Hewlett-Packard schockt die Wall Street mit Bilanzskandal

PC- und Druckerhersteller in der Krise

Freitag, 23. November 2012 14:24
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) - Der weltgrößte Druckerhersteller Hewlett-Packard (NYSE: HPQ, WKN: 851301) steckt weiter tief in der Krise. Nachdem EDS-Zukauf entpuppt sich auch die milliardenschwere Übernahme von Autonomy als Milliardengrab.

Nach Unregelmäßigkeiten in der Bilanz des britischen Softwareherstellers muss HP auch auf Autonomy 8,8 Mrd. US-Dollar abschreiben. Analysten und Marktbeobachter sehen bereits den Turnaround des Unternehmens gefährdet. HP-Chefin Meg Whitman steht nicht nur wegen Autonomy unter Druck, sondern auch wegen der strategischen Ausrichtung des Konzerns.

Analysten fordern Aufspaltung des Konzerns
HP musste im jüngsten Quartal in jede Division einen Umsatzrückgang melden. Zwar versucht sich HP als Software- und Cloud Computing Provider ins Szene zu setzen, bislang aber mit mäßigem Erfolg. Durch den jüngsten Bilanzskandal dürfte das Vertrauen der Kunden eher noch schwinden, fürchten Marktbeobachter.

Analysten wie aus dem Hause UBS fordern bereits eine Aufspaltung des Konzerns in zwei separate Unternehmen. HP sollte das Druckergeschäft von der PC-Sparte trennen, so die Forderung von UBS-Analysten Steven Milunovich und Peter Christiansen.

Kein Smartphone aus dem Hause HP in 2013
Viel schwerwiegender als der Bilanzskandal dürften die Probleme von HP im Bereich Mobile Computing sein. Im Tablet PC Markt ist HP im ersten Anlauf mit seinen webOS-basierten Produkten grandios gescheitert. Mit seinem neuen Windows 8-basierten ElitePad für die Geschäftswelt, dass im Januar 2013 auf den Markt kommen soll, hofft HP auf eine Trendwende.

Ein Smartphone aus dem Hause HP wird es auch in 2013 nicht geben, wie der Branchendienst Business Insider mit Verweis auf Meg Whitman berichtet. Man habe keinen Zeitdruck, in den Markt wieder einzusteigen, so die HP-Managerin.

Analysten sehen dies jedoch anders. Nachdem sich HP mit der Übernahme von Palm in 2010 einen weiteren Milliardenflop geleistet hatte, schwinden auch die Chancen von HP im Smartphone-Markt nochmals Fuß fassen zu können, glauben Analysten. Der Grund: Längst haben Samsung und Apple den lukrativen Smartphone-Markt unter sich aufgeteilt.

Drohen weitere Milliardenabschreibungen?
Analysten wie Sterne Agee Analyst Shaw Wu sehen HP bereits in einer aussichtslosen Situation. Im Zusammenhang mit dem jüngsten Bilanzskandal und der aktuellen Bilanzverfassung des Unternehmens sieht Wu sogar einen negativen Buchwert von -2,0 US-Dollar bei HP-Aktien.

Der Analyst verweist gegenüber dem Business Insider auf den Goodwill in Höhe von 36 Mrd. Dollar in der HP-Bilanz, Werte, die HP möglicherweise ebenfalls noch abschreiben muss.

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für den späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks/Ultrabooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. In 2010 schloss HP die Übernahme von 3Com. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight. Mitte 2011 gab HP die Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy für über zehn Mrd. Dollar bekannt. Ende 2011 übernahm HP die Hiflex Software GmbH.

Zahlen

Für das vergangene dritte Quartal 2012 meldete Hewlett-Packard auch gleich seine Zahlen für das vergangene vierte Fiskalquartal 2012 vor. Dabei meldet HP einen Umsatzrückgang um 6,7 Prozent auf 29,96 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 32,12 Mrd. Dollar im Jahr vorher. In diesem Zusammenhang verbuchte HP einen Nettoverlust von 6,85 Mrd. Dollar oder 3,49 Dollar je Aktie, nach einem Nettogewinn von 239 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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