Qualcomm vor neuen Herausforderungen

Freitag, 17. November 2006 00:00
Qualcomm

(IT-Times) Trotz Rekordumsätzen und -gewinnen im vergangenen Fiskaljahr 2006 sah sich der Mobilfunkchiphersteller und CDMA-Pionier Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) zuletzt unter Druck.

Hintergrund sind zum einen mögliche Belastungen aus den laufenden Patentstreitigkeiten mit Broadcom & Co, als auch die Nichtverlängerung des Lizenzkontraktes mit dem Großkunden Nokia. Der entsprechende Kontrakt läuft im April 2007 aus und Qualcomm äußerte sich zuletzt wenig zuversichtlich, dass eine Vertragsvereinbarung noch bis April nächsten Jahres unter Dach und Fach gebracht werden kann. Sollte eine Einigung mit Nokia scheitern, beziffert Qualcomm den möglichen Gewinnausfall auf vier bis sechs Cent je Aktie im Fiskaljahr 2007.

CDMA vs WiMAX

Daneben kämpft Qualcomm aber auch an einer weiteren Front. Mitentscheidend für den weiteren Erfolg des Unternehmens dürfte dabei sein, inwieweit sich Qualcomm mit seiner Technologie in den wichtigen Schwellenländern wie Brasilien, China, Indien und Russland durchsetzen kann. Nach wie basiert der Großteil der weltweiten Mobilfunknetze auf den Mobilfunkstandard GSM (Global System for Mobile) und Intel versucht derzeit mit kräftigen Investitionen seinem favorisierten Standard WiMAX auf die Sprünge zu helfen.

Insbesondere Mobile WiMAX könnte zur ernsthaften Konkurrenz zu Qualcomms Technologie avancieren, wenn sich der Standard in den aufstrebenden Ländern etablieren kann. Qualcomm-Chefstratege Jeff Belk sieht dem WiMAX-Trend hingegen gelassen entgegen und fragt in seinem Strategiepapier „Why Max?“ süffisant nach der Existenzgrundlage der neuen Technik. Die WiMAX-Roadmap liege hinter den Planungen bei Qualcomm. Zudem müsse WiMAX an viele verschiedene Umgebungen erst einmal mit verschiedenen Antennen und entsprechend zugeschnittenen Chipsätzen angepasst werden, weist der Qualcomm-Manager auf die Nachteile der Technik hin.

Dagegen konnte Qualcomm Ende September einen kleinen Erfolg melden. So lizenzierte Qualcomm im wichtigen indischen Markt seine 3G-Technologie an die Himachal Futuristic Communications. Himachal, die Lizenzgebühren an Qualcomm entrichten wird, sieht ein großes Potential für CDMA in Indien, nachdem sich die Zahl der indischen Mobilfunknutzer in den letzten fünf Jahren verzehnfacht hat. So gibt es derzeit bereits mehr als 36 Mio. CDMA-Nutzer in Indien, verweist Himachal auf die bereits vorhandene Akzeptanz der Technik - eine gute Ausgangsbasis für Qualcomm in Indien.

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von digitalen Kommunikationschips für die Mobilfunk-, Satelliten- und Telematikindustrie. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Qualcomm dominiert diesen Mobilfunkstandard mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent. Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Zu den Lizenznehmern dieser Technik zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Hightech-Spezialisten, wie von IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Das im Jahre 1998 von Microsoft und Qualcomm ins Leben gerufene Joint Venture Wireless Knowledge entwickelt hingegen Software, welche die Funktionalität von Microsofts Exchange Server und Lotus Domino Server hinsichtlich mobiler Datenübertragung erweitern soll. Über seine Tochter SnapTrack vertreibt Qualcomm auch sein Satellitenortungs- und Überwachungssystem OmniTRACS, welches nicht nur von Speditionsfirmen in den USA eingesetzt wird. Auch in Japan wollen Firmen künftig auf das so genannte „Wireless Assisted GPS“ setzen. Daneben vertreibt Qualcomm auch seinen populären Email-Client Eudora. Daneben übernahm Qualcomm gegen Ende 2004 den Interface-Spezialisten Trigenix Ltd. Im Jahr 2005 kaufte Qualcomm den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologiespezialisten Flarion Technologies. Anfang 2006 kaufte Qualcomm schließlich den Halbleiterspezialisten Berkana Wireless. Gleichzeitig schluckte Qualcomm im Herbst 2006 den Mobilfunktester Qualphone und den Technikspezialisten nPhase.

Mit mehr als 600 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien, wie Samsung, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen, wie Verizon Wireless und Sprint.

Im Jahr 2002 gab Qualcomm ein umfangreiches Investitionsprogramm bekannt, in dessen Rahmen rund 100 Mio. Dollar in die Entwicklung der CDMA-Technik in China investiert werden sollen. Darüber hinaus investierte Qualcomm in den letzten Jahren bis zu 200 Mio. Dollar in das europäische Joint Venture Inquam.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal meldet Qualcomm einen Umsatzanstieg auf 2,0 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Während der Umsatz in der Lizenz-Division um 42 Prozent auf 705 Mio. Dollar anzog, verzeichnete die Chip-Division einen Umsatzanstieg auf 1,15 Mrd. Dollar - ein Zuwachs von 26 Prozent. Dabei erwirtschaftete Qualcomm zunächst einen Gewinn von 614 Mio. Dollar oder 36 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 538 Mio. Dollar oder 32 US-Cent je Aktie im Vorjahr.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderfaktoren konnte Qualcomm einen operativen Gewinn von 42 US-Cent je Aktie einfahren und damit die Analystenerwartungen um einen Cent übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 1,97 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 41 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Für das somit abgeschlossene Gesamtjahr ergibt sich ein Jahresumsatz von 7,52 Mrd. Dollar, ein Zuwachs von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn kletterte dabei auf 2,47 Mrd. Dollar oder 1,44 Dollar je Aktie, nach einem Plus von 2,14 Mrd. Dollar oder 1,27 Dollar je Aktie im Jahr vorher. Insgesamt konnte Qualcomm dabei 207 Mio. Mobilfunkchips ausliefern, nach 151 Mio. 3G-Chipsätzen im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Code Division Multiple Access (CDMA)

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