Cisco Systems leidet unter NSA-Skandal - Übernahme von Insieme

US-Netzwerkausrüster unter Druck

Freitag, 15. November 2013 13:44
Cisco Unternehmenslogo

(IT-Times) - Kräftig abwärts ging es zuletzt für die Aktien des Netzwerkgiganten Cisco Systems. Unter hohen Umsätzen verloren die Papiere an der Wall Street am Vortag elf Prozent an Wert. Cisco schockte die Märkte mit einer Umsatzwarnung für das laufende Quartal. Demnach werden die Umsatzerlöse im laufenden Januarquartal um acht bis zehn Prozent sinken.

NSA-Skandal schadet US-Firmen
Cisco CEO John Chambers zeigte sich ebenfalls geschockt vom plötzlichen und so noch nie gesehenen Order-Einbruch in China. Der Cisco-Manager führt dies auf politische Entwicklungen zurück, nachdem der NSA-Skandal offenbar dem Ansehen der USA und damit auch amerikanischen Firmen im Ausland geschadet hat. Allein der Government Shutdown in den USA hat den Umsatz von Cisco im jüngsten Quartal um 50 Mio. Dollar reduziert, so der Cisco-Chef im Conference Call mit Analysten.

Darüber hinaus sieht sich Cisco Systems (Nasdaq: CSCO, WKN: 878841) noch einem weiteren großen Problem gegenüber. Firmen setzen im Datenzentrum zunehmend auf Software-Definierte Lösungen, um Kosten zu sparen. Dies stellt eine große Herausforderungen für Hardware-Anbieter wie Cisco da, die ihr Geld mit dem Verkauf von Routern, Switches und anderem Netzwerk-Equipment verdienen.

Cisco springt auf den SDN-Zug auf
Die Trendthemen der nächsten Jahre heißen Software-Defined-Networking (SDN) und Software-Defined-Data Center (SDDC). Um den Anschluss nicht zu verpassen, hat Cisco dann auch gleich das Datacenter-Start-up Insieme für 863 Mio. US-Dollar aufgekauft. Cisco finanzierte das Start-up, welches Anfang 2012 gegründet wurde, mit 100 Mio. US-Dollar. Insieme wird ohnehin bereits von den langjährigen Cisco-Ingenieuren Prem Jain, Mario Mazzola und Luca Cafiero geführt, so dass die Übernahme auf der Hand lag.

Dem Markt für SDN-Technologien werden für die nächsten fünf Jahre rasante Zuwächse bescheinigt. Die Marktforscher aus dem Hause Plexxi, SDNCentral und Lightspeed Venture Partners gehen davon aus, dass der Markt von 252 Mio. Dollar in 2012 auf mehr als 35 Mrd. US-Dollar in 2018 klettern wird. Der Prozentsatz an SDN-fähiger Netzwerkausrüstung dürfte von 2,0 Prozent in 2013 auf 40 Prozent in 2018 steigen. Der Markt für Netzwerk-Virtualisierungssoftware soll von zehn Mio. Dollar auf 1,2 Mrd. Dollar in 2018 klettern.

Cisco - late in the game?
Durch SDN sollen Netzwerke insgesamt einfacher zu managen sein. Cisco-Chef John Chambers räumte dann auch Mitte des Jahres auf der Cisco Live Konferenz ein, dass Cisco zu lange gewartet habe, um den Trend zu adressieren.

Zwar hatte Cisco vor einem Jahr seine Cisco ONE Architektur vorgestellt, wodurch Netzwerkausrüstung programmierbar war, doch kam der Vorstoß vergleichsweise spät. Inzwischen sieht sich Cisco Konkurrenten wie VMware (Nicira) und Arista Networks gegenüber, die sich in diesem Markt gegen Cisco in Stellung gebracht haben. Ob Cisco nochmals das Blatt wenden und sich auch in diesem Bereich wie einst im Router-Markt an die Spitze setzen kann, bleibt abzuwarten.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1984 und in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose ansässig, schaffte das Unternehmen vor allem in den 90er Jahren den Aufstieg zum Weltkonzern. Bedingt durch eine aggressive Expansionspolitik - das Unternehmen kaufte allein von 1993 bis heute mehr als 100 Unternehmen - gelang es dem Hightech-Konzern auch in andere Geschäftsfelder zu expandieren. Heute operiert Cisco vor allem aus fünf Geschäftsbereichen heraus: USA und Kanada, Europäische Märkte, Emerging Markets, Asien Pazifik und Japan. Künftig will sich Cisco vor allem auf fünf Kernsegmente konzentrieren: Core-Routing, Switching und Services, Collaboration, Data Center Virtualization und Cloud Video, sowie Architekturen für Business-Transformation.

In den vergangenen Jahren war Cisco vor allem durch Übernahmen gewachsen.

Neben der Übernahme des Sicherheitsspezialisten IronPort kaufte Cisco auch den Anbieter von Web-Konferenzsysteme WebEx Communications sowie den Spezialisten BroadWare Technologies. Später wurden neben dem Home-Networking-Spezialisten Pure Networks auch die dänische DiviTech, Jabber und PostPath aufgekauft. Anfang 2009 wurde der SaaS-Spezialist ScanSafe übernommen. Im Herbst 2009 gab Cisco die Übernahme des Videokonferenzspezialisten Tandberg bekannt, die in 2010 abgeschlossen wurde. Im Dezember 2009 schloss der Router-Hersteller die Übernahme von Starent Networks ab. In 2010 wurde der optische Netzwerkspezialist CoreOptics sowie MOTO Development übernommen, später Arch Rock Corporation hinzugekauft. Anfang 2011 kaufte Cisco den Spezialisten newScale. Mitte 2011 wurde der Spezialist BNI Video übernommen. Anfang 2012 schluckte Cisco den US-Netzwerkspezialisten Lightwire, Mitte 2012 wurde der Spezialist NDS Group Ltd übernommen. Ebenfalls in 2012 wurde Meraki aufgekauft. In 2013 kaufte Cisco weiter ein und übernahm mit Cariden Technologies BroadHop und Intucell sowie Ubiquisys weitere Firmen. Mitte 2013 verstärkte sich Cisco durch die Übernahme von zwei weiteren Firmen: Composite Software, Sourcefire und Whiptail. Ende 2013 wurde der Datacenter-Spezialist Insieme vollständig übernommen.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2014 meldet Cisco Systems einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf 12,09 Mrd. US-Dollar. Dabei verdiente der Router-Hersteller 2,0 Mrd. US-Dollar oder 37 US-Cent je Aktie auf GAAP-Basis, nach einem Profit von 2,1 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Ausgenommen etwaiger Sonderbelastungen konnte Cisco im jüngsten Quartal einen bereinigten Nettogewinn von 53 US-Cent je Aktie (Non-GAAP) vorweisen und damit die Gewinnerwartungen der Analysten um zwei US-Cent je Anteil übertreffen. Der Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit summierte sich auf 2,6 Mrd. US-Dollar, nach 2,5 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Die Barreserven summierten sich zum Quartalsende auf 48,2 Mrd. Dollar.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Cisco Systems

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