Microsoft fordert Amazon und Apple in der eBook-Industrie heraus - Kampfangsage an Sony & Co

Donnerstag, 3. Mai 2012 13:14
Microsoft Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der US-Softwarekonzern Microsoft sorgte zu Wochenbeginn für einen Paukenschlag. Das Unternehmen wird 300 Mio. US-Dollar in eine neue Einheit des US-Buchhändlers Barnes & Noble investieren und sich damit 17,6 Prozent der Anteile an der neuen Division sichern, die sich speziell auf eBook-Reader und den Verkauf von eBooks konzentrieren soll.

Bislang war Microsoft im eBook-Markt de facto nicht vertreten. Durch die neue Partnerschaft mit Barnes & Noble soll sich das ändern. Zwar kontrolliert der Konkurrent Amazon.com mit seinem Kindle den amerikanischen Markt für digitale Bücher mit einem geschätzten Marktanteil von 55 bis 60 Prozent, allerdings ist Barnes & Noble mit 30 Prozent die Nummer zwei. Durch die Partnerschaft mit Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) hofft Barnes & Noble dem großen Rivalen Amazon.com besser die Stirn bieten zu können.

Microsoft sagt Umsatzgarantien und Investitionen zu
Microsoft hat dem Buchhändler nämlich in den nächsten drei Jahren 180 Mio. Dollar an Umsatzgarantien zugesagt. Zudem wird Microsoft der neuen Division mit 125 Mio. Dollar in den nächsten fünf Jahren unter die Arme greifen, wodurch eine Expansion in internationale Märkte ermöglicht werden soll. Im Gegenzug wird Barnes & Noble eine entsprechende Nook-App für Windows 8 entwickeln.

Ob Windows 8 künftig auch den Nook Tablet PC antreiben wird, ließen beide Unternehmen zunächst offen. Bislang basierte der Nook Tablet auf einem Android-Betriebssystem, jedoch scheint ein Wechsel auf Windows 8 wahrscheinlich. Barnes & Noble CEO William Lynch wies daraufhin, dass der Nook auf einer Texas Instruments Chipplattform mit einem ARM-basierten Prozessor läuft. Microsoft will eine Windows 8 Version auf den Markt bringen, die auch auf ARM-basierten Prozessoren lauffähig ist.

Partnerschaft ermöglicht Microsoft den Einstieg in den 12 Mrd. Dollar schweren Bildungsmarkt
Für Microsoft hat die Partnerschaft gleich mehrere Vorteile. Zum einen wird die neue Barnes & Noble Division Lizenzgebühren an Microsoft für die Nutzung von Patenten abführen, zum anderen erhält Microsoft eine zusätzliche Plattform, um sein neues Betriebssystem und Inhalte (eBooks) zu vermarkten. Insbesondere ermöglicht die Kooperation Microsoft den Eintritt in den 12 Mrd. Dollar schweren Bildungsmarkt mit eBooks für Studenten und Schüler.

Microsoft plant 99 Dollar günstiges Xbox-Paket
Neben Amazon und Apple will Microsoft offenbar auch Sony und Nintendo nicht länger mit Samthandschuhen anfassen. Einem Bericht von The Verge zufolge, plant Microsoft ein Xbox-Bundle Angebot bestehend aus einer Xbox 360, dem Motion-Controller Kinect und einer Xbox Live Gold Mitgliedschaft. Das ganze Produktpaket soll zum Kampfpreis für 99 Dollar inklusive eines 2-Jahresvertrags mit einer monatlichen Gebühr von 15 Dollar verkauft werden.

Auf diese Weise will Microsoft zusätzliche Konsumenten gewinnen, für die der hohe Einstiegspreis von 300 US-Dollar (4GB Xbox 360 mit Kinect) zu teuer ist. Offiziell wollte Microsoft das Angebot noch nicht bestätigen, sollte die Offerte tatsächlich so kommen, werden sich Konkurrenten wie Nintendo und Sony warm anziehen müssen.

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang dem Softwarespezialisten Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte das Unternehmen schnell die Schreibtischbüros in den Firmen als auch bei den Privatanwendern. Mit Windows 7 schickte Microsoft in 2009 seine neueste Betriebssystemgeneration ins Rennen. Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systeme, worunter populäre Anwendungen wie Microsoft Office fallen, sowie der Geschäftsbereich rund um die Windows-Plattform. Aber auch andere Geschäftsbereiche, wie das wachstumsstarke Server-Geschäft tragen inzwischen zum Unternehmensgewinn bei. Ergänzt werden die Geschäftsbereiche von der Entertainment-Sparte, in der das Geschäft rund um die Xbox zusammengefasst ist. Insgesamt operiert Microsoft heute aus fünf Kerngeschäftsbereichen heraus: Windows & Windows Live Division (Windows Division), Server and Tools, Online Services Division, Microsoft Business Division, sowie die Entertainment and Devices Division.

Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. Gleichzeitig stieg Microsoft mit der Marke Zune und dem gleichnamigen Musikdienst in den Markt für MP3-Player ein. Nach der Übernahme der dänischen Navision, kaufte Microsoft das Startup XDegrees. Zudem wurde der Webkonferenzanbieter PlaceWare übernommen. Im Jahr 2005 folgte die Übernahme von Groove Networks und MessageCast. Mitte 2005 schloss Microsoft die Übernahme des Sicherheitsspezialisten Sybari Software ab. Auch im Jahr 2006 blieb Microsoft weiter auf Einkaufstour und schluckte den britischen Foto-Katalogsoftwareanbieter iView Multimedia sowie den Windows-Spezialisten Winternals Software. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft.

Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Später wurde der Datenspeicherspezialist DATAllegro übernommen. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com. Mitte 2009 einigte sich Microsoft mit Yahoo auf ein 10-Jahresabkommen, wonach Microsofts Bing.com künftig als bevorzugte Suchmaschine auf Yahoo-Seiten fungieren wird. Ende 2009 schluckte Microsoft den Spezialisten Opalis Software. Im Herbst 2010 schloss Microsoft die Übernahme von Skype für 8,5 Mrd. Dollar erfolgreich ab. In 2011 wurde der Spezialist VideoSurf übernommen.

Gemeinsam mit dem TV-Sender NBC betreibt Microsoft den Nachrichtenkanal MSNBC.

Mit seiner neuen Konsolen-Generation Xbox 360 will Microsoft dem Platzhirschen Sony vom Thron stoßen. Firmenmitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

Zahlen

Microsoft erwirtschaftete im dritten Fiskalquartal 2012 einen Umsatz von 17,41 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einer sechsprozentigen Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Auch das operative Ergebnis legte um zwölf Prozent zu und belief sich auf 6,37 Mrd. Dollar. Das Nettoergebnis nahm allerdings leicht ab und erreichte einen Wert von 5,11 Mrd. Dollar gegenüber 5,23 Mrd. Dollar ein Jahr zuvor. Auch je Aktie sank das Ergebnis zuletzt auf 0,60 Dollar (Q3 2011: 0,61 Dollar).

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