IBM vor Beginn einer neuen Ära - Ausstieg aus der Chip-Fertigung?

IT-Services und Halbleiter

Freitag, 4. Juli 2014 12:52
IBM Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der US-Technologiekonzern IBM steht möglicherweise vor einem Wendepunkt. Der IT-Dienstleister hat in den vergangenen acht Quartalen einen Umsatzrückgang ausweisen müssen. Grund für das schwache Wachstum sind nicht nur langsamer wachsende IT-Ausgaben, sondern auch Probleme im chinesischen Markt und im Hardware- und Halbleitersegment.

Bereits im dritten Quartal 2013 hat das schwache China-Geschäft die IBM-Geschäftszahlen negativ beeinträchtigt, auch im ersten Quartal 2014 brachen die China-Erlöse bei IBM um 20 Prozent ein. Marktbeobachter und Anleger warten daher gespannt auf die Zahlen des zweiten Quartals, inwieweit IBM den Abwärtstrend in China stoppen konnte.

China setzt auf Hardware lokaler Anbieter
Der Grund für die Misere in China liegt offenbar darin, dass sich immer mehr chinesische Kunden von teurer Hardware von US-Firmen wie IBM, Oracle und EMC abwenden und stattdessen auf kostengünstigere Hardware von Huawei Technology und anderen lokalen Anbietern setzen, so die Nachrichtenagentur Caixin Online. Der NSA-Überwachungsskandal dürfte diesen Trend noch verstärken. Auch gehen chinesische Internetfirmen wie Alibaba dazu über, eigene Datenzentren und Server Racks zu entwickeln, um sich mehr Unabhängigkeit zu verschaffen.

Zwar scheint diese Entwicklung ein schleichender Prozess, der jedoch auf lange Sicht amerikanische IT-Anbieter wie IBM (NYSE: IBM, WKN: 851399) negativ beeinträchtigt, müssen diese langfristig mit sinkenden wiederkehrenden Umsätzen (Service- und Software) rechnen.

Hardware: China gibt grünes Licht für Server-Deal mit Lenovo
Investoren zweifeln daher, ob es IBM gelingen wird, trotz sinkender Einnahmen das Gewinnziel von 18 Dollar je Aktie im laufenden Jahr zu erfüllen. Das Hardware-Geschäft gilt nach wie vor als Knackpunkt bei IBM, schrumpfte das Geschäft im ersten Quartal 2014 um 23 Prozent.

Um sich in diesem Bereich besser aufzustellen, will IBM sein x86 Server Geschäft an die chinesische Lenovo verkaufen. Die chinesischen Regulierungsbehörden haben bereits zugestimmt, das OK der amerikanischen Behörden steht noch aus. Das x86 Server Geschäft könnte aber nicht das einzige Geschäft bleiben, das IBM in diesem Jahr verkaufen wird.

Halbleiterfertigung steht auf den Prüfstand
Wie die USA Today berichtet, soll auch das Geschäft mit der Herstellung von Halbleitern auf dem Prüfstand stehen. IBM könnte dieses Geschäft an einen bestehenden Partner wie GlobalFoundries verkaufen, heißt es.

Überraschend käme ein Verkauf nicht, ist die Chip-Entwicklung sehr kostenintensiv. Gleichzeitig entwickelten sich die IBM-Umsätze aus diesem Geschäft in den letzten Jahren rückläufig. Setzte IBM in diesem Bereich in 2011 noch 2,7 Mrd. Dollar um, schrumpften die Erlöse in 2013 auf 2,03 Mrd. Dollar, weiß IC Insights Analyst Rob Lineback.

Sollte IBM tatsächlich aus dem Geschäft mit der Chipfertigung aussteigen, würde der letzte große Computerspezialist dieser Industrie den Rücken kehren und damit eine neue Ära einläuten.

Kurzportrait

Der New Yorker Computer- und Softwaregigant International Business Machines (IBM) zählt zu den weltweit größten Technologiekonzernen weltweit. Das Unternehmen ist nicht nur der weltweit größte IT-Servicedienstleister, sondern auch einer der führenden Softwarekonzerne weltweit. IBM beschränkt sich dabei nicht nur auf die Entwicklung von Hard- und Software für einfache Computersysteme, sondern bietet daneben auch Netzwerkrechner an.

Insgesamt operiert IBM von fünf Kerngeschäftsbereichen heraus. Die Einheit IBM Global Technology Services (GTS) bildet dabei die größte Einheit. Weitere Einheiten sind die Global Business Services (GBS), sowie das Softwaresegment, Systems and Technology, als auch die Einheit Global Financing.

Über seinen Servicearm (IBM Global Services) bietet IBM eine Reihe von IT-Dienstleistungen an, darunter E-Commerce Dienste, sowie ERP- und CRM-Services. Das Geschäft mit elektronischen Beschaffungssystemen gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich der IT-Serviceeinheit. Diesen Bereich verstärkte der Computerkonzern im Jahr 2002 mit der Übernahme der Serviceeinheit von PricewaterhouseCoopers. Später kaufte IBM die IT-Einheit des Ölkonzerns Schlumberger. In den Jahren 2004 bis 2006 kaufte IBM eine ganze Reihe von Software- und IT-Firmen auf. Auch in 2007 blieb IBM auf Einkaufstour und schluckte die Spezialisten Telelogic AB, Softek Storage Solutions Corp, DataMirror, WatchFire, WegDialogs und das kanadische Softwarehaus Cognos. In 2008 folgten mit AptSoft, FilesX, Infodyne, Platform Solutions, ILOG und Transitive Corporation weitere Übernahmen.

Ende 2010 kaufte IBM mit Clarity Systems, Blade Network Technologies und mit Netezza Corp weiter Firmen hinzu. In 2012 wurde der Softwarespezialist Butterfly Software und der Halbleiterspezialist Texas Memory Systems aufgekauft. In 2013 setzte IBM seine Einkaufstour weiter fort und kaufte neben den Cloud-Spezialisten SoftLayer mit CSL International, Trusteer, Daeja Image Systems und Xtify weitere Unternehmen. In 2014 wurde mit Cognea ein Spezialist für künstliche Intelligenz aufgekauft.

Meldung gespeichert unter: International Business Machines (IBM)

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