First Solar unter Druck - Europa dreht den Subventionshahn zu

Donnerstag, 5. Mai 2011 13:02
First Solar

(IT-Times) - Zwar konnte Amerikas größter Solarkonzern First Solar im jüngsten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten spürbar übertreffen, dennoch gaben die Papiere zuletzt deutlich nach. Investoren und Marktteilnehmer trennten sich am Vortag im großen Stil von den Papieren, so das First Solar mit einem Minus von 6,2 Prozent aus dem Handel gingen.

Hintergrund sind Unsicherheiten über die weitere Entwicklung des Solarmarktes in Europa. Auch bei First Solar warnte man vor einem schwierigen Jahr. Der amerikanische Dünnschichtspezialist (Nasdaq: FSLR, WKN: A0LEKM) sieht sich wie andere Solarfirmen auch einem fundamentalen Problem gegenüber. Der Attraktivität des europäischen Solarmarktes sinkt rapide, nachdem insbesondere Italien und andere Schlüsselstaaten den Subventionshahn zudrehen wollen.

Italien begrenzt Subventionen für Solarstrom
Inzwischen ist durchgesickert, dass Italien die Subventionen für Solarstrom ab Juni 2011 bis Ende 2011 auf 300 Mio. Euros begrenzen will. Für das erste Halbjahr 2012 sollen die Subventionen auf 150 Mio. Euro begrenzt werden, während im zweiten Halbjahr 2012 nur noch 130 Mio. Euro für die Förderung von Solaranlagen in Italien bereitgestellt werden sollen, wie Reuters meldet. Der neue Gesetzentwurf sorgt für Unsicherheit, sollen bereits geplante Vorhaben und Investitionen nicht geschützt sein.

Die Unsicherheiten dürfte zu Projektverzögerungen führen, was letztendlich zu steigenden Lagerbeständen bei den Solarherstellern führen dürfte. Die Schwäche im europäischen Solargeschäft könnte letztendlich dazu führen, dass Hersteller ihre Preise deutlich senken müssen, um die steigenden Lagerbestände abzubauen.

Italien der zweitwichtigste Markt für First Solar
Wunderlich Securities Analyst Theodore O`Neill äußerte zuletzt Zweifel daran, ob es First Solar gelingen wird, die schwindende Nachfrage in Europa durch mehr Verkäufe in Schwellenländern auszugleichen. Zwar boomt der Solarmarkt in Indien, allerdings ist Italien nach wie vor der zweitwichtigste Markt für First Solar.

Zudem verweist O`Neill darauf, dass First Solars Dünnschichtmodule weniger effizient sind, als traditionelle Silizium-basierte Module. Im jüngsten Quartal konnte First Solar den Wirkungsgrad seiner Module zwar im Schnitt auf 11,7 Prozent steigern, dennoch liegt das Unternehmen noch deutlich hinter dem Wirkungsgrad von Silizium-basierten Modulen zurück. Analysten und Marktbeobachter sehen für die Dünnschichttechnik daher nur wenig Chancen im Dachanlagen-Bereich.

First Solar hofft auf Schwellenländer
First Solar bleibt daher nur die Flucht nach vorn. Das Unternehmen muss schleunigst neue Märkte erschließen, um die Abhängigkeit vom europäischen Solarmarkt zu verringern. Erste positive Ansätze gibt es schon. Neben dem indischen Markt, hat First Solar auch schon erste Schritte in Australien und China getan. Allein in Indien sieht First Solar in diesem Jahr Möglichkeiten, Solarmodule mit einer Leistung von 100 Megawatt auszuliefern, nachdem die Amerikaner im Vorjahr hier erst Module mit einer Kapazität von zehn Megawatt verkaufen konnten...

Kurzportrait

Die in Tempe/Arizona ansässige First Solar wurde im Jahre 1999 gegründet und gilt als einer der führenden Solarkonzerne in Amerika. Das Unternehmen hat sich auf die Produktion von Solarmodulen auf Basis der Dünnschichttechnologie spezialisiert und gilt in diesem Bereich als einer der weltweit führenden Anbieter.

