Intel von der Krise voll erfasst - Stellenabbau?

Freitag, 9. Januar 2009 13:28
Intel

(IT-Times) Auch der US-Chiphersteller Intel (Nasdaq: INTC, WKN: 855681) hat die Geschwindigkeit und die Dynamik des Abschwungs unterschätzt. Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit musste das Unternehmen eine Umsatzwarnung herausgeben.

Auch im neuen Jahr 2009 dürfte es nur wenig besser werden. Die Marktforscher des Hauses Gartner rechnen auch für 2009 mit Umsatzrückgängen in der Halbleiterindustrie. Zum ersten Mal dürfte die Branche damit im zweiten Jahr infolge deutlich schrumpfen, heißt es. Analysten rechnen damit, dass Intel schon bald anderen großen Technologiekonzernen folgen und einen umfangreichen Stellenabbau bekannt geben wird.

FBR Capital Markets Analyst Craig Berger rechnet mit dem Abbau von zehn Prozent der Stellen. Damit würde der Halbleitergigant rund 5.000 bis 6.000 Beschäftigte auf die Straße setzen, könnte dadurch aber rund eine Mrd. Dollar einsparen, heißt es. Die Einsparungen scheinen unvermeidlich, zumal die Forschungs-, Entwicklungs- und Herstellungskosten in der Halbleiterindustrie in den vergangenen Jahren sukzessive gestiegen sind. Dies bekam auch der Intel-Rivale AMD zu spüren und lagerte zuletzt seine Fabriken an ein Joint Venture aus.

Kosten stiegen schneller als der Umsatz
Auch bei Intel selbst schlugen sich diese Kosten in den letzten Jahren negativ in der Bilanz nieder und wuchsen zuletzt schneller als der Umsatz. Während die Erlöse im Zeitraum 2004 bis 2007 im Schnitt um 12,1 Prozent zulegten, kletterten die Herstellungskosten im Umsatzkostenverfahren um 24,9 Prozent. Die operativen Kosten legten um 10,8 Prozent zu. Insgesamt führte die Kostenentwicklung dazu, dass die operative Gewinnmarge bei Intel von 30,1 Prozent im Jahr 2004 auf 25,6 Prozent in 2007 schrumpfte. Durch die jetzige Wirtschaftskrise dürfte sich dieser Abwärtstrend auch in 2009 fortsetzen, wenn Intel keine radikalen Gegenmaßnahmen ergreift.

Hat sich Intel verkalkuliert?
Darüber hinaus gibt es inzwischen vereinzelt Stimmen, die glauben, dass Intel den Erfolg von Netbooks unterschätzt hat. Durch die Wirtschaftskrise sehen sich nicht nur Unternehmen, sondern auch Konsumenten gezwungen, vermehrt auf die deutlich preisgünstigeren Netbooks zu setzen. Hier ist Intel zwar mit seinem Atom-Prozessor vertreten, doch der kostet etwa 200 Dollar weniger als der Intel Penryn-Chip, der meist in teureren Notebooks zu finden ist.

Robert Castellano, President des Information Network rechnet vor, dass Intel allein durch diese Entwicklung in 2008 rund 1,14 Mrd. Dollar an Umsatz verloren hat. Im Jahr 2009 dürften Intel hierdurch nochmals 2,16 Mrd. Dollar an Erlösen flöten gehen, glaubt Castellano.

Die Krise hat aber auch ihre guten Seiten - zumindest für Marktführer. Die weltweite Flaute hat den Rivalen AMD enorm unter Druck gesetzt, so dass der Intel-Konkurrent zuletzt damit beschäftigt war, seine Kosten unter Kontrolle zu halten. Diese Situation konnte Intel bereits in 2008 für sich nutzen und nach Angaben des Marktforschers iSuppli seinen Marktanteil weiter zu Lasten von AMD ausbauen…

Kurzportrait

Der Halbleitergigant Intel, ansässig in der kalifornischen Technologieschmiede Santa Clara, stieg in den 80er und 90er durch sein Bündnis mit dem Softwarehersteller Microsoft zum weltweit führenden Prozessorhersteller auf. Das Unternehmen rüstet dabei mehr Personalcomputer mit Prozessoren aus, als jeder andere Hersteller auf der Welt. Insgesamt wird Intel ein Marktanteil von rund 80 Prozent im Bereich PC-Chips zugeschrieben.

