Hewlett-Packard muss sich neu erfinden - Investitionen in die Zukunft im Vordergrund

Mittwoch, 23. November 2011 12:56
Hewlett Packard (HP)

(IT-Times) - Nachdem mit Meg Whitman eine neue Chefin das Ruder beim weltgrößten PC- und Druckerhersteller Hewlett-Packard übernommen hat, beginnen nunmehr die Aufräumarbeiten. Das Unternehmen will zwar an seiner PC-Sparte festhalten, eine klare Strategie, wie man im schnell wachsenden Tablet PC Markt Fuß fassen kann, hat das neue Management jedoch noch nicht parat.

TouchPad erobert unerwartet Platz zwei im Tablet PC Markt
Eigentlich wollte sich HP schon aus dem Tablet PC Markt zurückziehen und den webOS-basierten TouchPad Tablet PC einstellen. Nachdem sich HP jedoch entschied, restliche Bestände für 99 US-Dollar zu verkaufen, ist die Nachfrage sprunghaft angestiegen.

Laut den Marktforschern aus dem Hause NPD Group gingen zuletzt 1,2 Millionen TouchPads über die Ladentheke, wodurch sich HP (NYSE: HPQ, WKN: 851301) im August einen Marktanteil von 17 Prozent im US Tablet PC Markt sicherte. Nur der iPad vom Apple verkaufte sich noch besser als der TouchPad, so die NPD-Marktforscher.

Bislang steht noch nicht genau fest, was mit der webOS-Sparte geschehen soll. Anfang November wurden Berichte laut, wonach HP die webOS-Sparte verkaufen will, um einen Teil der 1,2 Mrd. Dollar Investitionen wieder hereinzuholen, die HP im Vorjahr für den Zukauf ausgab.

HP läuft die Zeit davon - klare Strategie gefragt
HP benötigt nunmehr eine klare Strategie und schnelle Entscheidungen, wie es mit der PC-Sparte weitergehen soll. Die Zeit drängt, denn Apple holt im PC-Markt immer mehr auf, zählt man Tablets als PC-Geräte dazu.

Laut den Marktforschern aus dem Hause Canalys sicherte sich Apple zuletzt mit seinem iPad bereits einen Marktanteil von 15 Prozent, während HP zuletzt auf 16 Prozent. Schon im nächsten Jahr könnte Apple an HP vorbeiziehen und den einstiegen Marktführer vom Thron stoßen, glauben Marktforscher.

Um den Niedergang aufzuhalten, will HP verstärkt investieren und mehr Konsistenz zeigen. Allein auf das Softwaregeschäft will sich HP nach der milliardenschweren Übernahme von Autonomy aber nicht stützen, ließ die neue HP-Lenkerin Meg Whitman durchblicken.

Kurzportrait

Die im Jahre 1939 gegründete Hewlett-Packard, benannt nach den Gründern Dave Packard und Bill Hewlett, gelang vor allem in den modernen 80er Jahren der Aufstieg zu einem weltweit bedeutenden Technologiekonzern. Bereits 1966 schaffte das Unternehmen mit der Gründung seiner Forschungs- und Entwicklungsabteilung HP Laboratories die Grundlage für seinen späteren Erfolg. Die HP LaserJet Druckerproduktreihe, welche im Jahre 1984 aus der Taufe gehoben wurde, begründete dann schließlich den endgültigen Durchbruch der Firma. Das Jahr 2002 stellte mit der Übernahme von Compaq Computer für knapp 19 Mrd. US-Dollar einen weiteren wichtigen Meilenstein in der Unternehmensgeschichte der Firma dar.

Heute entwickelt das Unternehmen nicht nur Drucker, sondern auch Software, Computer und andere Hardware, wie Speicher- sowie Windows- und Unix-basierte Serversysteme. Aber auch Netbooks, Scanner, Fax-Geräte, Digitalkameras und Kopiergeräte ergänzen das Hardwareangebot. Insgesamt operiert HP heute aus sieben Kerngeschäftsbereichen heraus: Enterprise Storage and Servers (ESS), HP Services (HPS), Personal Systems Group (PSG), Imaging and Printing Group (PG), HP Financial Services (HPFS) und HP Software sowie Corporate Investments.

Das Hardwaregeschäft trug zuletzt den Großteil der gesamten Umsätze der Gesellschaft, wobei das Servicegeschäft inzwischen etwa ein Drittel des Gesamtumsatzes trägt. Zu den Kunden, welche HP-Services in Anspruch nehmen zählen neben Microsoft, auch SAP und Ariba. Zuletzt wuchs HP nicht zuletzt durch Zukäufe. Allein in den letzten Jahren wurden mehr als ein Dutzend Firmen übernommen.

Neben der Übernahme von Compaq kaufte HP den Druckerspezialisten Indigo, welcher den Bereich Offset-Druck und digitale Druckprozesse für industrielle Großkunden ergänzen soll. Im Jahr 2004 schluckte HP die Softwarefirmen Novadigm und Consera Software, sowie die ThyssenKrupp-Tochter Triaton. Später folgten die Zukäufe des englischen IT-Spezialisten Synstar, sowie die Übernahme von ApplQ, RLX Technologies, Peregrine Systems und Scitex Vision. Mitte 2006 kaufte HP die Schweizer Silverwire Holdings AG, sowie den Softwarespezialisten Mercury Interactive. Anschließend folgten weitere Zukäufe. So wurden die Software- und IT-Spezialisten Knightsbridge Solutions, Bitphone Corporation, Bristol Technologies, der Thin-Client-Spezialist Neoware und der US-Softwareanbieter Opsware übernommen. Anfang 2008 setzte HP seine Einkaufstour fort und schluckte neben den Softwarespezialisten Tower Software und LeftHand, auch gleich den weltweit zweitgrößten IT-Servicespezialisten Electronic Data Systems (EDS) für knapp 13,2 Mrd. Dollar. Im Spätherbst 2009 gab HP zudem ein Übernahmeangebot für den Netzwerkspezialisten 3Com ab - die Übernahme wurde im April 2010 abgeschlossen. Im April 2010 kaufte HP den PDA-Pionier Palm. Zudem wurden mit Motionbox, Fortify Software und Stratavia weitere Unternehmen in 2010 übernommen. Nachdem im Herbst der Speicherspezialist 3PAR übernommen wurde, kaufte HP im Oktober den Sicherheitssoftwareanbieter ArcSight. Mitte 2011 gab HP die Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy für über zehn Mrd. Dollar bekannt.

Zahlen

Der Umsatz von HP ging im vergangenen Oktoberquartal um drei Prozent auf 32,12 Mrd. US-Dollar zurück. Der Nettogewinn brach dabei um 91 Prozent auf 239 Mio. US-Dollar oder 12 US-Cent je Aktie ein, nach einem Profit von 2,54 Mrd. Dollar oder 1,10 Dollar je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte HP (NYSE: HPQ, WKN: 851301) einen Nettogewinn von 1,17 Dollar je Aktie realisieren und damit zunächst die Analystenerwartungen übertreffen, die im Vorfeld mit Einnahmen von 32,05 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,13 Dollar je Aktie gerechnet hatten.

Der Gewinneinbruch ist vor allem auf die Entscheidung von HP zurückzuführen, dass Tablet- und Smartphone-Geschäft abzuwickeln. Weitere Abschreibungen und Akquisitionskosten führten zu Belastungen von 3,3 Mrd. Dollar im jüngsten Quartal. Allein die Schließung des webOS Geschäfts verursachte Kosten in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Hewlett Packard (HP)

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