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 in Waterloo/Kanada gegründete Research In Motion (RIM) gilt heute als einer der führenden Anbieter von Smartphones. Das im kanadischen Ontario ansässige Unternehmen konnte sich durch seinen Email-Pushservice BlackBerry einen Namen nicht nur in Nordamerika machen. Mit dem BlackBerry können Nutzer an einen beliebigen Ort Emails empfangen, bearbeiten und versenden. RIMs kleines Kommunikationswunder wird derzeit bereits von mehr als 80 Millionen Kunden in über 150 Ländern weltweit eingesetzt. Durch neue Produkte (BlackBerry Storm, BlackBerry Bold, BlackBerry Pearl Flip) will das Unternehmen auch von neuen und schnellen Mobilfunknetzstandards profitieren und seine Marktposition entsprechend sichern. So brachte das Unternehmen mit dem BlackBerryStorm im Jahr 2008 sein erstes Touchscreen-Smartphone auf den Markt.

Nach der Expansion in europäische und asiatisch-pazifische Märkte, will das Unternehmen vor allem in China und Indien weiter wachsen. Durch ein Abkommen mit der ägyptischen Orascom Holdings ist RIM auch in den Märkten des Mittleren Ostens präsent. Durch Kooperationen mit zahlreichen ausländischen Carrier-Partnern geht die Internationalisierung weiter. Im Mittelpunkt der Expansionsbemühungen standen zuletzt nicht nur Europa, sondern auch Asien und der Mittlere Osten. Im Frühjahr 2006 verstärkten sich die Kanadier durch die Übernahme des kalifornischen Softwarespezialisten Ascendent Systems. Anfang 2009 schloss RIM die Übernahme des kanadischen Spezialisten Chalk Media ab. Im März 2009 übernahm RIM den kanadischen Sicherheitsspezialisten Certicom. Mitte 2010 schluckte RIM von Harman International die Betriebssystem-Einheit QNX Software Systems, später folgte die Übernahe des Documents To Go Entwicklers DataViz. Zudem wurde Ende 2010 die schwedische The Astonishing Tribe (TAT) übernommen. Mitte 2011 wurde Scoreloop aufgekauft.

Neben dem Handheld-Computer BlackBerry bietet das Unternehmen aber auch PC-Steckkarten für Laptops und PDAs an. Entsprechende Softwarelösungen rund um die angebotene Hardware ergänzen das Produktportfolio der Kanadier. RIM vertreibt seine Produkte sowohl direkt an Herstellerfirmen, als auch über ein Händlernetz und Carrier wie Hutchison Telecommunications, Cingular und Motient. Zu den namhaften Vertriebspartnern zählen neben AT&T Wireless, auch T-Mobile, Vodafone und Sprint Nextel. Zu den Kunden der Kanadier zählen darüber hinaus Technologiefirmen wie AT&T, Dell, Intel, Panasonic und IBM. Das ehemalige RIM-Führungsduo bestehend aus Jim Balsillie und Mike Lazaridis hielt zuletzt noch eine Minderheitsbeteiligung an der Gesellschaft.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2012 meldet RIM einen Umsatzeinbruch auf 4,19 Mrd. US-Dollar, ein Rückgang von 24,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In diesem Zusammenhang musste RIM zunächst einen Verlust von 125 Mio. Dollar oder 24 US-Cent je Aktie ausweisen, nach einem Gewinn von 265 Mio. Dollar oder 51 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte RIM (Nasdaq: RIMM, WKN: 909607) einen Nettogewinn von 418 Mio. Dollar oder 0,80 Dollar je Aktie realisieren, womit der BlackBerry-Hersteller die Markterwartungen der Analysten leicht verfehlte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 0,81 Dollar je Aktie sowie mit Einnahmen von 4,51 Mrd. Dollar gerechnet.

Trotz der Einführung mehrerer neuer BlackBerry 7 Smartphone-Modelle konnte RIM im jüngsten Quartal nur 11,1 Millionen BlackBerry-Smartphones ausliefern, ein Rückgang von 21 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ferner konnte das Unternehmen im jüngsten Quartal 500.000 PlayBook Tablets zur Auslieferung bringen.

Meldung gespeichert unter: BlackBerry

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