Neben Prozessoren entwickelt das Unternehmen aber auch Flashspeicher, in welchem Intel ebenfalls als marktführend gilt. Ferner bietet der Halbleiterhersteller auch weitere Mikrochips an, welche im Zusammenhang mit Netzwerken und industriellen Anwendungen eingesetzt werden. Insgesamt operiert Intel aus sieben Geschäftssegmenten heraus: Digital Enterprise Group (DEG), Mobility Group, NAND Products Group, Flash Memory Group, Digital Home Group, sowie den Bereichen Digital Health Group und Software Solutions Group.

Der US-Computerhersteller Dell gehört mit zu den größten Kunden des Halbleitergiganten und steuerte in der Vergangenheit mehr als zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei. Neben dem Kerngeschäft hält das Unternehmen auch zahlreiche Beteiligungen an anderen Technologieunternehmen. Im Jahr 2001 übernahm Intel den Modemspezialisten Xircom. Das Unternehmen ist inzwischen ein Teil von Intels Netzwerkaktivitäten und entwickelt neben Modemkarten für PCs auch Schnittstellen für drahtlose Übertragungstechniken.

Im Oktober 2000 kaufte Intel den US-Spezialisten Ziatech auf. Ziatech gilt als Spezialist im Bereich Telekomausrüstung und soll Intels neuen Vorstoß in Richtung Telekommunikationsindustrie unterstützen. Im Jahr 2003 beteiligte sich Intel an Japans DRAM-Hersteller Elpida. Gleichzeitig übernahm Intel den Spezialisten für optische Netzwerke West Bay Semiconductor. Im Jahr 2006 verkaufte Intel sein Media- und Signaling-Geschäft an Eicon Networks, gleichzeitig trennte man sich vom Mobilfunk- und Anwendungsprozessorgeschäft und gab diesen Bereich an Marvel ab. Auch die RFID-Einheit verkaufte Intel zuletzt an den Spezialisten Impinj. Im Herbst 2008 verstärkte sich Intel durch die Übernahme des Ethernet-Spezialisten NetEffect sowie durch den Linux-Spezialisten OpenedHand. Gleichzeitig trennte sich Intel von seinem Geschäftsbereich Communication Rackmount Server.

Über seinen Kapitalarm Intel Capital investierte der Chiphersteller zuletzt in eine Reihe von Startup-Firmen wie Gteko, Synacor, Telligent Systems und Zinio Systems. Gemeinsam mit STMicrelectronics gründete Intel zuletzt das Flashspeicher-Venture Numonyx.

Zahlen

Die Intel-Umsätze kletterten im vergangenen dritten Quartal 2008 nur um ein Prozent auf 10,22 Mrd. Dollar, während der Nettogewinn um zwölf Prozent auf 2,01 Mrd. Dollar oder 35 US-Cent je Aktie anzog, nach einem Plus von 1,79 Mrd. Dollar oder 30 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Analysten hatten im Vorfeld zwar mit Einnahmen von 10,26 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Plus von 34 US-Cent je Aktie gerechnet.

Trotz des schwierigen Marktumfelds gelang es Intel seine Bruttogewinnmargen weiter zu steigern. Diese kletterten um weitere 3,5 Prozentpunkte auf nunmehr 58,9 Prozent. Intel führt die höheren Margen auf niedrigere Herstellungskosten sowie auf den etwas höheren Umsatz zurück.

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