Infineon kann Konsolidierung auf dem Halbleitermarkt gelassen entgegenblicken

Freitag, 8. April 2011 13:43
Infineon Tecchnologies Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die 6,5 Mrd. US-Dollar schwere Übernahme von National Semiconductor (NSM) durch Texas Instruments (TI) dürfte die Halbleiterbranche in den nächsten Jahren kräftig durcheinander wirbeln, glauben Marktbeobachter. TI könnte mit seinem jüngsten Schachzug eine breite Konsolidierungsphase, insbesondere im Bereich analoger Halbleiter eingeläutet haben, heißt es in Analystenkreisen.

Analysten erwarten Konsolidierung im Halbleitermarkt
Auch die Aktien des Münchner Chipkonzerns Infineon Technologies (WKN: 623100) waren zuletzt stark gefragt, witterte so mancher Börsianer schon die nächste Übernahme. Tatsächlich ist der Markt für analoge Halbleiter dicht fragmentiert. Die Top-3-Hersteller teilen sich 25 Prozent des Marktes, die zehn größten Chipfirmen kommen auf einen Marktanteil von 50 Prozent. Analoge Halbleiter kommen in vielen Industrien wie in der Automobilbranche, aber auch bei Wachmaschinen und in der Unterhaltungselektronikindustrie zum Einsatz.

Die jüngste Konsolidierung dürfte vor allem die beiden direkten Konkurrenten Analog Devices und Maxim Integrated zusetzen, glauben Analysten. Dennoch ist auch die Münchner Infineon von der Neuordnung betroffen. Infineon konkurriert mit TI und NSM im Bereich Power-Management und im Driver IC Markt direkt mit den beiden amerikanischen Unternehmen.

Will sich Infineon in diesem Milliardenmarkt nicht distanzieren lassen, werden die Münchner reagieren müssen. Gleiches gilt für die TI-Rivalen Maxim Integrated, Analog Devices, Intersil und ON Semiconductor. Auriga Experte Daniel Berenbaum glaubt, dass der TI-Schachzug insbesondere die beiden amerikanischen Rivalen Maxim und Analog Devices zu Zukäufen zwingen wird.

Analysten sehen Infineon nicht als Übernahmekandidat
Infineon dürfte dabei weniger im Mittelpunkt stehen, gelten die Münchner aufgrund ihrer Größe bereits als zu groß und mit einer Marktkapitalisierung von acht Mrd. Euro aber auch als zu teuer. Marktbeobachter glauben daher, dass Infineon bei einer möglichen Konsolidierungsphase weniger als Übernahmeziel, sondern vielmehr selbst eine aktive Rolle als Aufkäufer einnehmen dürfte.

Zwar kooperiert Infineon bereits mit Analog Devices bei Airbag-Systemen, doch eine Fusion der beiden Firmen gilt als eher unwahrscheinlich. Marktbeobachter verweisen nicht nur auf die unterschiedlichen Tätigkeitsschwerpunkte, sondern auch auf die unterschiedlichen Kulturen beider Unternehmen.

Viel wahrscheinlicher ist es, dass sich Infineon weiter spezialisieren und auf Chips für die Automobilindustrie konzentrieren wird - in diesem Bereich sind die Münchner bereits der zweitgrößte Hersteller weltweit.

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) wurde in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst, die inzwischen ausgegliedert wurde. Qimonda musste im Januar 2009 allerdings einen Insolvenzantrag stellen. Heute ist Infineon der weltweit zweitgrößte Chiphersteller für die Automobilindustrie.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda und dem Verkauf der Mobilfunkchipsparte will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Automotive, Industrie und Chipkarten & Sicherheit. Heute erwirtschaftet Infineon etwa 50 Prozent seiner Erlöse in Asien.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Mitte 2009 gründete Infineon gemeinsam mit LS Industrial Systems das Joint Venture LS Power Semitech Co. Ltd, an welchem Infineon 46 Prozent der Anteile hält. Weitere Tochterfirmen sind unter anderem die Comneon GmbH (mobile Kommunikationstechniken), sowie Danube Integrated Circuit Engineering GmbH & Co. KG, an der Infineon zuletzt mehr als 50 Prozent der Anteile hielt und die Infineon Technologies IT Services GmbH. Gemeinsam mit Siemens betreibt Infineon die Infineon Technologies Bipolar GmbH, an der Infineon mit 60 Prozent die Mehrheit hält. Mitte 2010 verkaufte Infineon seine Mobilfunkchipsparte an Intel für 1,4 Mrd. US-Dollar. Im März 2011 kündigte Infineon an, 140 Mio. Dollar in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten in Malaysia investieren zu wollen.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie vor einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind BMW, Bosch, Schlumberger, Scientific-Atlanta und Sony.

Zahlen

Infineon konnte im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011 einen Umsatz in Höhe von 922 Mio. Euro erwirtschaften. Der Vorjahreswert hatte noch bei 687 Mio. Euro gelegen. Am umsatzstärksten erwies sich der Sektor Industrial & Multimarket mit einem Umsatzwachstum von 280 Mio. auf 423 Mio. Euro. Auch im Bereich Automotive verbesserte sich der Umsatz von 279 Mio. auf 354 Mio. Euro. Zudem konnte auch im Gebiet Chip Card & Security ein gestiegener Umsatz von 83 Mio. auf 98 Mio. Euro verbucht werden.

Die sonstigen Geschäftsbereiche trugen mit 41 Mio. Euro zum Gesamtumsatz bei. Im Vorjahr erzielte dieses Segment noch 42 Mio. Euro. Das Segmentergebnis bei Infineon kletterte von 70 Mio. auf 177 Mio. Euro. Dementsprechend verbesserte sich auch die Gesamtsegmentergebnis-Marge von Infineon von 10,2 auf 19,2 Prozent. Zudem erzielte der Chip-Hersteller auch beim Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten einen Anstieg von minus 59 Mio. auf plus 149 Mio. Euro.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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