Manz will mit neuem Geschäftsbereich der Krise entfliehen

Montag, 31. August 2009 12:47
Manz Automation Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Krise am Solarmarkt hat den Reutlinger Anlagenbauer Manz Automation AG (WKN: A0JQ5U) tief getroffen. Nicht nur der Umsatz brach gegenüber dem Vorjahr deutlich ein, auch rutschte das Unternehmen deutlich in die roten Zahlen.

Der Anlagenbauer hofft auf ein Ende der Absatzkrise im zweiten Halbjahr, wenn sich das Solargeschäft wieder erholt. Das laufende dritte Quartal gilt saisonbedingt als das stärkste Quartal in der Solarindustrie. Auch chinesische Solarmodulehersteller, die zuletzt mit niedrigen Preisen den Preiskampf angeheizt haben, melden inzwischen Lieferzeiten von bis zu sechs Wochen, nachdem insbesondere viele Aufträge aus Europa die Werke wieder auslasten.

Überkapazitäten sollen bis 2012 bestehen bleiben
Doch der Markt ist noch keineswegs bereinigt. Insbesondere in China tummeln sich immer noch viel zu viele Hersteller auf den Markt. Einige Billig-Konkurrenten haben inzwischen den Preis für ihre Solarmodule auf 1,8 bis 2,0 Dollar pro Watt gesenkt, um ihre Module loszuschlagen und ihre Lager zu räumen, heißt es aus Branchenkreisen. Solange die Überkapazitäten auf die Preise drücken, werden sich die Hersteller mit der Neuanschaffung neuer Anlagen zurückhalten. Die Marktforscher aus dem Hause iSuppli rechnen damit, dass die Überkapazitäten im Solarmarkt bis ins Jahr 2012 hinein bestehen bleiben.

Genau dies bekam Manz Automation in der ersten Jahreshälfte zu spüren. Insbesondere der Großkunde Applied Materials, der für rund 50 Prozent des Auftragsbestandes von Manz verantwortlich zeichnen soll, hat bislang seine Aufträge auf Eis gelegt. Inzwischen mehren sich die Gerüchte, wonach sich Applied aus dem Geschäft mit Dünnschichtanlagen zurückziehen wird, lässt sich unter den derzeitigen Marktbedingungen kaum eine SunFab-Anlage verkaufen.

Manz setzt auf neuen Geschäftsbereich: Litihium-Ionen-Akkus
Um den Abwärtssog der Solarindustrie zu entgegen, will sich Manz mit neuem Geschäftsbereich mehr Unabhängigkeit verschaffen. Mit der industriellen Fertigung von Litihium-Ionen-Akkus ist das Unternehmen in einen neuen Markt eingestiegen, der laut Manz-Finanzchef Martin Hipp bereits in diesem Jahr ein Umsatzvolumen im einstelligen Millionenbereich erwirtschaften könnte.

Zielgruppe sind insbesondere Fahrzeughersteller, die Hybrid- und Elektrofahrzeuge bauen. Als Partner konnte der Anlagenbauer bereits die Li-Tec Battery GmbH gewinnen, an der die Daimler AG und die Evonik AG beteiligt sind. Der Markt gilt als viel versprechend, wollen viele Hersteller wie Ford und VW in den nächsten Jahren reine Elektrofahrzeuge auf den Markt bringen. Auch die Bundesregierung will den Markt stützen. Ziel sei es, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren, heißt es aus Berlin. Inzwischen sind entsprechende Kaufanreize von bis zu 5.000 Euro pro Fahrzeug im Gespräch, um das Ziel zu erreichen.

Entschieden ist freilich noch nichts, dennoch rechnet Manz-Manager Martin Hipp mit einem hohen Wachstum in den nächsten Jahren. Schon in den nächsten zwei bis drei Jahren könnte der neue Geschäftsbereich Litihium-Ionen-Akkus so groß sein wie der Solarbereich, glaubt Hipp. Da Manz den Großteil der Technik bereits im eigenen Haus hat, müssen keine großen Investitionen getätigt werden.

Doch ob diese Rechnung aufgeht, wird sich erst in der Zukunft zeigen. Da auch asiatische Hersteller das Geschäftspotential von Litihium-Ionen-Akkus erkannt haben, könnte der Branche in ferner Zukunft ein ähnlicher Preiskampf wie in der Solarindustrie bevorstehen…

Kurzportrait

Die im Jahre 1987 von Dieter Manz gegründete und in Reutlingen ansässige Manz Automation AG ist heute ein führender Hersteller von Automatisierungsanlagen, die sowohl in der Photovoltaik-, der LCD-Fertigungsindustrie, sowie bei der Herstellung von Hartmetallwerkzeugen zum Einsatz kommen. Gleichzeitig stellt Manz Automation auch Systemlösungen für Labor- und Pharmaunternehmen sowie Komponenten (aico) für den Einsatz in der Automationstechnik bereit.

Zu den von Manz Automation vertriebenen Produkte gehören unter anderem Handlingsysteme für LCD-Substrate, sowie Photovoltaik-Automatisierungssysteme, die bei Be- und Entladen von Prozessanlagen für die Herstellung von Solarzellen zum Einsatz kommen. Ferner werden Systeme für die Laborautomation angeboten, die in der Pharmaforschung und der Herstellung von Pharma-Produkten zum Einsatz kommt. Dazu gehören auch standardisierte Laborroboter, sowie Systeme zur Kommissionierung und Verpackung. Ergänzt werden die oben genannten Geschäftsbereiche durch Produkte für die automatisierte Handhabung von Kleinteilen.

Die Produkte werden über vier strategischen Geschäftsbereich systems.solar (Photovoltaik), systems.lcd (LCD-Technik), systems.aico (Komponenten für OEM-Systeme) und systems.lab (Labortechnik für den Wissenschaftsbereich) vermarktet.

Insgesamt ist Manz Automation nicht nur mit Niederlassungen in Deutschland, sondern auch in den USA, Taiwan, Südkorea, China, Spanien, Spanien, Ungarn und in der Slowakei vertreten. Daneben unterhält Manz Automation auch eine Servicepartnerschaft in Indien. Zuletzt beschäftigte die Manz Automation mehr als 300 Mitarbeiter, davon mehr als die Hälfte Ingenieure und Techniker. Die Mehrheit der von Manz Automation produzierten Produkte geht derzeit in den Export.

Nachdem sich Manz Automation Ende 2007 durch die Übernahme der Tübinger Maschinenbauer Christian Majer GmbH & Co. KG. verstärkt hat, schlug das Unternehmen Anfang 2008 erneut zu und übernahm den taiwanschen Anlagenbauer Intech Machines Co. Ltd. Zudem wurde Böhm Electronic Systems Slowakei s.r.o. in der Slowakei sowie die deutsche Majer übernommen. Ende 2008 beteiligte sich Manz an dem Spezialisten CyBio. Daneben erschloss sich Manz zuletzt einen dritten Geschäftsbereich mit der industriellen Fertigung von Litihium-Ionen-Akkus.

Zahlen

War im ersten Halbjahr 2008 noch ein Umsatz von 101,6 Mio. Euro erzielt worden, wies Manz für 2009 nur noch einen Umsatz von 28,28 Mio. Euro aus. Es wurde eine Gesamtleistung von 38,11 Mio. Euro erreicht (2008: 102,44 Mio. Euro).

Meldung gespeichert unter: Manz

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