Hewlett-Packard schockt die Hightech-Branche - neigt sich die PC-Ära dem Ende?

Mittwoch, 18. Mai 2011 14:01
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(IT-Times) - Die Aktien des weltgrößten PC- und Druckerherstellers Hewlett-Packard (NYSE: HPQ, WKN: 851301) verloren zuletzt mehr als sieben Prozent an Wert an der New Yorker Börse, nachdem das Unternehmen vor einem schwierigen Quartal warnte und seinen Umsatz- und Gewinnausblick nach unten korrigieren musste.

Zwar war HP auch im ersten Quartal 2011 der Marktführer im PC-Segment, jedoch musste das Unternehmen im Kerngeschäft mit PCs einen Umsatzrückgang von fünf Prozent hinnehmen. Marktforscher aus dem Hause IDC haben herausgefunden, dass der weltweite PC-Markt im ersten Quartal 2011 um 3,2 Prozent geschrumpft ist. Die Industrieanalysten führen den Rückgang auf die steigende Popularität von Tablet PCs zurück.

Tablet PCs immer gefragter - Netbooks haben das Nachsehen
Schon geht die Angst um, dass Tablet PCs eines Tages traditionelle PCs ersetzen werden - zumindest im Netbook- bzw. Notebook-Bereich könnte dies zutreffen. ViewSonic Europa Manager Alan Chang glaubt, dass im laufenden Jahr 2011 Tablet PCs 70 Prozent aller Netbook-Verkäufe ersetzen werden.

Erste große Einzelhändler wie Carphone Warehouse wollen Netbooks im dritten Quartal 2011 sogar komplett aus den Regalen verbannen und stattdessen vermehrt auf Tablets setzen. Diverse Marktforscher gehen davon aus, dass im laufenden Jahr bis zu 55 Millionen Tablet PCs über die Ladentheke gehen werden, was einem Zuwachs von 180 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde.

Dell-Manager: Tablet PCs werden Desktop-Rechner nicht ersetzen
Steve Felice, Manager und Präsident beim HP-Konkurrenten Dell, hält die Befürchtungen jedoch weit übertrieben. Gegenüber CNBC wies Felice darauf hin, dass Schätzungen davon ausgehen, dass rund zwei Milliarden PCs im nächsten Jahrzehnt verkauft werden, im Vergleich zu ein paar zehn Millionen Tablets, die in den vergangenen Quartalen über die Ladentheke gingen.

Felice glaubt, dass Tablet PCs den Rechner am Arbeitsplatz auf lange Sicht nicht ersetzen werden. Während Tablet PCs vor allem dazu verwendet werden, um Inhalte abzurufen und Content anzuzeigen, werden Desktop-Geräte vornehmlich zur Produktion von Inhalten eingesetzt, merkt Felice an.

Erste Tablets lassen sich als Desktop einsetzen
Auf den ersten Blick hat der Dell-Manager recht, jedoch können auch die besten Experten heute noch nicht sicher abschätzen, wie sich der Markt in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Erste Geräte wie der Eee Pad Transformer können auch als Desktop-Gerät eingesetzt werden und somit durchaus dem Desktop-Rechner Paroli bieten.

Sicher scheint, dass auch in den nächsten Jahren immer mehr Konsumenten zu kostengünstigeren Tablet PCs greifen werden, was die großen Hersteller unter Druck setzt, wollen sie keine Marktanteile verlieren. HP und Dell müssen sich also frühzeitig mit innovativen Produkten im Markt positionieren, wollen sie nicht dauerhaft Apple & Co das Feld überlassen…

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2003 folgte die Übernahme der schwedischen PipeBeach sowie Geschäftsbereiche der englischen Baltimore Technologies. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. Im Spätherbst 2009 gab HP zudem ein Übernahmeangebot für den Netzwerkspezialisten 3Com ab - die Übernahme wurde im April 2010 abgeschlossen. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight.

Zahlen

Für das vergangene Aprilquartal meldet HP einen Umsatzanstieg um 2,5 Prozent auf 31,63 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn legte auf 2,3 Mrd. US-Dollar oder 1,05 Dollar je Aktie zu, nach einem Profit von 2,2 Mrd. Dollar oder 91 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte HP einen Nettogewinn von 1,24 Dollar je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld nur mit einem Plus von 1,21 Dollar je Anteil gerechnet hatten.

Das Kerngeschäft rund um PCs (Personal Systems Group) schrumpfe um fünf Prozent, während das Geschäft mit Druckern und Zubehör um fünf Prozent anstieg. Das Geschäft mit IT-Services legte um zwei Prozent zu, während das Server-, Speicher- und Netzwerkgeschäft um 15 Prozent wuchs. Das HP Softwaregeschäft wuchs um 17 Prozent, während das HP Financial Services um ebenfalls um 17 Prozent zulegte.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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