HINTERGRUND: Google - Ende der Wachstumsstory?

Donnerstag, 2. Februar 2006 12:02
Google

(IT-Times) Zum ersten Mal seit dem Börsendebüt konnte der US-Suchmachinenmarktführer Google (Nasdaq: GOOG, WKN: A0B7FY) die Erwartungen der Analysten nicht übertreffen. Eine höhere Steuerbelastung sowie ein schwächeres Geschäft in England führte dazu, dass Google letztendlich hinter den hohen Erwartungen zurückblieb.

Trotz der Enttäuschung der Märkte zeigt sich Google-Firmenchef Eric Schmidt zufrieden mit den jüngsten Zahlen. Google werde weiterhin kräftig in neue Technologien und Produkte investieren, so der Firmenchef. Im Hinblick auf das Jahr 2006 kündigte Schmidt weitere Innovationen an. Gleichzeitig will Google auf internationalem Terrain stärker Fuß fassen, nachdem das Auslandsgeschäft bereits im jüngsten Quartal 39 Prozent der gesamten Umsätze trug. Der bislang zweitgrößte Google-Markt, England, steuerte 14 Prozent zu den Gesamterlösen bei - ein Prozent weniger als im Vorquartal.

Eben war Google gerade in China mit einer zensierten Suchmaschine gestartet, wobei das Unternehmen in jüngsten Umfragen deutlich besser wegkam als der Lokalrivale Baidu.com, an dem Google immer noch eine kleine Beteiligung hält. Doch gerade die stärkere internationale Ausrichtung könnte nach Meinung von Marktbeobachtern kurzfristig die Gewinne durch den damit entstehenden Investitionsaufwand belasten.

Gerüchte um Napster-Übernahme

Den Bericht der New York Times, wonach Google Interesse an einer Kooperation bzw. Übernahme des Online-Musikdienstes habe, lies Google zwar dementieren, doch Bear Stearns Analyst Robert Peck rechnet damit, dass Google in den nächsten drei bis sechs Monaten einen eigenen Music Store ala iTunes auf den Markt bringen wird.

Gleichzeitig dürfte der im Spätherbst 2005 gestartete Service Google Base noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Zwar dementiert Google bislang noch, den führenden Auktionsdienst eBay das Wasser abgraben zu wollen, doch langfristig dürfte der Service in der Finalversion wohl in diese Richtung gehen.

Insgesamt wird das Jahr 2006 im Zeichen von Investitionen stehen. So soll die Mehrheit der Investitionsausgaben in die IT-Infrastruktur, wie Server, Netzwerkausrüstung und Datenzentren fließen, heißt es bei Google. Während Investoren zuletzt nervös Google-Aktien über Board warfen, bleiben die meisten Analysten optimistisch. Goldman Sachs Analyst Anthony Noto geht davon aus, dass Google in den nächsten Jahren weiter rasant wachsen wird, wobei der Investmentbanker ein Gewinnwachstum von 20 bis 25 Prozent von 2007 bis 2010 prognostiziert.

Kurzportrait

Die Internet-Suchmaschine Google, gegründet im Jahre 1998 und ansässig im kalifornischen Mountain View, gilt inzwischen als die weltweit meistgenutzte Suchmaschine, wobei das Unternehmen täglich mehr als 200 Mio. Suchanfragen abwickelt.

Google setzt dabei auf einen Algorithmus, der Web-Seiten aufgrund ihrer Popularität an prominenter Stelle listet. Je häufiger andere Web-Seiten auf die entsprechende Seite verlinken, desto höher der Rang in der Ergebnisliste. Google hat seine Suchtechnologie inzwischen an über 100 andere Unternehmen, darunter AOL, lizenziert. Haupteinnahmequelle ist das Werbeprogramm Google AdWords und das Werbenetzwerk Google AdSense. Über Google AdWords können Firmen Schlüsselwörter buchen, die bei der Suchausgabe den Werbetreibenden an prominenter Stelle als Textlink listen. Die Bereitstellungskosten belaufen sich für den Werbetreibenden zunächst auf 5,0 US-Dollar. Die weiteren Kosten legt der Werbetreibende selbst fest, wobei die Rangfolge der Text-Links nach Höchstgebot vergeben werden.

Das Google AdSense-Programm steht Homepage-Betreibern offen, die auf ihren Seiten zielgerichtete Werbung durch Googles AdWords platzieren wollen. Für besonders populäre Web-Seiten, die mehr als 20 Mio. Seitenaufrufe verzeichnen, bietet Google weitergehende Services an.

Neben der Suche nach Web-Seiten, lassen sich über Google News auch aktuellste Nachrichten aus über 10.000 Quellen abfragen. Mit Google Image Search können Nutzer auch nach Grafiken, Bildern und Fotos im Web suchen. Mit Google Print will das Unternehmen künftig auch das Durchsuchen ganzer Bücher ermöglichen. Auch über das Handy soll künftig das Suchen per SMS möglich sein.

Mit Froogle bietet das Unternehmen einen Preisvergleichsservice und eine Produkt-Suche an. Seit Herbst 2004 ist das Unternehmen mit Froogle auch in England aktiv. Mit Google Desktop Search will die Suchmaschine auch den Heim-PC der Nutzer erobern, wobei sich dadurch Dateien auf der Festplatte oder Email-Postfächer durchsuchen lassen.

Mit Gmail ist das Unternehmen mit einem kostenfreien Email-Webservice am Start, der sich über Werbung finanziert. Mit Google Base stieg das Unternehmen im Herbst 2005 in den Markt für Kleinanzeigen ein.

Nach der Übernahme des Web-Dienstes Blogger hat sich Google zuletzt auch an Chinas größter Internet-Suchmaschine Baidu.com beteiligt. Anfang 2006 schloss Google die Übernahme des Radio-Marketingspezialisten dMarc Broadcasting ab. Ferner beteiligte sich Google mit einer Mrd. Dollar mit fünf Prozent an AOL. Die beiden Unternehmensgründer Sergey Brin und Larry Page halten jeweils 16 Prozent der Anteile an Google.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Google einen Umsatzanstieg auf 1,92 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 86 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Abzüglich Kommissionen, welche an Werbepartner ausgeschüttet wurden, ergibt sich ein Nettoumsatz von 1,29 Mrd. Dollar, womit Google die Erwartungen der Analysten erfüllen konnte.

Der Gewinn schnellte auf 372,2 Mio. Dollar oder 1,22 Dollar je Aktie nach oben, was einem Zuwachs von 82 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Abzüglich Kosten im Zusammenhang mit Aktienkompensationen ergibt sich ein operativer Gewinn von 1,54 Dollar je Aktie, womit Google die Gewinnerwartungen deutlich verfehlte. An der Wall Street hatte man insgesamt mit Einnahmen von 1,29 Mrd. Dollar, aber mit einem Nettogewinn von 1,76 Dollar je Aktie kalkuliert.

Wie Google weiter mitteilt, summierte sich die Steuerlast im jüngsten Quartal auf 42 Prozent, nachdem die Gewinne in den beiden Vorquartalen nur mit 30 Prozent besteuert wurden. Im Jahr 2006 rechnet Google wieder mit einer Steuerrate von 30 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Suchmaschinen

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