Infosys vor Neuaufstellung - steigende Kosten und sinkende Margen verunsichern Investoren

Dienstag, 19. April 2011 13:05
Infosys Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des IT- und Outsourcing-Giganten Infosys Technologies (Nasdaq: INFY, WKN: 919668) brachen am Freitag um mehr als zehn Prozent ein - der größte Kurseinbruch seit zwei Jahren. Investoren trennten sich von Infosys-Aktien im großen Stil, scheint das ungebrochene Gewinnwachstum erst einmal vorbei.

Zwar stellt Infosys für laufende Jahr ein Plus von 2,83 bis 2,88 Dollar je Aktie in Aussicht, damit bleibt das Unternehmen aber hinter den Prognosen der Analysten zurück, die im Vorfeld mit einem Profit von 3,10 Dollar je Aktie für das Fiskaljahr 2012 gerechnet hatten.

Für das schwächere Gewinnwachstum gibt es gleich mehrere Gründe. Zum einen wertete die indische Rupie gegenüber dem US-Dollar weiter auf, was die Gewinnmargen negativ beeinträchtigt, da Infosys große Teile seiner Erlöse in den USA und damit in US-Dollar erzielt. Lohnkosten fallen jedoch in indischer Rupie an. Die Personalkosten seien im jüngsten Quartal um 10 bis 12 Prozent gestiegen, gibt dann auch Infosys Chief Operating Officer (COO) K.D. Shibulal unumwunden zu.

Infosys plant 45.000 Neueinstellungen im laufenden Jahr
Zudem dürften die Personalkosten in diesem Jahr weiter kräftig steigen, nachdem Infosys im laufenden Fiskaljahr 2012 rund 45.000 neue Mitarbeiter einstellen will. Bereits im jüngsten Quartal hatte der Outsourcing-Spezialist 8.930 neue Arbeitskräfte eingestellt, um sich für künftige Aufträge zu wappnen.

Genau darin sehen nicht wenige Analysten inzwischen aber ein großes Problem. Durch den Personalmangel und den Wettbewerb um gut ausgebildete IT-Kräfte, stiegen die Löhne zuletzt weiter zweistellig. Gleichzeitig wachsen die IT-Budgets aber deutlich langsamer - in diesem Jahr wird mit einem Zuwachs von gerade einmal zwei bis drei Prozent gerechnet.

Um diese Kostenentwicklung auffangen zu können, muss Infosys im großen Stil neue Kunden hinzugewinnen, glaubt man in der Analystengemeinde. Nachdem Infosys im jüngsten Quartal gerade einmal acht aktive Kunden hinzugewinnen konnte, sehen Analysten wie Susquehanna Financial Expertin Jamie Friedman dieses Szenario nicht als erfüllt an. Friedman glaubt nicht, dass acht Neukunden pro Quartal ausreichen, um Wachstum zu generieren und empfiehlt daher Infosys-Aktien zum Verkauf.

Infosys vor Neupositionierung
Darüber hinaus wurde der jüngste Quartalsbericht durch den Abgang zweier langjähriger Top-Manager überschattet. Personal-Chef und Verwaltungsratsmitglied T.V. Mohandas Pai sowie Infosys Co-Founder D. Dinesh werden sich aus dem Aufsichtsgremium zurückziehen. Damit kündigt sich bei Infosys ein Generationenwechsel an, wie Infosys Chef S. Gopalakrishnan andeutet...

Kurzportrait

Der im Jahre 1981 gegründete und im indischen Bangalore ansässige IT-Servicedienstleister Infosys Technologies bietet eine breite Produktpalette an Outsourcing- und Software-Services an. IT-Beratung (Infosys Consulting), Software-Engeneering, Implementierung und das Programmieren ganzer Anwendungen im Kundenauftrag gehören zum Produktportfolio des indischen IT-Servicespezialisten. Auch Business Process Outsourcing Services werden über die Einheit Infosys BPO angeboten.

Um die Projekte und die professionelle Betreuung seiner Firmenkunden sicherstellen zu können, betreibt Infosys nicht nur eine Reihe von Entwicklungszentren in Indien, sondern auch im Ausland. So ist das Unternehmen mit sechs Entwicklungszentren in den USA, sowie zwei weiteren Entwicklungszentren in England, drei in Australien und mit einem Entwicklungszentrum in Japan präsent. Gleichzeitig betreibt Infosys noch weitere 19 Offshore-Entwicklungszentren, davon 18 in indischen Städten und eines in Toronto.

Seine IT-Servicedienstleistungen erbringt Infosys unter anderem auch über seine Tochterfirmen Progeon Limited, Infosys Technologies Australia, Infosys China und seit 2004 auch in den USA über die Tochter Infosys Consulting. Im Frühjahr 2006 kaufte Infosys die restlichen Anteile an der Tochter Progeon von der Citicorp. Mit der Tochter Infosys Technologies S. De RL De CV ist Infosys seit 2007 auch in Mexiko präsent. Mitte 2007 übernahm man zudem die Einheit Philips Services Delivery Center und die zugehörigen Niederlassungen in Indien, Polen und Thailand. Im August 2008 verstärkte man sich durch die Übernahme des britischen IT-Spezialisten Axon, nachdem man zuvor die australische Mainstream Software Pty Limited übernahm. In 2009 rief Infoys die Beratertochter Infosys Consulting India Limited ins Leben. Gleichzeitig wurde die Einheit Infosys Public Services geschaffen. Im Jahr 2010 löste Infosys seine Back-Office Aktivitäten in Bangkok auf.

Darüber hinaus entwickelt Infosys insbesondere Software-Produkte für die Finanzwirtschaft. Die Produkte FinacleCore Banking, Finacle eChannels, Finacle eCorporate, Finacle CRM und Finacle Treasury sind vollständig Web-basiert und zielgerichtet auf die Bedürfnisse der Banken zugeschnitten.

Zu den mehr als 550 Großkunden des IT-Dienstleisters zählen unter anderem Industriegrößen wie British Telecom, Bank of America, Boeing, Cisco Systems, Goldman Sachs, Dell oder Toshiba. Den Großteil seiner Umsätze erzielt Infosys in Nordamerika. In Europa wurden zuletzt mehr als 25 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftet. Der Bereich Financial-Services trug zuletzt mehr als 35 Prozent zu den Gesamteinnahmen bei.

Zahlen

Infosys konnte für das vergangene vierte Quartal 2010 einen Umsatz in Höhe von 72,5 Mrd. Indischen Rupien (Vorjahr: 59,44 Mrd. Indische Rupien) ausweisen. Das EBT (Ergebnis vor Steuern) im vierten Quartal lag bei 25,17 Mrd. Indischen Rupien zu 20,41 Mrd. Indischen Rupien im Vorjahr. Das indische IT-Unternehmen konnte im vierten Quartal 2010/2011 einen Gewinn von 18,18 Mrd. Indischen Rupien oder rund 402 Mio. US-Dollar verzeichnen und damit das Nettoergebnis steigern (Vorjahr: 16 Mrd. Indische Rupien). Das Ergebnis pro Aktie, das im Vorjahr bei 28,02 Rupien gelegen hatte, betrug nunmehr 31,83 Rupien.

Meldung gespeichert unter: Infosys

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