Infineon gelingt Befreiungsschlag nur teilweise

Dienstag, 14. Oktober 2008 12:40
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) Nachdem die Infineon-Tochter Qimonda seine Beteiligung an Inotera an Micron verkauft hat, atmet der Münchner Halbleiterkonzern Infineon Technologies AG (NYSE: IFX, WKN: 623100) auf. Durch die Transaktion erhält die schwer angeschlagene Infineon-Tochter frisches Geld und Zeit, um durch eine Radikalkur das Überleben zu sichern.

Die von Qimonda eingeleiteten Maßnahmen dürften die Verluste zwar deutlich reduzieren, ob dies ausreicht, den DRAM-Hersteller nachhaltig aus der Krise zu manövrieren, bleibt aber ungewiss. Hintergrund ist der anhaltende Preisverfall bei DRAM-Speichern, wobei sich die Aussichten auf eine Preisstabilisierung zunächst zerschlagen haben. Marktführer Samsung rechnet mit einem weiteren Absatzrückgang bei DRAM-Speichern, will aber seine Produktion nicht drosseln. Samsung Investor Relations Manager Woosik Chu geht dann auch davon aus, dass das Schlimmste wohl noch nicht überstanden sei. Frühestens sei in der zweiten Jahreshälfte 2009 mit einer Besserung der Lage zu rechnen, glaubt der Samsung-Mann.

Ursprünglich wollte Infineon einen Käufer für seine angeschlagene Tochter finden. Das es nunmehr aber nur zu einem Teilverkauf kam, ist ein Rückschlag für den Münchner Konzern. Infineon muss nunmehr weiter nach einem Käufer für Qimonda suchen, der das Verlustrisiko auf sich nimmt. Durch die aktuelle Konjunktur- und Bankenkrise dürfte ein Verkauf keinesfalls leichter werden.

Interessenten halten sich vornehm zurück
Qimonda versucht sich unterdessen durch eine Verschlankung aufzuhübschen. Doch damit ist die Infineon-Tochter weniger interessant für potentielle Käufer, galt die Inotera-Beteiligung als das eigentliche Schmuckstück im Speicherkonzern. Diese Beteiligung hat sich nunmehr Micron gesichert, womit die Motivation der Amerikaner Qimonda als Ganzes zu übernehmen, wohl gesunken sein dürfte.

Als möglicher Interessent wird nunmehr Elpida Memory gehandelt. Die beiden Firmen unterzeichneten Mitte 2008 eine Absichtserklärung bezüglich einer Kooperation im Bereich DRAM-Speicher. Ziel der Kooperation sei es, die Entwicklungsaktivitäten beider Partner zu intensivieren und somit die Positionierung im Speichermarkt zu verbessern. Elpida Memory ist derzeit die Nummer drei im DRAM-Speichermarkt hinter Samsung und Hynix. Eine Übernahme von Qimonda durch Elpida würde also durchaus Sinn ergeben.

Allerdings kämpft Elpida derzeit selbst mit Problemen. So warnt das Unternehmen vor Verlusten von 40 Mrd. Yen bzw. 390 Mio. Dollar im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres. Zudem will das Unternehmen an den Kapitalmarkt herantreten und 50 Mrd. Yen durch die Platzierung von Wandelanleihen aufnehmen. Mit Powerchip Semiconductor hat Elpida einen Produktionspartner an der Hand, womit die Japaner also nicht unbedingt auf einen Zukauf angewiesen sind.

Die Interessenten werden also Infineon womöglich weiter zappeln lassen und erst mal abwarten, wie sich die Konjunkturlage sowie die DRAM-Preise weiter entwickeln. Die Hoffnungen auf einen schnellen Verkauf von Qimonda zu einem für Infineon akzeptablen Preis scheinen zumindest vorerst dahin…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt. Langfristig will Infineon seine Beteiligung an Qimonda auf unter 50 Prozent zurückfahren.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Gleichzeitig gab die Infineon-Tochter Qimonda den Verkauf seiner Inotera-Beteiligung an Micron bekannt.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone 3G aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Zahlen

Infineon erwirtschaftete im dritten Quartal des Fiskaljahres 2008 einen Umsatz in Höhe von 1,03 Mrd. Euro und traf damit die Erwartungen. Im Vergleichsquartal 2007 waren dies 1,01 Mrd. Euro gewesen. Das entspricht einem Rückgang um zwei Prozent.

Das EBIT konnte hingegen gesteigert werden: So waren es im dritten Quartal 2008 rund 70 Mio. Euro, während es in 2007 etwa 13 Mio. Euro gewesen waren. Der Konzernfehlbetrag lag im dritten Quartal 2008 bei 592 Mio. Euro. Damit hat sich der Verlust im Vergleich zum dritten Quartal 2007 mehr als verdoppelt. 2007 war ein Minus in Höhe von 197 Mio. Euro verzeichnet worden. Das entspricht einem Konzernfehlbetrag pro Aktie in Höhe von 0,79 Euro im dritten Quartal 2008 und 0,26 Mio. Euro im Vorjahr. Der Grund für das schlechte Ergebnis bei Infineon liegt mitunter in dem hohen Verlusten der Tochtergesellschaft Qimonda.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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