Reißt Qimonda Infineon mit in die Tiefe?

Montag, 26. Januar 2009 13:30
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) Die Pleite des Speicherspezialisten Qimonda kommt für den Münchner Halbleiterkonzern Infineon Technologies AG (NYSE: IFX, WKN: 623100) zur Unzeit. Durch die weltweite Wirtschaftskrise stehen die Münchner selbst unter Druck und schreiben seit geraumer Zeit hohe Verluste.

Nachdem sich das Eigenkapital von Infineon im vergangenen Geschäftsjahr auf rund zwei Mrd. Euro halbiert hat, hoffte das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung frische Mittel in Höhe von 450 Mio. Euro aufzunehmen. Inzwischen ist jedoch der Infineon-Aktienkurs auf 0,62 Euro eingebrochen, womit eine solche Aktienplatzierung in weite Ferne rückt.

Im Zusammenhang mit der Qimonda-Insolvenz gab Infineon am Freitag bekannt, Rückstellungen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich bilden zu wollen. Analysten beziffern die Belastungen auf 200 bis 300 Mio. Euro. Ob diese Rückstellungen ausreichen, um den Schaden zu decken, bleibt fraglich.

Qimonda - ein Ende mit Schrecken oder Schrecken ohne Ende?
Denn ob Qimonda überhaupt im DRAM-Markt weiter machen kann, steht in den Sternen. Zwar hofft die Infineon-Tochter auf eine erfolgreiche Restrukturierung unter dem erfahrenen Insolvenzverwalter Michael Jaffe, doch Marktforscher wie IDC-Analyst Shane Rau glauben nicht an eine schnelle Marktbereinigung.

Die Insolvenz von Qimonda werde die Überkapazitäten auf dem globalen Speichermarkt nicht lösen, so Rau. Vielmehr müsse noch ein weiterer Speicherhersteller aufgeben, um die Preise zu stabilisieren, glaubt der IDC-Analyst. Selbst wenn sich Qimonda zum Ausstieg entschließt und Fabriken stilllegt, dauert es mindestens zwei Monate, bis der letzte Chip vom Band gelaufen ist, weiß UBS-Analyst Uche Orji. Solange werden weiter Chips in den Markt gedrückt, dem keine entsprechende Nachfrage gegenüber steht.

Infineons Zukunft ungewisser denn je
Samsung, Micron und die japanische Elpida Memory dürften den Abschwung aufgrund ihrer Cash-Reserven wohl überstehen, schätzt IDC-Analyst Rau. Doch was wird aus Infineon? Die Münchner erwirtschaften einen Großteil ihrer Umsätze durch Chips für die Automobil- und Elektronikindustrie. Allerdings sanken auch im Kerngeschäft „Automotive, Industrial & Multimarket“ die Umsätze gegenüber dem Vorjahr, nachdem auch die Autoindustrie in die Krise geschlittert ist. Im Februar will Infineon daher rund 1.800 Angestellte in seinem Werk in Dresden für sechs Monate in Kurzarbeit schicken.

Viel drängender ist hingegen die Frage, wie Infineon seinen kurz- bis mittelfristigen Kapitalbedarf decken will. Infineon muss eigenen Angaben zufolge bis 2010 zwei Anleihen im Gesamtvolumen von rund 700 Mio. Euro zurückzahlen. Kredite im Wert von 300 Mio. Euro müssen verlängert werden. Derzeit ist allerdings fraglich, ob Aktionäre und Banken dem angeschlagenen Unternehmen nochmals Geld geben werden. Vielmehr könnte auch Infineon wie auch schon seine Tochter auf Staatshilfe angewiesen sein…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt. Langfristig will Infineon seine Beteiligung an Qimonda auf unter 50 Prozent zurückfahren.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Gleichzeitig gab die Infineon-Tochter Qimonda den Verkauf seiner Inotera-Beteiligung an Micron bekannt. Ende Januar musste Qimonda allerdings Insolvenz anmelden.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie vor einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Cisco und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone 3G aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquarta 2008 meldete Infineon einen Umsatzanstieg um zwölf Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,153 Mrd. Euro. Verglichen mit dem Vorjahresquartal verzeichnete Infineon ein Umsatzwachstum von zwei Prozent. Aufgeteilt auf die Segmente ergibt sich im Bereich „Automotive, Industrial & Multimarket“ ein Umsatzplus im Vergleich zum dritten Quartal 2008 von acht Prozent; verglichen mit dem Vorjahresquartal ging der Umsatz jedoch um sechs Prozent zurück.

Gegenüber dem Vorquartal stieg der Umsatz im Segment „Communication Solutions“ um 24 Prozent, verglichen mit dem Vorjahresquartal ergibt sich ein Umsatzzuwachs von 22 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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