Infineon: Mit neuen Kooperationen aus der Krise?

Donnerstag, 24. Dezember 2009 10:11
Infineon Technologies Unternehmenslogo

NEUBIBERG (IT-Times) Vor genau einer Woche wurde bekannt, dass die Infineon Technologies AG (WKN: 623100)  die Projektleitung beim Forschungsvorhaben „Sanitas“ übernehmen wird. Das scheint ein weiterer Höhepunkt zu sein, zum Abschluss eines Jahres, in dem Infineon offensichtlich ein Befreiungsschlag gelingen konnte.

Ziel des Sanitas-Projektes ist es, die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen durch eine flexiblere Automatisierung zu stärken und gleichzeitig deren Sicherheit zu erhöhen. Wie Infineon mitteilte, ist das Forschungsvorhaben „Sichere Systeme auf Basis einer durchgängigen Verifikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette“ (Sanitas) bereits angelaufen. Bis September 2012 sollen nach gegenwärtiger Planung die neun beteiligten Partner - Forschungsinstitute und Unternehmen aus Halbleiterindustrie, Automobilbranche und Industrieautomatisierung - unter der Projektleitung von Infineon Technologies ihre Arbeiten abgeschlossen haben. Das Sanitas-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Zuge der Hightech-Strategie der Bundesregierung mit einem Beitrag von etwa 7,3 Mio. Euro gefördert.

Die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten im Rahmen des Sanitas-Projektes sollen die Grundlage dafür schaffen, die Flexibilität komplexer Mikroelektronik-gestützter Systeme, wie beispielsweise der Fertigungsautomatisierung oder Automobilelektronik, zu steigern. Davon sollen alle Unternehmen vom Halbleiterunternehmen bis zum Anlagenhersteller, dessen Fertigungssysteme die neu entwickelten Chips nutzen, profitieren.

Ausbau der LED-Kompetenz

Infineon plant zudem gemäß jüngerer Pläne die Erweiterung des eigenen Produktportfolios. Ziel ist es, das Angebot an LED-Technologie zu erhöhen. Im Fokus stehen dabei lineare LED-Treiber für LED-Beleuchtungsanwendungen. Infineon will diese nun um zwei Produktfamilien ausbauen und so auch auf die aktuelle Nachfrageentwicklung reagieren. Nach Einschätzung des deutschen Unternehmens habe der Markt für energiesparende und umweltfreundliche LED-Leuchten großes Wachstumspotenzial. Die neuen Produkte von Infineon haben dabei nach Unternehmensangaben verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Neben Lösungen zur Stromreduzierung offeriert Infineon auch Anwendungen zur Einrichtung einer digitalen Schnittstelle für ein Signal zum Dimmen der LED-Lampe. Im Mittelpunkt stehen dabei 0,5-W-LED-Produkte. Diese sind erst seit kurzem auf dem Markt und haben nach Einschätzung von Infineon noch Optimierungsbedarf bei den oben genannten technischen Lösungen.

Kooperation mit Nokia

Aktuell scheint Infineon vor neuen Ideen und Kooperationen zu sprudeln, um sich nach einer mehr als durchwachsenen Vergangenheit fit für die Zukunft zu machen. Gemeinsam mit Nokia sollen neue Lösungen im Mobilfunkbereich entwickelt werden. Dabei stehen Hochfrequenz-Transceiver-Lösungen (Radio Frequency) im Mittelpunkt der Zusammenarbeit. Ziel der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungstätigkeit sind Standards für Mobilfunknetze der nächsten Generation. Die Kompatibilität sowie das Zusammenspiel von Baseband-Modem-Technologien aus dem Hause Nokia sowie von RF-Lösungen von Infineon soll verbessert werden. Allerdings stünde es beiden Unternehmen frei, auf diesem Gebiet auch mit anderen Partnern zu kooperieren.

Durch die Kooperation festigen Infineon und Nokia nach eigner Darstellung auch die Zusammenarbeit in der Zukunft. Man wolle dafür sorgen, dass die Technologien beider Unternehmen weiterhin kompatibel seien. Zudem wären in der Mobilfunkbranche umfassende Modemlösungen für die Standards HSDPA und LTE gefragt. Von dieser Entwicklung versprechen sich sowohl Infineon als auch Nokia weiteres Wachstumspotenzial für die eigenen Lösungen.

Zusammenarbeit mit Qimonda und der britischen ARM

Die ehemalige portugiesische Tochtergesellschaft von Infineon wird ebenfalls wieder mit dem Unternehmen kooperieren - die Gesellschaft trägt dabei den neuen Namen Nanium. Um die Überlebensfähigkeit von Nanium zu sichern, wird nun eng mit Infineon zusammengearbeitet. Infineon war zuvor Mutterunternehmen der insolventen Qimonda gewesen und ist noch größter Aktionär. Insgesamt sollen bei Nanium rund 380 Angestellte beschäftigt werden. Ab März 2010 soll die Mitarbeiterzahl dann weiter verstärkt werden. Die 400 zuvor entlassenen Mitarbeiter könnten dadurch wieder Arbeit bekommen. Das Kapital der neu benannten Gesellschaft wird in staatlichen Händen bleiben. Nanium wird aber die Überbrückungskredite, welche man von der portugiesischen Regierung zur Verfügung gestellt bekommen hatte, zurückzahlen müssen. So sollen die 22,5 Mio. Euro, die Qimonda erhalten hatte und welche im Rahmen der Neugründung nicht kapitalisiert wurden, ab September 2011 zurückgeführt werden.

Gemeinsam mit der britischen ARM will Infineon künftig auf dem Gebiet für Sicherheitscontroller bei Chipkarten und anderen Anwendungen forschen. In diesem Zusammenhang erhält Infineon von ARM eine Architekturlizenz und wird auf deren Grundlage einige Prozessorkerne entwickeln. Ziel sei es, Anforderungen für heutige und zukünftige Sicherheitslösungen zu erfüllen und diese mit 32-Bit-Prozessor-Technologie-Lösungen zu verbinden.

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronik-Bereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit. Aus der Sparte Chips für den Mobilfunksektor verabschiedete sich das Unternehmen im Herbst 2009.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Gleichzeitig gab die Infineon-Tochter Qimonda den Verkauf seiner Inotera-Beteiligung an Micron bekannt. Anfang 2009 musste die Infineon-Tochter Qimonda Insolvenz anmelden mit anschließendem Insolvenzverfahren.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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