Netflix überholt YouTube bei Internet-TV-Geräten - steigende Kosten erwartet

Dienstag, 4. Januar 2011 13:42
Netflix

(IT-Times) - Die Aktien des Online-Streaming-Spezialisten und DVD-Verleihers Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) haben sich in den vergangenen 12 Monaten verdreifacht, nachdem das Unternehmen seine Abonnentenzahl im vergangenen Jahr um 50 Prozent steigern konnte.

Netflix hat bei Internet-TV-Nutzern die Nase vorn - YouTube nur an zweiter Stelle
Jüngst markierten die Papiere ein neues Rekordhoch bei deutlich über 200 US-Dollar, ziehen amerikanische Internet-TV-Nutzer inzwischen sogar Netflix dem Videoportal YouTube vor. Nach einem Bericht der Marktforscher aus dem Hause NPD Group haben ermittelt, dass 57 Prozent der Inhaber von Internet-gebundenen TV-Geräten inzwischen Netflix nutzen, während nur 47 Prozent auf YouTube zurückgreifen.

Dennoch warnen Investmentexperten vor einem schnellen Einstieg in den Wachstumswert, der jüngst in den Nasdaq-100-Index aufstieg. Hintergrund sind Befürchtungen, wonach die Margen bedingt durch steigende Kosten unter Druck geraten könnten. Der Aufstieg von Netflix ist den Hollywood-Studios nicht entgangen, wobei man in der Branche nunmehr ein großes Stück vom Kuchen haben will. Investmentbanker fürchten daher, dass Hollywood-Studios bei Filmrechten künftig stärker zulangen werden und mehr Geld von Netflix fordern.

Steigende Content-Kosten erwartet - Netflix vor Übernahme von Starz?
So stehen in 2011 Verhandlungen mit dem Kabelsender Starz an, der bislang rund 50 Prozent der Netflix-Filmneuheiten beisteuerte, weiß BTIG Analyst Richard Greenfield. Bislang zahlte Netflix rund 30 Mio. Dollar im Jahr für die Streaming-Rechte, doch damit dürfte sich Starz wohl bei kaum noch zufrieden geben. Vielmehr wird Netflix bis zu 300 Mio. Dollar jährlich auf den Tisch legen müssen, um sich weiterhin die Filmrechte zu sichern, glaubt Greenfield.

Durch den Kontrakt mit Starz hatte Netflix bislang Zugriff auf Filminhalte und Serien von Disney und Sony. Auf diese Inhalte könne man notfalls verzichten, meint hingegen Netflix-Chef Reed Hastings.

Analysten und Marktbeobachter sind dagegen anderer Meinung. Branchenexperten verweisen auf die Konkurrenz durch Hulu und Amazon.com. Während bei Netflix nur sieben der 50 erfolgreichsten Filme aller Zeiten zu finden sind, bietet Apple über iTunes 32 und Amazon.com 23 dieser Streifen an. Netflix steht also unter Zugzwang, will das Unternehmen nicht an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen.

Branchenexperten wie BTIG-Experte Greenfield glauben daher, dass Netflix möglicherweise versuchen wird den Kabel-TV-Sender Starz zu kaufen, um sich langfristig den Zugriff auf TV- und Film-Inhalte zu sichern?

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt mehr als 15 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Ab 8,99 US-Dollar pro Monat haben Kunden bereits unbegrenzten Zugriff auf das Filmarchiv des Unternehmens. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service "Watch Now" ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist. Inzwischen hat Netflix auch einen stand-alone Streaming-Service gestartet, der für 7,99 Dollar im Monat verfügbar ist.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2010 meldet Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) einen Umsatzsprung um 31 Prozent auf 553,2 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 423,1 Mio. Dollar in der Vorjahresperiode. Dabei verbuchte Netflix einen Nettogewinn von 38 Mio. Dollar oder 70 US-Cent je Aktie, ein Zuwachs von 26 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode, als das Unternehmen ein Plus von 30,1 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie verzeichnete.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Netflix einen Nettogewinn von 78 US-Cent je Aktie einfahren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 550,9 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 71 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Netflix konnte im jüngsten Quartal netto 1,93 Millionen neue Abonnenten gewinnen, womit die Kundenzahl zum Quartalsende auf 16,93 Millionen Kunden stieg, ein Zuwachs von 52 Prozent. Die Kündigungsrate schrumpfte leicht auf 3,8 Prozent, nach 4,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Bruttogewinnmarge kletterte im dritten Quartal auf 37,7 Prozent, nach 34,9 Prozent im Vorquartal. Der freie Cashflow summiere sich im jüngsten Quartal auf lediglich 7,8 Mio. Dollar, nachdem Netflix im großen Stil in Filmrechte investierte.

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