Electronic Arts bleibt weiter in der Defensive

Mittwoch, 10. Februar 2010 12:58
Electronic Arts

(IT-Times) - Amerikas zweitgrößter PC- und Videospielentwickler Electronic Arts (Nasdaq: ERTS, WKN: 878372) bleibt weiter unter Druck. Auch im vergangenen dritten Fiskalquartal 2010 musste das Unternehmen einen Umsatzrückgang hinnehmen. Wiederholt musste das Unternehmen seinen Ausblick für das laufende Fiskaljahr nach unten korrigieren. Investoren zeigten sich enttäuscht und schickten EA-Aktien mit einem Kursminus von knapp neun Prozent in den Keller.

Ursächlich für die Misere ist unter anderem die Schwäche bei abgepackten PC-Spielen, die über Händler wie Wal-Mart oder Target verkauft werden. EA erwartet hier einen Rückgang von drei Prozent in diesem Jahr. Der Trend hin zu Download-Spielen und Multi-Player-Online-Rollenspiele ist hingegen unverkennbar.

Während sich free-to-play Spiele wie etwa „Free Realms“ von Sony regen Zulauf erfreuen und asiatische Entwicklerstudios wie Shanda Games oder Perfect World Millionenumsätze und Gewinne durch den Verkauf von virtuellen Gütern erzielen, ist EA in diesem Marktsegment unterbesetzt. Lediglich zehn Prozent steuerte zuletzt das Geschäft mit digitalen Downloads zum EA-Gesamtumsatz bei.

Mehr Qualität statt Quantität - Social- und Mobile-Games als Hoffnungsträger
Mit einer Qualitätsoffensive und ausgesuchten Zukäufen versucht EA nunmehr die Wende herbeizuführen. Nachdem in diesem Jahr noch etwa 54 Spieletitel auf den Markt kommen sollen, werden es im nächsten Fiskaljahr voraussichtlich nur mehr 36 Titel sein. Mehr Klasse statt Masse heißt nunmehr die Strategie, die zum Erfolg führen soll.

Immer mehr Spiele werden zudem auf Handhelds oder über den Web-Browser gemeinsam mit anderen Freunden auf den PC gespielt. Der Trend Social-Networking hat längst den Spielemarkt erfasst und so überrascht es wenig, dass sich EA mit der Übernahme von Playfish Ende 2009 verstärkt hat. Mehr als 150 Millionen Playfish-Spiele werden derzeit von Millionen von Spielern über Plattformen wie Facebook, MySpace.com, Google und Bebo gespielt. Playfish stellte allein im Dezember zwei der Top-10-Spiele auf Facebook.

Einen weiteren Lichtblick stellt auch das Geschäft mit Spielen für Mobiltelefone dar. Die Einheit EA Mobile konnte ihre Erlöse im vergangenen Quartal auf 57 Mio. US-Dollar steigern. Dabei stellte die Einheit sieben der Top-10-Spiele für das iPhone bzw. iPod Touch im Dezember. Allein im jüngsten Quartal brachte die Division EA Mobile 18 Apps und 17 neue Mobilfunkspiele auf den Markt.

Mit der steigenden Popularität von App Stores und dem höheren Verbreitungsgrad von Smartphones dürfte auch die Nachfrage nach Mobilfunkspielen weiter steigen. Genau darin besteht die Chance für EA, sich mit einem neuen Business-Modell neu zu erfinden und dem Abwärtstrend der vergangenen Jahre zu entfliehen…

Kurzportrait

Electronic Arts (EA), ansässig im kalifornischen Redmond, entwickelt seit 1982 Computerspiele. Dabei spezialisiert sich das Unternehmen nicht nur auf eine Plattform, sondern bietet Spiele sowohl für den PC, als auch für andere Plattformen aus dem Hause Sony, Nintendo und Microsoft an. Vor allem durch legendäre Titel wie Madden NFL, SimCity, und Ultima Online machte sich das Unternehmen einen Namen. Das Haus publiziert seine populären Titel unter den Labels EA Sports, EA Games, sowie unter EA Play.

Zudem beteiligte sich EA an dem schwedischen Entwicklerstudio Digital Illusions - das Studio wurde Ende 2004 vollständig übernommen. Gleichzeitig schloss EA im Oktober die Übernahme von Criterion Software ab. Anfang 2005 beteiligte sich EA mit 19,9 Prozent an dem französischen Spielentwickler Ubisoft. Ende 2005 übernahm man den führenden Entwickler von Mobilfunkspielen Jamdat Mobile. Jamdat wurde inzwischen in die Einheit EA Mobile integriert. Mitte 2006 kaufte EA den Online-Rollenspielspezialisten Mythic Entertainment, aus der die Einheit EA Mythic hervorging. Ende 2006 schluckte EA das auf die Wii-Konsole spezialisierte Entwicklerstudio Headgate Studios. Im Frühjahr 2007 beteiligte sich EA mit 15 Prozent an dem chinesischen Online-Spielespezialisten The9, nachdem man sich bereits 19 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Online-Spielespezialisten Neowiz sicherte. Mitte 2007 eröffnete EA ein eigenes Büro in Moskau, um den russischen Markt besser bedienen zu können. Ende 2007 übernahm EA mit BioWare und Pandemic zwei weitere Entwicklerstudios. Später kaufte EA mit Hands-On-Mobile und ThreeSF erneut zu. Ende 2008 übernahm EA das südkoreanische Entwicklerstudio J2M. Ende 2009 wurde das Social-Gaming-Portal Playfish übernommen.

Ferner vertreibt das Unternehmen über 4.000 Spieletitel von Drittanbietern. Dieses Geschäft trug in der Vergangenheit etwa ein Fünftel des gesamten Umsatzvolumens von EA. Über das Internet-Portal EA.com bietet das Unternehmen nicht nur einen kostenlosen Online-Spieledienst an, sondern auch gebührenpflichtige Services.

Daneben betreibt das Unternehmen die Tochter und Spieleplattform pogo.com im Internet. Pogo.com versteht sich als eine Online-Spielgemeinschaft. Die Plattform verzeichnet inzwischen mehr als 1,7 Mio. registrierte Nutzer. Gleichzeitig betreibt EA aber auch den Game Channel im Rahmen des Online-Angebots von America Online.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Electronic Arts (EA) einen Umsatzrückgang um 25 Prozent auf 1,24 Mrd. US-Dollar. Dabei verzeichnete EA einen Nettoverlust von 82 Mio. Dollar oder 20 US-Cent je Aktie, nachdem im Jahr vorher bereits ein Verlust von 641 Mio. Dollar oder 2,00 Dollar je Aktie entstand.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte EA im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 33 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen der Analysten um zwei Cent übertreffen.

Vor allem die sinkende Nachfrage nach abgepackten Spieleboxen macht EA derzeit zu schaffen. EA rechnet damit, dass der Verkauf solcher Spielepakete um drei Prozent in diesem Jahr sinken wird. Gleichzeitig will das Unternehmen mehr auf Qualität statt auf Quantität setzen. Nachdem das Entwicklerstudio im laufenden Fiskaljahr 2010 etwa 54 Titel auf den Markt bringen wird, sollen im nachfolgenden Fiskaljahr 2011 nur 36 Titel veröffentlicht werden.

Meldung gespeichert unter: Electronic Arts

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