Hewlett-Packard muss von Apple lernen - PC-Branche im Umbruch

Freitag, 2. März 2012 12:49
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(IT-Times) - Für das vergangene erste Fiskalquartal meldete Hewlett-Packard (HP) enttäuschende Zahlen, wodurch HP-Aktien prompt um sieben Prozent in die Tiefe stürzten. Die neue HP-Chefin Meg Whitman steht vor gewaltigen Aufgaben, um den Technologiekonzern wieder in die richtige Spur zu bringen.

Dies wird vor allem Zeit beanspruchen, stellte die neue HP-Lenkerin im Rahmen des jüngsten Conference Calls mit Investoren klar. Einen echten Turnaround sieht die Managerin frühestens im Fiskaljahr 2013 - Zeit die HP im Grunde genommen nicht hat.

Die PC-Branche befindet sich im Umbruch. Die Zeiten, als sich Firmen- und Privatkunden im großen Stil noch globige Desktop-Rechner auf den Tisch stellten, scheinen sich dem Ende zu neigen. Der Trend geht ganz klar Richtung Tablet PCs, Notebooks und Ultrabooks.

HP will mit Windows Tablets punkten
Während HP im Tablet PC aufgrund des Flops mit seinem HP TouchPad de facto nicht präsent ist, versucht HP (NYSE: HPQ, WKN: 851301) nunmehr zumindest auf der Windows-Schiene zu punkten. So ist das Unternehmen seit Herbst 2011 mit seinem 8,9-Zoll großen Tablet HP Slate 2 (Intel Atom Z670) mit einem Windows 7-basierten Tablet am Start. Noch im laufenden Jahr soll ein Windows 8-basierter Tablet von HP auf den Markt kommen, heißt es aus dem Unternehmen.

Nachdem HP jüngst seine beiden neuen Ultrabooks (Envy 14 und Envy 15 Spectre) vorstellte, kommen diese nunmehr auch in Taiwan auf den Markt, so der Branchendienst DigiTimes. Im Februar stellte HP zudem mit dem HP Folio 13 seinen ersten Business Ultrabook vor. Damit ist das Unternehmen zumindest im Ultrabook-Markt gut aufgestellt, einem Markt der in diesem Jahr bereits 29 Millionen Einheiten erreichen soll (Quelle: IHS iSuppli).

HP verliert Marktanteile im Server-Markt
Doch nicht nur der Mobile Computing Bereich ist eine große Baustelle bei HP. Auch im Server-Bereich verlor das Unternehmen zuletzt scheinbar Marktanteile. Während der Konkurrent Dell im vierten Quartal 2011 weiter aufholen konnte, mussten sowohl IBM und vor allem HP Federn lassen, wie aus einer aktuellen Marktstudie aus dem Hause Gartner hervorgeht.

Zwar sank der Marktanteil des Marktführers IBM im vierten Quartal 2011 von 35,4 auf 33,7 Prozent, doch HP konnte davon nicht profitieren. Vielmehr verlor HP noch stärker und musste sich mit einem Marktanteil von 26,9 Prozent im Server-Markt zufrieden geben, nach 30,3 Prozent im Vorjahr. Der HP-Umsatz im Server-Bereich brach um 16 Prozent ein.

Raymond James Experte Brian Alexander führt die sinkenden Marktanteile nicht nur allein auf die Überschwemmungen in Thailand zurück, dabei spiele auch das Management eine Rolle, wo HP dieses Mal keinen guten Job gemacht hat, glaubt der Analyst. Damit gibt es für die neue Chefin bei HP noch viel tun.

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. Im Spätherbst 2009 gab HP zudem ein Übernahmeangebot für den Netzwerkspezialisten 3Com ab - die Übernahme wurde im April 2010 abgeschlossen. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight. Mitte 2011 gab HP die Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy für über zehn Mrd. Dollar bekannt.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2012 meldet HP einen Umsatzrückgang um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 30 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 32,3 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Der Nettogewinn brach dabei um 44 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar oder 73 US-Cent je Aktie ein, nach einem Profit von 3,0 Mrd. Dollar oder 1,17 Dollar je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Einmalfaktoren und Sonderbelastungen verdiente HP im jüngsten Quartal 92 US-Cent je Aktie. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettogewinn von 87 US-Cent je Aktie und mit Einnahmen von 30,71 Mrd. Dollar gerechnet.

Die Umsätze waren in nahezu allen geografischen Regionen rückläufig. Im Kerngeschäft mit dem Verkauf von PCs (Personal Systems Group) gingen die Umsätze um 15 Prozent auf 8,9 Mrd. Dollar zurück, nachdem HP insgesamt 18 Prozent weniger Geräte verkaufen konnte. Im Druckergeschäft (Imaging and Printing Group) schrumpften die Erlöse um sieben Prozent auf 6,3 Mrd. Dollar. Das Server- und Datenspeichergeschäft ging um zehn Prozent auf 5,0 Mr. Dollar zurück, während das Servicegeschäft um ein Prozent auf 8,6 Mrd. Dollar anzog. Die HP-Softwaresparte verzeichnete einen Zuwachs von 30 Prozent auf 946 Mio. Dollar. Das Geschäft mit Servern, Speichern und Netzwerkprodukte schrumpfte um zehn Prozent auf 5,0 Mrd. Dollar. Insgesamt konnte HP einen positiven Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit von 1,47 Mrd. Dollar generieren, ein Rückgang von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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