nVidia nach schwachen Zahlen unter Druck - nun doch Fusion mit VIA?

Dienstag, 17. August 2010 12:31
Nvidia Unternehmenslogo

(IT-Times) - Mit enttäuschenden Quartalszahlen schockte zuletzt der US-Grafikchiphersteller nVidia (Nasdaq: NVDA, WKN: 918422) die Halbleiterbranche. Das Unternehmen führt die schwache Geschäftsentwicklung im jüngsten Quartal vor allem auf die Konjunkturschwäche in Europa und in China zurück. Zudem greifen immer mehr Kunden zu kostengünstigen Grafikchip-Lösungen, was die Gewinnmargen des GeForce-Herstellers zusätzlich unter Druck bringt.

Marktbeobachter sehen nVidia in den nächsten Jahren vor großen Herausforderungen. Grund hierfür sind rasante Veränderungen des Grafikkarten-Marktes, nachdem Intel mit seiner SandyBridge Plattform und AMD mit seiner Fusion Plattform im ersten Halbljahr 2011 auf den Markt drängen wollen. Damit geht der Trend hin zu integrierten Prozessor- und Grafikchiplösungen (CPU/GPU), während reine GPU-Lösungen wie sie nVidia anbietet, an Bedeutung verlieren könnten.

nVidia hält an CPU-Strategie fest
Auch bei nVidia sieht man diese Gefahr, worauf sich das Unternehmen eine CPU-Strategie zu Recht gelegt hat. „Unsere CPU-Strategie heißt ARM“, so nVidia-Chef Jen-Hsun Huang jüngst in einem Interview gegenüber CNet. ARM ist heute die schnellst wachsende Prozessor-Architektur weltweit, weiß der nVidia-Chef. Zudem unterstützt ARM Googles Android Betriebssystem - Android gilt wiederum als das schnellstwachsende Betriebssystem, so der nVidia-Manager.

Mit dem ARM-basierten Tegra-Chip visiert nVidia bereits diesen Markt an, wobei der Tegra-Chip im Microsoft Zune HD Player zum Einsatz kommt. Die zweite Generation, der Doppelkern-Prozessor Tegra 2, ist jedoch noch in keinem kommerziellen Produkt zu finden.

Für nVidia gestaltet sich der Markteintritt in den CPU-Markt als schwierig, benötigt das Unternehmen eine x86-Lizenz von Intel, was in der Vergangenheit bereits zu Problemen geführt hat. Die Lizenzprobleme mit dem Halbleitergiganten Intel haben der Chipsatz-Division nVidias bereits großen Schaden zugefügt, konstatiert Huang.

nVidia braucht einen starken Partner
Marktbeobachter und Analysten wie ThinkEquity-Experte Krishna Shankar raten nVidia daher, strategische Alternativen in Erwägung zu ziehen. Möglich wäre eine Fusion mit dem taiwanischen Grafik- und Prozessorspezialisten VIA Technologies, so Shankar. Bereits im Jahr 2008 soll nVidia schon einmal mit VIA über eine Fusion verhandelt haben, die Gespräche seien jedoch gescheitert, eine Wiederaufnahme der Verhandlungen aber möglich, so damals der Branchendienst DigiTimes. Auch Partnerschaften oder eine Fusion mit einem größeren Halbleiterkonzern könnten nVidia weiterbringen, glaubt der Analyst. Dabei erachtet der Analyst einen Merger mit Broadcom, Marvell Technologies, aber auch mit Qualcomm oder gar ein Zusammengehen mit dem Rivalen AMD als realistisch. Ein Aufkäufer müsste nach Meinung von Shankar allerdings einen Aufpreis von 50 bis 100 Prozent gegenüber dem aktuellen nVidia-Aktienkurs zahlen, um zum Zuge zu kommen…

Kurzportrait

Die im kalifornischen Santa Clara ansässige nVidia gilt neben AMD/ATI als der weltweit führende Anbieter von Grafikchips. Das Unternehmen befasst sich seit seiner Gründung mit der Entwicklung und Fertigung von 2D- und 3D-Grafikchips, welche auf verschiedenen Plattformen zum Einsatz kommen. Neben PCs, finden die Chipsätze ebenso in Spielekonsolen, Workstations, Handhelds als auch in Macintosh-Computern, sowie in Notebooks/Netbooks und Handys Verwendung. Durch die Übernahme von 3dfx Interactive ist nVidia im Besitz der Marken- und Patentrechte der früheren Grafikkarten-Marke Voodoo gekommen. Daneben liefert nVidia auch die Grafikchips für die PlayStation 3 (PS3).

