Oracle will organisches Wachstum forcieren - große Übernahmen vom Tisch

Montag, 27. Juni 2011 13:27
Oracle

(IT-Times) - Die Aktien des US-Softwarekonzerns Oracle (Nasdaq: ORCL, WKN: 871460) standen nach den jüngsten Zahlen gehörig unter Druck. Obwohl das US-Softwarehaus erstmals in der Firmengeschichte die Umsatzmarke von zehn Mrd. US-Dollar überschreiten und seinen Nettogewinn um mehr als 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern konnte, präsentierten sich Oracle-Papiere zuletzt deutlich leichter und gaben um mehr als vier Prozent nach.

Hardwaregeschäft macht Probleme
Für Sorgenfalten bei den Investoren sorgte vor allem das schwächere Hardwaregeschäft, nach der Übernahme von Sun Microsystems. Hier musste Oracle einen Umsatzrückgang um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Den Server-Hersteller im Konzern zu integrieren und in die Profitabilität zu führen ist für Oracle offenbar doch schwieriger, als zunächst angenommen. Oracle hatte im Zuge der Übernahme einige Sun-Verträge gekündigt und Server-Spezialisten neu ausgerichtet. Sun soll sich künftig auf den profitablen high-end Servermarkt konzentrieren, der höhere Margen abwirft.

Dennoch glauben Analysten wie Morgen Stanley Experte Adam Holt, dass die aktuelle Schwäche im Hardwaregeschäft nur vorübergehend ist. Schon im laufenden Fiskaljahr 2012 soll der Strategiewechsel abgeschlossen sein und wieder für zweistelliges Wachstum sorgen, glaubt Holt.

Die Milliardenzukäufe in den vergangenen Jahren - seit 2005 hat Oracle mehr als 70 Firmen übernommen - haben Oracle zu einer besseren Position im Wettbewerb verholfen. Erst in der Vorwoche übernahm Oracle FatWire Software ein weiteres Softwareunternehmen.

Oracle-Chef moniert zu hohe Bewertungen - erstmal keine größeren Zukäufe
Doch nunmehr schlägt Oracle-Chef Larry Ellison andere Töne an. Im Rahmen der jüngsten Quartalspressekonferenz monierte der Oracle-Manager, dass Firmen derzeit zu teuer seien. Solche Übernahmen würden keinen Sinn machen, stellt der Manager klar. Auch Oracle-Finanzchef Safra Katz schlägt ins gleiche Horn. Zwar existieren zahlreiche Akquisitionsmöglichkeiten, doch die aktuellen Bewertungen seien "lächerlich", so Katz.

So wurde zuletzt immer wieder über eine mögliche Übernahme von Salesforce.com durch Oracle spekuliert, allerdings wird Salesforce.com mit 19 Mrd. US-Dollar bewertet. Für Oracle wäre zwar auch diese Übernahme kein Problem, sitzt das Unternehmen auf Barreserven von 29 Mrd. US-Dollarm, doch eine Übernahme scheint aufgrund der aktuellen Bewertung und der Aussagen der Oracle-Manager eher unwahrscheinlich.

Stattdessen will Oracle das organische Wachstum stärken, heißt es aus dem Unternehmen. Einen ersten Schritt hat Oracle bereits getan und rund 800 Mitarbeiter neu eingestellt, wodurch der Vertrieb gestärkt werden soll.

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von drei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software, Hardware Systeme und Services. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 11g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen und Cloud Computing setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI). Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle im Januar 2005 den US-Softwarespezialisten PeopleSoft. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat.

Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2007 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions. Wenige Monate später folgte dann die Übernahme von Agile Software. Anschließend wurden mit Bharosa, Netsure Telecom, Bridgestream, LogicalApps, Interlace Systems und Moniforce weitere Firmen hinzugekauft. Nach der Übernahme von BEA Systems, kaufte Oracle in 2008 mit Skywire, Global Knowledge Software, ClearApp, Advanced Visual Technology und Primavera weitere Firmen auf. Auch in 2009 setzte Oracle seine Einkaufstour weiter fort und schluckte die Unternehmen mValent, Relsys sowie Virtual Iron Software und übernahm zudem Sun Microsystems für 7,4 Mrd. Dollar. Mitte 2009 kaufte Oracle GoldenGate Software. Auch in 2010 blieb Oracle weiter auf Einkaufstour und übernahm mit Silver Creek Systems, AmberPoint, PhaseForward, eServGlobal und Secerno weitere Unternehmen. Anfang 2011 schloss Oracle die Übernahme von Art Technology Group (ATG) ab, zudem wurden weitere kleinere Firmen aufgekauft.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen. Bereits im Jahr 2007 stieg Oracle mit Oracle VM auch in den Virtualisierungsmarkt ein.

Zahlen
Für das vergangene Maiquartal meldet Oracle einen Umsatzanstieg um 13 Prozent auf 10,78 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn kletterte dagegen um 36 Prozent auf 3,21 Mrd. US-Dollar oder 62 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 2,36 Mrd. Dollar oder 46 US-Cent je Anteil im Vorjahreszeitraum.

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