eBay im Wandel - Wachstumsstory zu Ende?

Freitag, 25. Januar 2008 13:00
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(IT-Times) Mit dem Rücktritt von Meg Whitman scheint auch die Wachstumsstory beim weltweit führenden Online-Marktplatz eBay (Nasdaq: EBAY, WKN: 916529) zu Ende. Zwar konnte eBay im vierten Quartal nochmals die Markterwartungen übertreffen, gleichzeitig sieht sich eBay zahlreichen Herausforderungen gegenüber.

Das Wachstum in den Kernmärkten Nordamerikas und Europas scheint sich merklich zu verlangsamen. Der neue eBay-Chef John Donahoe, der das Amt Ende März übernehmen wird, will das Ruder herumreißen und kündigt niedrigere Einstellgebühren für die wichtigsten eBay-Märkte in den USA, England und in Deutschland an.

Probleme im Kerngeschäft Marktplatz
Details zur neuen Preisstruktur sollen in der nächsten Woche bekannt gegeben werden. Donahoe will die Preise für die Einstellgebühren senken und auch die Verkaufsprovisionen anpassen. Damit will der Manager die Grundlage für ein langfristiges Wachstum legen.

Dies ist auch dringend notwendig, denn die neuen Listings wuchsen im vierten Quartal gerade mal um vier Prozent auf 637 Mio. Einträge. Morgan Stanley Analyst Dave Joseph glaubt, dass die Zahl der aktiven Nutzer im jüngsten Quartal trotz einer neuen Marketing-Kampagne um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken ist.

Um diesen Trend entgegenzuwirken, soll der eBay-Marktplatz insgesamt einfacher und sicherer werden, wobei durch die Integration neuer Suchtechniken Produkte künftig leichter zu finden sein sollen. Erste Tests in Frankreich verliefen diesbezüglich viel versprechend, heißt es bei eBay. Daneben will der neue eBay-Lenker verstärkt auf das Festpreisgeschäft setzen, um mehr Händler auf die Auktionsseite zu locken.

Wettbewerb hat stark zugenommen
Ob eBay durch eine Gebührenanpassung der große Durchbruch gelingen wird, darf bezweifelt werden. Das Beispiel China zeigt, dass Einstellgebühren in einem intensiven Wettbewerbsumfeld bereits passé sind. Der eBay-Konkurrent Taobao.com setzte bereits frühzeitig auf das kostenlose Einstellen von Produkten und konnte damit eBay im Reich der Mitte letztendlich vom Thron stoßen.

Zudem gibt es für Verkäufer heute deutlich mehr Möglichkeiten Produkte im Internet zu verkaufen. Das Angebot reicht von kostenlosen Anzeigenseiten, bis hin zum Online-Händler Amazon.com, der ebenfalls um Verkäufer buhlt. Dank Online-Werbung finanzieren sich kostenlose Anzeigenseiten inzwischen recht gut.

So ist sich auch der neue eBay-Chef sicher, dass ein Wandel her muss, um den festgefahrenen Tanker wieder loszueisen. „Ich bin mir sicher, dass wir sehr viel mehr tun müssen“, so die Einsicht von Donahoe…

Kurzportrait

Gegründet im September 1995 und ansässig in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose stieg eBay schnell zu einem der führenden Internet-Unternehmen auf. Heute gilt das Geschäftsmodell der Gesellschaft als eines der wenigen Konzepte die sich nachhaltig im weltweiten Datennetz behaupten konnten. Dabei setzt das Unternehmen zwar auf Online-Auktionen, die aber ohne Lagerhaltung auskommt. Vielmehr vermittelt der Online-Anbieter lediglich zwischen Käufer und Verkäufer und betreibt hierfür die Online-Plattform.

Heute besteht die eBay-Gemeinschaft aus mehr als 83 Mio. aktiven Nutzern und bietet daher das weltweit größte Publikum, wenn es um Versteigerungen von gebrauchten oder neuen Waren geht. Damit gilt eBay gleichzeitig auch als die weltweit größte Shopping-Seite im Internet. Auf mehreren Kontinenten weltweit in über 30 Ländern aktiv, können Internet-Nutzer Produkte in mehr als 18.000 Kategorien ersteigern.

Um die Zahlungsabwicklung so einfach und sicher wie möglich zu gestalten, bietet eBay entsprechende Services an. Durch die Übernahme von PayPal löste eBay sein eigenen Online-Zahlungssystem Billpoint ab und setzt voll auf PayPal.

Später verstärkte sich eBay mit der Übernahme des Online-Angebots Half.com. Half.com bietet über die gleichnamige Internet-Seite stark reduzierte Waren zu festen Preisen an. Im Jahr 2003 übernahm eBay den führenden chinesischen Online-Auktionator EachNet, sowie Teile der Softwarefirma FreeMarkets. Gleichzeitig übernahm man den in Südkorea operierenden Online-Anbieter Internet Auctions Company. Die chinesische Eachnet wurde Ende 2006 wiederum in ein Joint Venture mit Tom Online eingebracht, an welchem eBay 49 Prozent hält.

Anschließend folgte die Übernahme der deutschen mobile.de. Später kaufte sich eBay mit der Übernahme von Baazee.com in den indischen Online-Auktionsmarkt ein. Ende 2004 übernahm eBay den holländischen Online-Kleinanzeigenmarkt Marktplaats.nl. Darüber hinaus beteiligte sich eBay mit 25 Prozent an den Kontaktanzeigenservice Craigslist.com. Im Dezember 2004 kaufte eBay schließlich den Online-Immobilienvermittler Rent.com. Anfang 2005 übernahm eBay den Kontakt- und Treffpunktservice Kijiji. Die Einheit kaufte wiederum die deutsche Opusforum.org. Im Frühjahr 2005 übernahm eBay schließlich den Preisvergleichsdienst Shopping.com. Im gleichen Jahr wurde auch der VoIP-Spezialist Skype für rund vier Mrd. Dollar aufgekauft. Im Frühjahr 2006 verstärkte sich eBay durch die Übernahme des schwedischen Online-Auktionators Tradera.com. Anfang 2007 kaufte eBay den Ticket-Dienst StubHub auf.

Mit dem Produkt eBay Stores will der Online-Auktionator auch Geschäftskunden ansprechen, welche ihren eigenen Shopping-Bereich auf eBay einrichten können. Im Frühjahr 2006 stellte das Unternehmen mit eBay Express ein neues Online-Shop-Konzept vor, über dieses Neuwaren unter Ausschluss des Bieterverfahrens erworben werden können. Mitte 2006 formte eBay gemeinsam mit dem Anbieter PCHome Online ein Joint Venture in Taiwan. Chairman Pierre Omidyar hält gemeinsam mit anderen Top-Managern, wie Jaffrey Skoll und der scheidenden eBay-Chefin Meg Whitman eine Minderheitsbeteiligung an eBay.

Zahlen

Für das zurückliegende Dezemberquartal meldete eBay einen Umsatzanstieg auf 2,18 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dabei konnte eBay bedingt durch das Weihnachtsgeschäft seinen Gewinn um 53 Prozent auf 530,9 Mio. Dollar oder 39 US-Cent je Aktie steigern, nach einem Plus von 346,5 Mio. Dollar oder 25 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte eBay einen Nettogewinn von 611 Mio. Dollar oder 45 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen übertreffen. An der Wall Street hatte man zunächst mit Einnahmen von 2,14 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 41 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: eBay

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