Qualcomm holt sich mit Atheros Wi-Fi-Technik ins Haus - Breitseite gegen Broadcom & Co

Donnerstag, 6. Januar 2011 14:09
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(IT-Times) - Der weltgrößte Mobile-Chiphersteller Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) startet mit einem Paukenschlag ins neue Jahr. Für 3,2 Mrd. US-Dollar schluckt der CDMA-Spezialist den US-Halbleiterspezialisten Atheros Communications und verstärkt sich damit in einem Bereich, der bislang vom Rivalen Broadcom dominiert wurde.

Viele Wi-Fi-Chipsätze, die heute in modernen Mobilfunktelefonen verbaut werden, kommen bereits aus dem Hause Atheros. Das Unternehmen gilt als technologisch führend im Bereich Wi-Fi Networking Chips und dürfte Qualcomms Marktposition nicht nur gegen Broadcom, sondern auch gegen Marvell Technology und Intel stärken.

Qualcomm wagt den Sprung über den Mobilfunkbereich hinaus
Atheros-Chips sind nicht nur in modernen Smartphones wie dem Samsung Galaxy 5 und dem Sony Ericsson Xperia X10 zu finden, sondern auch in anderen Hardware-Geräten wie der iMac-Linie von Apple, HPs Pavillon PC Familie, sowie Acers Aspire PC Reihe. Auch im Kindle 3 aus dem Hause Amazon.com und dem Zune MP3-Player von Microsoft arbeiten Atheron-Chips, wissen die Industrie-Analysten aus dem Hause iSuppli.

Qualcomm kontrolliert bereits heute den weltweiten Markt für Mobilfunk-Chips mit einem geschätzten Umsatzmarktanteil von 22,4 Prozent (Quelle: iSuppli), während Atheros nur als die Nummer 12 mit einem Marktanteil von 2,2 Prozent in diesem Bereich gilt. Doch mit dem Zukauf will sich Qualcomm nicht nur Marktanteile, sondern in erster Linie technisches Know-how sichern.

Übernahme stärkt Qualcomms Position im Tablet PC Markt
Bislang sind Qualcomm-Chips (Snapdragon) insbesondere in high-end 3G- oder 4G-Smartphones zu finden, doch in Wi-Fi only Produkten hatte Qualcomm bislang häufig das Nachsehen. Da die meisten Produkte wie Tablet PCs heute mit Wi-Fi-Funktionen ausgeliefert werden, schließt der Atheros-Zukauf eine wichtige Lücke im Qualcomm-Produktportfolio - denn nunmehr ist es egal, ob Tablet PCs mit 3G-, 4G- oder Wi-Fi/Bluetooth-Funktionen ausgeliefert werden, denn Qualcomm bietet nunmehr für jeden Standard eine Lösung aus einer Hand an, was der Konkurrenz kaum gefallen dürfte.

Hintergrund ist das rapide Wachstum von Video-fähigen Unterhaltungselektronikgeräten, die mit einem Breitbandanschluss ausgestattet sind. Nachdem im Jahr 2009 nur 606.000 dieser Geräte weltweit ausgeliefert wurden, dürften in 2014 bereits 85,2 Millionen dieser Geräte über die Ladentheke gehen, schätzen die iSuppli-Experten?

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm ist einer der weltweit führenden Anbieter im Bereich Mobilfunkchips. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Die Einheit gehört zu den insgesamt vier Hauptgeschäftssegmenten: Qualcomm Technology Licensing (QTL). Qualcomm Wireless & Internet (QWI) und Qualcomm Strategic Initiatives (QSI).

Zu den weltweit mehr als 140 Lizenznehmern zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Technologiespezialisten wie IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Die Qualcomm-Sparte Qualcomm MEMS Technologies (QMT) entwickelt Display-Technologien für Mobilfunkprodukte. Weitere Geschäftseinheiten sind die Qualcomm Flarion Technologies (QFT) sowie der MediaFLO-Entwickler MediaFLO Technologies (MFT).

In den vergangenen Jahren folgten eine Reihe von Firmenzukäufen. So wurde Ende 2004 der Interface-Spezialist Trigenix Ltd gekauft. Im Jahr 2005 schluckte man den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologieanbieter Flarion Technologies. Anfang 2006 wurde der Halbleiterspezialist Berkana Wireless übernommen. Mit dem Mobilfunktester Qualphone, dem Technikspezialisten nPhase und Airgo Networks folgten in 2006 weitere Übernahmen. Gleichzeitig wurde das Bluetooth-Geschäft von RF Micro Devices übernommen. In 2007 schluckte Qualcomm unter anderem die Spezialisten Firethorn und SoftMax. Anfang 2008 verstärkte sich Qualcomm durch die Übernahme des irischen Mobile-Spezialisten Xiam. Mitte 2010 sicherte sich Qualcomm eine Mobilfunk-Spektrumlizenz in Indien im 2,3-Gigahertz-Bereich, um ein 3G-Netz zu errichten. Gleichzeitig gründete Qualcomm mit Hughes Telematics und American Medical Alert Corp das Joint Venture "Lifecomm". Im Herbst 2010 gab Qualcomm die Einstellung seines Flo TV Services bekannt. Anfang 2011 verstärkte sich Qualcomm durch die Übernahme des Chipherstellers Atheros Communications.

Mit mehr als 1.900 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz sichern. Durch Content-Lizenzabkommen mit CBS, FOX, NBC, MTV, Comedy Central und Nickelodeon will Qualcomm dem Mobile-TV zum Durchbruch verhelfen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien wie Acer, HTC, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen wie Verizon Wireless, Dell, Sprint und die finnische Nokia.

Zahlen

Für das vergangene vierte Fiskalquartal 2010 meldete Qualcomm einen Umsatzanstieg um zehn Prozent auf 2,95 Mrd. US-Dollar. Dabei verzeichnete der CDMA-Spezialist einen Gewinn von 865 Mio. Dollar oder 53 US-Cent je Aktie, ein Zuwachs von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem Qualcomm im Vorjahr einen Profit von 803 Mio. Dollar oder 48 US-Cent je Aktie realisieren konnte.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Qualcomm im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 68 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld mit Einnahmen von 2,85 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 59 US-Cent je Aktie gerechnet hatten. Qualcomm lieferte im jüngsten Quartal eine Rekordzahl von 111 Millionen Mobilfunkchips aus.

Meldung gespeichert unter: Qualcomm

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