Garmin: Preiskampf hinterlässt erste Bremsspuren

Donnerstag, 21. Februar 2008 12:59
Garmin

(IT-Times) Zwar konnte der amerikanische GPS-Marktführer Garmin (Nasdaq: GRMN, WKN: 577963) das Jahr 2007 mit Rekordzahlen abschließen, Äußerungen von Garmin-Finanzchef Kevin Rauckman sorgten allerdings anschließend für kräftige Kursverluste bei Garmin-Papiere.

Im Rahmen der Quartalspressekonferenz äußerte sich Rauckman dahingehend, dass insbesondere die Preise im Automotive-Segment aufgrund der vorherrschenden Konkurrenzsituation weiter unter Druck bleiben werden. Garmin Chief Operating Officer (COO) Clifton Pemble legte nochmals nach und erklärte, dass das Jahr 2008 weitere Herausforderungen durch den zunehmenden Wettbewerb mit sich bringen werde.

Marktteilnehmer fürchten nunmehr, dass sich der Preiskampf mit dem Rivalen TomTom verstärkt auch im neuen Jahr weiter fortsetzen wird. TomTom hat ebenfalls Zahlen vorgelegt und konnte dabei seine Marktanteilsgewinne allerdings nur zu Lasten deutlich niedriger Preise realisieren. TomTom nahm hierfür geringere Gewinnmargen in Kauf. Durch die Übernahme von TeleAtlas werden TomTom Vorteile eingeräumt, kann das niederländische Unternehmen hierdurch mittel- bis langfristig Synergieeffekte heben und seine Produkte dadurch deutlich günstiger in den Markt drücken.

Garmin kündigt weitere Zukäufe an
Die Niederlage im Kampf um TeleAtlas ist für Garmin aber nur auf den ersten Blick schmerzhaft. Zum einen musste TomTom für TeleAtlas erheblich tiefer in die Tasche greifen als zunächst erwartet, zum anderen will auch Garmin Übernahmemöglichkeiten wahrnehmen, nachdem sich das Unternehmen zunächst verschiedene Garmin-Händler in Europa einverleibt hatte.

Helfen könnte dem Unternehmen dabei Facet Technology, ein Anbieter der in den letzten Jahren still und heimlich eine Datenbank an Straßendaten und Navigationsinformationen in den USA aufgebaut hat. Facet-Daten kommen unter anderem bei der Microsoft-Anwendung Virtual Earth zum Einsatz.

Seit November ist die im Jahre 1998 gegründete Facet offiziell im Geschäft mit US-Straßenkarten aktiv, wobei das Unternehmen demnächst auch nach Kanada und Europa expandieren will. Durch die Übernahme von Facet könnte sich Garmin eine eigene Straßenkarten-Datenbank aufbauen und sich nachdem Auslaufen des Abkommens mit Navteq im Jahr 2015 Kostenvorteile und vor allem eine gewisse Unabhängigkeit sichern.

Einstieg in den Mobilfunkmarkt
Zudem hat Garmin noch ein weiteres Eisen im Feuer. Anfang Februar präsentierte Garmin mit dem nüvifone ein GPS-Handy, welches im dritten Quartal 2008 auf den Markt kommen soll. Das nüvifone begründet nicht nur den Markteinstieg des Unternehmens in den Mobilfunkmarkt, es ist auch eines der ersten 3.5G-Handys. Ob das neue Garmin-Handy als Trendsetter ankommt, wird sich allerdings erst im diesjährigen Weihnachtsgeschäft zeigen.

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Neben dem nüvifone will Garmin demnächst weitere Location-basierte Produkte auf den Markt bringen, womit sich das Unternehmen noch breiter im Markt aufstellt. Dies könnte langfristig der entscheidende Wettbewerbsvorteil sein, der letztendlich über Erfolg oder Niederlage im heiß umkämpften GPS-Markt entscheidet…

Kurzportrait

Die im Jahre 2000 gegründete Garmin Ltd, ansässig in George Town/Cayman Islands, ist ein führender Anbieter von Navigationssystemen auf Basis von GPS-Technologie (Global Positioning Systems). Garmin bietet jedoch längst nicht mehr nur Produkte für die Marine und Luftfahrttechnik an, sondern auch für den Privatverbraucher. Darüber hinaus finden die Navigationssysteme der Gesellschaft auch immer mehr Einzug in die Automobilindustrie.

Garmins Geschäftsstruktur besteht aus vier Kerngeschäftsbereiche: Automotive, Marine, Outdoor und Aviation. Nach der Übernahme von UPS Aviation Technologies im August 2003 vermarktet Garmin die übernommene Technik unter dem Dach von Garmin AT. Ende 2005 verstärkte sich Garmin durch die Übernahme des Softwarespezialisten MotionBased Technologies LLC. Ende 2006 kaufte Garmin den kanadischen Spezialisten Dynastream Innovations, nachdem zuvor bereits die Spezialisten Digital Cyclone und Nautamatic Marine Systems übernommen wurden. Anfang 2007 folgte die Übernahme des französischen GPS-Vertriebshändler EME Tec Sat SAS. Später kaufte man sowohl den deutschen Vertriebspartner GPS GmbH, als auch den spanischen GPS-Händler Electronica Trepat SA, den italienischen Vertriebspartner Synergy und den dänischen Garmin-Händler Fairpoint Navigation AS.

Die Produktpalette für Verbraucher umfasst unter anderem Handheld-Navigationssysteme und PDA-Geräte. So stellte das Unternehmen Mitte 2003 mit dem PDA iQue 3600 den ersten GPS-basierten Handheld-Computer vor. Mit der StreetPilot- und Nüvi-Produktreihe stellte Garmin neue portable Navigationssysteme für die Automobilindustrie vor. Die Systeme verfügen über einen hoch auflösenden Tochscreen und über einen Routen-Planer. Mit dem Forerunner hat Garmin einen Trainingsassistenten für Freizeitsportler und Marathonläufer im Programm.

Der Geschäftsbereich Aviation entwickelt spezielle Navigationssysteme für die Luftfahrtindustrie. Im Jahr 2003 entschied sich der Flugzeughersteller Cessna für Garmins G-1000 als Standard-Ausrüstung für seine neuen Flugzeugmodelle. Daneben setzen auch der Flugzeugspezialist New Piper als auch der Boothersteller Ranger auf Navigationsprodukte aus dem Hause Garmin. Produkte für den Privatverbraucher vertreibt Garmin unter anderem über die Einzelhändler Bass Pro Shops, Best Buy und Wal Mart.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal berichtet Garmin von einem Umsatzsprung auf 1,22 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 611,2 Mio. Dollar im Jahr vorher. Der Gewinn zog im jüngsten Quartal um 70 Prozent auf 307,3 Mio. Dollar oder 1,39 Dollar je Aktie an, nach einem Plus von 180,3 Mio. Dollar oder 82 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Meldung gespeichert unter: Global Positioning System (GPS)

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