Schon im Jahr 2002 nahm First Solar die Produktion von Solarmodulen auf Basis von Cadmium Telluride (CdTe) auf. First Solar hat sich bewusst für den Einsatz von CdTe entschieden, da CdTe ein Halbleiter mit direkter Bandlücke ist und somit in der Lage ist, Sonnenenergie effizienter in elektrische Energie zu wandeln. Darüber hinaus lassen sich durch den Einsatz von CdTe einfache Zellstrukturen und Prozesse auch Produktionskosten minimieren. So verfügt First Solar seit 2008 über die niedrigsten Kosten pro Watt in der Photovoltaik-Industrie. Zudem hat First Solar die Produktionskosten pro Watt unter die magische Marke von einem US-Dollar gedrückt. Zudem ist CdTe für die Produktion aufgrund der hohen Verfügbarkeit reichlich vorhanden, so dass das Material auch in der Massenproduktion zum Einsatz kommen kann.

First Solar hat mit zwölf Projektentwicklern in Europa langfristige Lieferverträge abgeschlossen. So wird der Großteil der Solarmodule in Ausland exportiert. Großabnehmer sitzen dabei vornehmlich in Deutschland. Zu den wichtigsten Kunden von First Solar zählen daher auch deutsche Unternehmen wie Blitzstorm, Pfalzsolar, Colexon Energy, Conergy, Gehrlicher Umweltschonende Energiesysteme, Juwi Solar und Phoenix Solar.

Ende 2007 verstärkte sich First Solar durch die Übernahme des US-Solarspezialisten Turner Renewable Energy LLC. Das Unternehmen entwickelt Solarprojekte im Auftrag für Kunden in den USA. Nach der Übernahme durch First Solar tritt das Unternehmen unter dem Namen First Solar Electric LLC auf. Anfang 2009 übernahm First Solar zudem ein 550-Megawatt Solarprojekt von OptiSolar und Edison Mission Group. Darüber hinaus will First Solar gemeinsam mit EDF Energies Nouvelles die größte Solarfabrik Frankreichs bauen. Im Frühjahr 2010 übernahm First Solar den US-Solarprojektierer NextLight Renewable Power für rund 285 Mio. Dollar.

Durch den Bau neuer Fertigungsanlagen in den USA, Europa (Frankfurt/Oder) und Asien (Malaysia) hat First Solar seine Produktionskapazitäten zuletzt stetig ausgebaut und seine Produktionskosten auf 75 Cent pro Watt drücken können.

Zahlen

First Solar setzte im vergangenen ersten Quartal 2011 rund 567,3 Mio. US-Dollar um. Nettogewinn schrumpfte um etwa ein Drittel auf 116 Mio. US-Dollar oder 1,33 Dollar je Aktie, nach einem Profit von 172,3 Mio. Dollar oder 2,00 Dollar je Aktie in der Vorjahresperiode.

Trotz des Gewinnrückgangs konnte First Solar die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld mit Einnahmen von 554,6 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 1,16 Dollar je Aktie gerechnet hatten.

Wehrmutstropfen waren im jüngsten Quartal vor allem die stark gestiegenen operativen Kosten. Diese zogen um 43 Prozent auf 130,3 Mio. US-Dollar an. Insgesamt bekräftigte First Solar nochmals seinen Ausblick für das laufende Jahr 2011, wonach das Unternehmen einen Jahresumsatz von 3,7 bis 3,8 Mrd. Dollar sowie einen Nettogewinn von 9,25 bis 9,75 Dollar je Aktie erwartet. Der operative Cashflow soll sich dabei zwischen 0,8 und 1,0 Mrd. US-Dollar bewegen, die Kapitalausgaben sieht das Unternehmen bei 1,0 bis 1,1 Mrd. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Dünnschicht-Solarmodule (Thin-Film)

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