Micron kämpft ums Überleben

Montag, 6. Oktober 2008 13:05
Micron Technology Unternehmenslogo

(IT-Times) Der amerikanische DRAM-Hersteller Micron Technology (NYSE: MU, WKN: 860209) musste im vergangenen vierten Fiskalquartal 2008 erneut tiefrote Zahlen ausweisen. Das damit abgeschlossene Fiskaljahr wurde mit einem hohen Verlustausweis abgeschlossen.

Besserung ist nicht in Sicht. Der Preisverfall bei DRAM-Speicher dürfte sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen, zumal sich der Konjunkturhimmel weiter zu verdunkeln droht. Während die DRAM-Preise im Quartalsverlauf noch relativ stabil geblieben sind, habe man nach Ende August einen weiterer Preisrückgang von 15 bis 20 Prozent bei DRAM-Chips und einen Preisverfall von 30 bis 35 Prozent bei NAND Flash-Speichern beobachten können, heißt es bei Micron.

Micron will durch Sparmaßnahmen und durch Produktionskürzungen gegensteuern. So sollen die Gehälter für das obere Management um 20 Prozent gekürzt werden, wobei der DRAM-Hersteller im laufenden Fiskaljahr 2009 nur noch 1,0 bis 1,3 Mrd. Dollar für Investitionen zum Produktionsausbau ausgeben will. Zuvor wollte Micron noch zwischen 1,5 und 2,0 Mrd. Dollar investieren.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, um das Unternehmen zurück in die Gewinnzone zu hieven, gilt als fraglich. Marktführer Samsung will die Konjunkturkrise nutzen, um seinen Marktanteil zu erhöhen und Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Die Südkoreaner planen derzeit keine Produktionskürzung, sondern erwägen vielmehr die Produktion nochmals zu erhöhen, heißt es aus der Branche.

Verhandlungen mit Qimonda vor dem Abschluss
Während sich der Rivale Elpida Memory mit Powerchip Semiconductor Corporation und Rexchip Electronics zwei starke Partner ins Boot geholt hat, stand Micron bislang alleine da. Schon in den vergangenen Wochen häuften sich Gerüchte, wonach Micron daher bei der Infineon-Tochter Qimonda ansteigen wird.

Die Verhandlungen zwischen beiden Firmen seien inzwischen abgeschlossen, heißt es aus Branchenkreisen aus Taiwan. In den nächsten Tagen bzw. Wochen soll die offizielle Bekanntmachung folgen. Durch die mehrheitliche Übernahme würden die bisherige Nummer vier bzw. Nummer fünf der Branche fusionieren. Micron käme dann auf einen weltweiten Marktanteil von 20 Prozent bei DRAM-Speichern.

Micron-Chef Steven R. Appleton deutete bereits einen solchen Schritt im Rahmen der Quartalspressekonferenz an. Der Micron-Manager erwartet in den kommenden zwei bis drei Monaten eine weitere Konsolidierung und eine Reduzierung der Produktionskapazitäten. Die aktuelle Marktsituation dürfte enormen Druck auf einige Player in der Branche ausüben, glaubt Appleton, der mit dramatischen Veränderungen in der Branche rechnet…

Kurzportrait

Micron Technology, ansässig in Boise/Idaho, wurde ursprünglich im Jahre 1978 gegründet. Das Unternehmen beschäftigte sich seinerzeit mit der Entwicklung von Halbleitern und bot entsprechende Beratungsleistungen an. Später entschied sich die Firma Speicherbausteine für Computer in Eigenregie zu fertigen. So entstand im Dezember 1981 der erste Dynamic Random Access Memory (DRAM) Chip von Micron, mit einer Speicherkapazität von 64 KB. Heute stellt Micron nicht nur DRAM-Chips her, sondern fertigt auch NAND-Flashspeicher und CMOS Image-Sensoren.

In den Jahren 1993 bis 1996 gelang dem Unternehmen dann der endgültige Durchbruch. Vor allem die vorausschauende Kapazitätsausweitung und steigende DRAM-Preise bescherten der Gesellschaft ein Rekordquartal nach dem anderen. So folgte im Jahre 1996 die Gründung der Einheit Crucial Technology, womit das Unternehmen seine Vertriebs- und Supportleistungen entscheidend optimieren wollte. Doch bereits 1996 folgte das Ende des Chip-Booms. Nachdem die Preise pro DRAM/MB um 45 Prozent einbrachen, setzte sich der Preisverfall auch in den Jahren 1997 und 1998 weiter fort. Im Jahre 1997 fielen die Preise um weitere 75 Prozent, während 1998 die Branche nochmals einen Preisrückgang von 60 Prozent hinnehmen musste. Diese Schwächephase nutzte Micron, um das DRAM-Geschäft von Texas Instruments zu übernehmen.

Aber auch der weltweit führende Halbleiterhersteller Intel nutzte die Konsolidierungsphase für einen Einstieg beim führenden Speicherchiphersteller. Der Halbleitergigant investierte 500 Mio. Dollar in Micron, um die Entwicklung von PC-Speicherbausteinen weiter zu forcieren. Bereits im Jahre 2000 erholten sich die Umsätze und Gewinne des Chipspezialisten wieder spürbar. Nachdem Überkapazitäten und Preiskämpfe erneut auf die Preise drückten, entschloss sich Toshiba dazu, seine Einheit Dominion Semiconductor LLC an Micron Technology zu verkaufen. Daneben veräußerte Micron sein SRAM-Geschäft an Cypress Semiconductor, um sich mehr auf sein Kerngeschäft mit Massenspeichern zu konzentrieren. Ende 2005 gründete Micron gemeinsam mit Intel das Joint Venture IM Technologies, an welchem Micron mit 51 Prozent die Mehrheit hält. Im Frühjahr 2006 folgte die Übernahme des Mitbewerbers Lexar Media für rund 850 Mio. Dollar. Im gleichen Jahr übernahm man zudem das Image-Sensorgeschäft von Avago Technologies Limited.

Zahlen

Für das vergangene Quartal meldet Micron zunächst einen leichten Umsatzzuwachs von weniger als einem Prozent auf 1,45 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 1,44 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Verlust dagegen stieg zunächst auf 344 Mio. Dollar oder 45 US-Cent je Aktie, nach einem Minus von 158 Mio. Dollar oder 21 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Meldung gespeichert unter: Micron Technology

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