Oracle bleibt auf der Überholspur - Sun erfolgreich integriert

Dienstag, 29. Juni 2010 13:16
Oracle

(IT-Times) - Der US-Datenbankhersteller Oracle (Nasdaq: ORCL, WKN: 871460) konnte im vergangenen Maiquartal mit überraschend guten Zahlen aufwarten und die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich übertreffen.

Sun schreibt wieder schwarze Zahlen
Insbesondere war es Oracle gelungen, den übernommenen Server-Hersteller wieder in die Gewinnzone zurückzuführen. Sun hat im ersten vollen Quartal nach der Übernahme durch Oracle bereits mehr als 400 Mio. US-Dollar zum operativen Gewinn beigesteuert, so Oracle-Präsident Safra Catz. Darüber hinaus dürfte Sun die Performance-Ziele für das Fiskaljahr 2011 und 2012 zu übertreffen, heißt es aus dem Oracle-Management.

Während der Quartalspressekonferenz bekräftigte Oracle-Chef Larry Ellison nochmals seine Unterstützung für die übernommene Sun. Man wolle das Vertriebspersonal bei Sun mehr als verdoppeln, so der Manager. Man habe zudem weiter Marktanteile im großen Stil vom Rivalen SAP gewinnen können, tönt Oracle Co-Präsident Charles Phillips. Dem widersprach allerdings naturgemäß SAP-Sprecher Saswato Das.

Sun-Übernahme wird deutlich teurer als erwartet
Neben den Angriffen auf den Hauptkonkurrenten SAP dürfte die Übernahme von Sun Microsystems vor allem auf IBM abzielen. So konnte Oracle im jüngsten Quartal mehrere Exadata Maschinen an IBMs größeren Kunden verkaufen, was Oracle-Chef Ellison dann auch als großen Erfolg für Oracle wertet.

Daneben ließ Oracle durchblicken, dass die Integration von Sun deutlich teurer werden wird, als bislang angenommen. Oracle rechnet nunmehr mit Restrukturierungskosten von einer Mrd. US-Dollar, nachdem man zunächst lediglich von Kosten zwischen 675 und 825 Mio. Dollar ausgegangen war. Hintergrund seien weitere Stellenkürzungen, die in Europa und Asien notwendig seien, heißt es.

Tibco Software nächstes Übernahmeziel von Oracle?
Nachdem die Übernahme und Integration von Sun Microsystems de facto abgeschlossen ist, fragen sich Marktbeobachter und Analysten, welches Unternehmen Oracle als nächstes übernehmen wird. Als heißer Übernahmekandidat wird dabei immer wieder der US-Softwareanbieter Tibco Software genannt, der neben der Software AG, an der SAP interessiert sein soll, als einer der letzten verbleibenden unabhängigen Middleware-Anbieter gilt.

Dabei könnte Oracle zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, denn Tibco hat sich jüngst erst selbst mit der Übernahme von Proginet in den Markt für Managed File Transfer (MFT)-Lösungen vorgewagt…

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von zwei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software und Services. Diese zwei Geschäftsbereiche sind wiederum in fünf operative Segmente unterteilt. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 10g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI). Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle im Januar 2005 den US-Softwarespezialisten PeopleSoft. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat.

Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2007 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions. Wenige Monate später folgte dann die Übernahme von Agile Software. Anschließend wurden mit Bharosa, Netsure Telecom, Bridgestream, LogicalApps, Interlace Systems und Moniforce weitere Firmen hinzugekauft. Nach der Übernahme von BEA Systems, kaufte Oracle in 2008 mit Skywire, Global Knowledge Software, ClearApp, Advanced Visual Technology und Primavera weitere Firmen auf. Auch in 2009 setzte Oracle seine Einkaufstour weiter fort und schluckte die Unternehmen mValent, Relsys sowie Virtual Iron Software und übernahm zudem Sun Microsystems für 7,4 Mrd. Dollar. Mitte 2009 kaufte Oracle GoldenGate Software. Auch in 2010 blieb Oracle weiter auf Einkaufstour und übernahm mit Silver Creek Systems, AmberPoint, PhaseForward, eServGlobal und Secerno weitere Unternehmen.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen. In 2007 stieg Oracle mit Oracle VM auch in den Virtualisierungsmarkt ein.

Zahlen
So meldet Oracle einen Umsatzanstieg um 39 Prozent auf 9,5 Mrd. US-Dollar, wobei das Geschäft mit neuen Softwarelizenzen um 14 Prozent auf 3,14 Mrd. Dollar kletterte. Damit legte das Geschäft mit neuen Softwarelizenzen im dritten Quartal in Folge zu.

Der Nettogewinn kletterte um 25 Prozent auf 2,36 Mrd. Dollar oder 46 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 1,89 Mrd. Dollar oder 38 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen summierte sich der Nettogewinn auf 60 US-Cent je Aktie, womit Oracle die Markterwartungen der Analysten übertreffen konnte.

Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 9,5 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 54 US-Cent je Aktie gerechnet.

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