Insgesamt operiert nVidia heute aus vier Kerngeschäftsbereichen heraus: Das GPU-Geschäft, sowie das Professional Solutions Business (PSB), das Media- und Communications Processor (MCP) Geschäft und das Consumer Products Business (CPB). Das Geschäft mit Grafikprozessoren besteht mehrheitlich aus vier großen Produktfamilien: der GeForce-Reihe, der GeForce Go, der nVidia Quadro Reihe und der Tesla-Reihe. Mit Quadro2 Go brachte das Unternehmen nach eigenen Angaben nach den weltweit ersten mobilen Workstation-Chipsatz auf den Markt, welcher insbesondere für den Einsatz bei professionellen Anwendern gedacht ist. Mit der GoForce-Produkfamilie deckt nVidia den Handheld-Bereich ab, während das Unternehmen mit seiner nVidia nForce-Produktfamilie neben dem PC- und Notebook-, auch den Markt für professionelle Workstations und Server abdeckt. Mit seiner neuen Tesla-Produktreihe ist nVidia nunmehr auch im Markt für Supercomputer-Grafikchips vertreten. Mit neuen Tegra-basierten System-on-Chip Lösungen adressiert nVidia den Smartphone-Markt. Mit der Ion 2-Produktreihe geht nVidia den Netbook-Markt an.

Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit allen wichtigen Computerherstellern weltweit zusammen. Zu den Kunden und Lizenzpartnern zählen dabei Dell, Gateway, Hewlett Packard, Sony, Toshiba, aber auch Apple und Fujitsu Siemens. Durch Kooperationen mit Systemhäusern versucht nVidia seinen Absatz weiter zu steigern und so Marktanteile zu sichern. In diesem Bereich kooperiert der Konzern unter anderem mit AOpen, Asus und Aztech. Nachdem sich nVidia im Bereich mobile Grafiklösungen durch die Übernahme von MediaQ verstärkte, kaufte das Unternehmen Ende 2005 den taiwanschen Chipspezialisten ULi Electronics. Im Herbst 2006 folgte schließlich die Übernahme des Chipentwicklers PortalPlayer. Ende 2007 übernahm nVidia die Berliner mental images. Anfang 2008 verstärkte sich nVidia durch den Kauf des PhysX-Entwicklers AGEIA Technologies sowie durch den Kauf von RaScale (Ray-Tracing).

Zahlen

Für das vergangene Augustquartal meldete nVidia einen Umsatzanstieg um 4,5 Prozent auf 811,2 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 776,5 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei verzeichnete nVidia einen Verlust von 141 Mio. Dollar oder 25 US-Cent je Aktie, nachdem in der Vorjahresperiode bereits ein Verlust von 105,3 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie entstand.

Aufgrund der schwachen Endkundennachfrage nach Grafikchips nahm nVidia im jüngsten Abschreibungen auf vorhandene Lagerbestände vor, welche das Ergebnis belasteten. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen verdiente nVidia drei US-Cent je Aktie, womit der Grafikchiphersteller die Markterwartungen deutlich verfehlte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 832 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von elf US-Cent je Aktie.

Quadro- und Tesla-Produkte steuerten im jüngsten Quartal 26,5 Prozent zum Gesamtumsatz bei, wobei Tesla-Produkte ein neues Rekordquartal verzeichneten. Der Umsatz in der Privatkonsumenten-Division kletterte um 46,5 Prozent gegenüber dem ersten Quartal. Diesen Zuwachs führt nVidia nicht zuletzt auf die gute Akzeptanz von Tegra-Produkten zurück. Insgesamt konnte nVidia das Quartal mit Barreserven von 1,77 Mrd. Dollar beenden.

Meldung gespeichert unter: Nvidia

© IT-Times 2016. Alle Rechte vorbehalten.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Unternehmen / Branche folgen
Unsere Nachrichten auf Ihrer Website

Sie haben die Möglichkeit, mit unserem Webmaster-Nachrichten-Tool die Nachrichten von IT-Times.de kostenlos auf Ihrer Internetseite einzubauen.

Zugeschnitten auf Ihre Branche bzw. Ihr Interesse.

Folgen Sie IT-Times auf ...