Micron profitiert von Qimonda-Insolvenz

Mittwoch, 8. April 2009 12:57
Micron Technology Unternehmenslogo

(IT-Times) Der amerikanische DRAM-Hersteller Micron Technology (NYSE: MU, WKN: 860209) musste im vergangenen Februarquartal erneut tiefrote Zahlen ausweisen. Der Grund: Der Preisverfall in der DRAM- und Flashspeicherindustrie ging zunächst auch im jüngsten Quartal weiter. So fielen die durchschnittlichen Verkaufspreise bei DRAM-Speichern um 30 Prozent, während die Flashspeicherpreise im Schnitt um 13 Prozent fielen.

Dennoch zeichnet sich nunmehr eine leichte Erholung an der Preisfront ab. Seit Mitte März sind die Preise an breiter Front wieder gestiegen. Nach der Insolvenz des deutschen Chip-Spezialisten Qimonda scheint sich zudem eine weitere Konsolidierung in der DRAM-Speicherbranche abzuzeichnen. Vielen Herstellern geht inzwischen das Geld aus, nachdem diese Anbieter lange Zeit nur Verluste anhäuften.

Micron will durch Ausgabe neuer Aktien Liquidität sichern
Was für die betroffenen Unternehmen einen dramatischer Überlebenskampf bedeutet, stellt für liquide Firmen wie Micron eine Chance dar. Durch die Ausgabe zusätzlicher Aktien und einer Wandelanleihe erhofft sich Micron zudem frische Mittel in Höhe von 450 Mio. Dollar, um damit seine Liquidität weiter abzusichern. Eine Art Befreiungsschlag in einer der schwierigsten Phasen in der Geschichte des Unternehmens.

Nachdem Aus für Qimonda läuft nunmehr aber bereits die nächste Phase an. Während vielen Playern nunmehr das Geld für weitere zukunftsweisende Investitionen fehlt, scheint Micron nach wie vor handlungsfähig und kann sich für den nächsten Aufschwung rüsten. Ältere 200mm-Waferanlagen haben ausgedient und wurden bereits stillgelegt, womit Micron weitere Kapazitäten vom Markt nimmt. Gleichzeitig gehen die Amerikaner nicht davon aus, dass die durch Qimonda entstandenen Kapazitätslücken schnell gefüllt werden.

Speicherchipindustrie vor Neuordnung
Entscheidend für die weitere Preisentwicklung am DRAM- und Flashspeicher dürfte allerdings nicht nur die Nachfragesituation sein. Eine wichtige Rolle dürfte dabei auch den einzelnen Wettbewerbern in Taiwan zukommen und wie sich dort die taiwansche Regierung verhalten wird. Durch seine Partnerschaft mit den beiden taiwanschen Branchenspezialisten Nanya und Inotera hat Micron hier ein gewichtiges Wort mitzureden und sitzt bei der Gestaltung der neuen Ordnung in der Speicherchipindustrie mit im Boot...

Kurzportrait

Micron Technology, ansässig in Boise/Idaho, wurde ursprünglich im Jahre 1978 gegründet. Das Unternehmen beschäftigte sich seinerzeit mit der Entwicklung von Halbleitern und bot entsprechende Beratungsleistungen an. Später entschied sich die Firma Speicherbausteine für Computer in Eigenregie zu fertigen. So entstand im Dezember 1981 der erste Dynamic Random Access Memory (DRAM) Chip von Micron, mit einer Speicherkapazität von 64 KB. Heute stellt Micron nicht nur DRAM-Chips her, sondern fertigt auch NAND-Flashspeicher und CMOS Image-Sensoren.

In den Jahren 1993 bis 1996 gelang dem Unternehmen dann der endgültige Durchbruch. Vor allem die vorausschauende Kapazitätsausweitung und steigende DRAM-Preise bescherten der Gesellschaft ein Rekordquartal nach dem anderen. So folgte im Jahre 1996 die Gründung der Einheit Crucial Technology, womit das Unternehmen seine Vertriebs- und Supportleistungen entscheidend optimieren wollte. Doch bereits 1996 folgte das Ende des Chip-Booms. Nachdem die Preise pro DRAM/MB um 45 Prozent einbrachen, setzte sich der Preisverfall auch in den Jahren 1997 und 1998 weiter fort. Im Jahre 1997 fielen die Preise um weitere 75 Prozent, während 1998 die Branche nochmals einen Preisrückgang von 60 Prozent hinnehmen musste. Diese Schwächephase nutzte Micron, um das DRAM-Geschäft von Texas Instruments zu übernehmen.

Aber auch der weltweit führende Halbleiterhersteller Intel nutzte die Konsolidierungsphase für einen Einstieg beim führenden Speicherchiphersteller. Der Halbleitergigant investierte 500 Mio. Dollar in Micron, um die Entwicklung von PC-Speicherbausteinen weiter zu forcieren. Bereits im Jahre 2000 erholten sich die Umsätze und Gewinne des Chipspezialisten wieder spürbar. Nachdem Überkapazitäten und Preiskämpfe erneut auf die Preise drückten, entschloss sich Toshiba dazu, seine Einheit Dominion Semiconductor LLC an Micron Technology zu verkaufen. Daneben veräußerte Micron sein SRAM-Geschäft an Cypress Semiconductor, um sich mehr auf sein Kerngeschäft mit Massenspeichern zu konzentrieren. Ende 2005 gründete Micron gemeinsam mit Intel das Joint Venture IM Technologies, an welchem Micron mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Im Frühjahr 2006 folgte die Übernahme des Mitbewerbers Lexar Media. Im gleichen Jahr übernahm man zudem das Image-Sensorgeschäft von Avago Technologies Limited. Im Herbst 2008 übernahm Micron eine 36,5%ige Beteiligung an dem taiwanschen Speicherspezialisten Inotera Memories.

Zahlen

Für das vergangene Februarquartal berichtet Micron von einem Umsatzrückgang um 27 Prozent auf 993 Mio. US-Dollar. Dabei entstand bei Micron zunächst ein Verlust von 751 Mio. Dollar oder 97 US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher noch ein Minus von 777 Mio. Dollar oder 1,01 Dollar je Aktie anfiel.

Ausgenommen etwaiger Restrukturierungskosten in Höhe von 120 Mio. Dollar musste Micron im jüngsten Quartal einen Verlust von 82 US-Cent je Aktie hinnehmen. Damit verfehlte Micron die Markterwartungen der Analysten deutlich. An der Wall Street hatte man im Vorfeld nur mit einem Minus von 62 US-Cent je Aktie gerechnet.

Die Umsätze im Zusammenhang mit DRAM-Speichern fielen um 30 Prozent, nachdem auch die Durchschnittspreise für diese Speicher um 30 Prozent einbrachen. Der Umsatz mit Flashspeichern ging um 20 Prozent zurück, nachdem in diesem Marktsegment die Preise um 13 Prozent sanken. Allerdings zeichnet sich im DRAM- und Flashspeichermarkt eine Preiserholung ab, wie Micron im Laufe einer Pressekonferenz andeutete.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Micron Technology

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