Cisco Systems auf den Weg zu neuen Ufern

Montag, 9. Februar 2009 13:50
Cisco Systems Unternehmenslogo

(IT-Times) Der US-Netzwerkausrüster Cisco Systems (Nasdaq: CSCO, WKN: 878841) kämpft wie auch andere Hardwareausrüster mit der Investitionszurückhaltung seiner Kunden. So hat die weltweite Wirtschaftskrise inzwischen auch erste Spuren in der Cisco-Bilanz hinterlassen. Während der Umsatz leicht sank, brachen die Gewinne zuletzt um 27 Prozent ein.

Auch für das laufende Quartal erwartet Cisco einen kräftigen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Kerngeschäft mit Routern und Netzwerkausrüstung wuchs zuletzt immer langsamer, nachdem sich inzwischen ernsthafte Wettbewerber wie Juniper etablieren konnten.

Einstieg in den Server-Markt schon im März?
Um Cisco wieder auf die Wachstumsschiene zurückzuhieven, plant das Unternehmen den Einstieg in den 50 Mrd. Dollar schweren Server-Markt, wie die New York Times zuletzt berichtete. Der Einstieg von Cisco könnte die wichtigste Produktankündigung dieses Jahres werden, glaubt Pacific Crest Securities Analyst Brent Bracelin. Damit dürfte sich der Wettbewerb in der Server-Branche erheblich intensivieren, was zu einer groß angelegten Konsolidierung führen könnte, glauben Industriebeobachter.

Cisco-Cheftechnologin Padmasree Warrior bestätigt indirekt bereits das Vorhaben des Netzwerkgiganten, will jedoch keinen Zeitpunkt für den Marktstart nennen. Vielmehr spielt die Cisco-Managerin die Auswirkungen herunter, die ein möglicher Einstritt von Cisco in den Server-Markt auslösen könnte. Dies sei vielmehr ein natürlicher Wandel der Entwicklung, heißt es.

Geht VMware an Cisco?
Doch Cisco hat viel mehr vor. So will das Unternehmen ganze Datenzentren mit einer Reihe von Produkten virtualisieren, lässt Warrior im Interview mit der New York Times durchblicken. Helfen soll dem Unternehmen dabei der US-Virtualisierungsspezialist VMware, an dem Cisco zwei Prozent der Anteile hält. Durch den neuen Vorstoß erhalten Spekulationen neue Nahrung, wonach Cisco den Virtualisierungsspezialisten auch vollständig übernehmen könnte, schließlich sitzt Cisco auf Barreserven von 29,5 Mrd. Dollar. Noch aber hat der Mehrheitsinhaber EMC keine Lust, seine VMware-Anteile abzugeben.

Die Diversifikation in den Server-Markt bietet aber nicht nur Chancen für Cisco. Der Vorstoß ist nicht nur deswegen riskant, weil sich bisherige Partner wie IBM und HP stärker dem Wettbewerber Juniper zuwenden könnten. Der Vorstoß könnte sich auch negativ auf die Entwicklung der Gewinnmargen auswirken. Bislang konnte Cisco noch Bruttomargen von 64 Prozent vorweisen, während Server-Anbieter zuletzt mit Bruttomargen von 25 Prozent leben mussten. Dieses Dilemma zu lösen, könnte in diesem Jahr neben der Überwindung der Wirtschaftskrise die Hauptherausforderung für Cisco sein…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1984 und in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose ansässig, schaffte das Unternehmen vor allem in den 90er Jahren den Aufstieg zum Weltkonzern mit einem Jahresumsatzvolumen von mehr als 30 Mrd. Dollar. Bedingt durch eine aggressive Expansionspolitik – das Unternehmen kaufte allein von 1993 bis heute mehr als 85 Unternehmen – gelang es dem Hightech-Konzern auch in andere Geschäftsfelder zu expandieren. Nach der Übernahme von Andiamo Systems und Psionic Software in 2002, wurden in den vergangenen Jahren unter anderem die Softwarespezialisten Okena, SignalWorks und Linksys Group aufgekauft. Im Jahr 2003 folgte bereits die Übernahme von Latitude Networks, einem Spezialisten für Web-Konferenzsysteme. Im Jahr 2004 kaufte Cisco den Softwarespezialisten Parc Technologies, sowie den Router-Spezialisten Procket Networks und den Speicher- und Softwareanbieter Actona Technologies. Ende 2004 übernahm Cisco dann den Sicherheitsspezialisten Protego Networks. Gleichzeitig schluckte Cisco die Netzwerkspezialisten BCN Systems, Jahi Networks und NetSolve. Anfang 2005 kaufte Cisco den WLAN-Spezialisten Airespace. Im Mai setzte Cisco seine Einkaufstour fort und übernahm mit FineGround Networks einen WAN-Optimierer. Mit KiSS Technology A/S, Sheer Networks und Nemo Systems wurden im Jahresverlauf weitere Firmen zugekauft. Anfang 2006 schloss Cisco die Übernahme des set-top Box-Spezialisten Scientific-Atlanta für 6,9 Mrd. Dollar ab. Danach folgten mit Meetinghouse Data Communications und der zwei Startup-Firmen Metreos und Audium kleinere Übernahmen. Gleichzeitig kaufte Cisco den InfiniBand-Spezialisten Topspin. Im Spätsommer erwarb Cisco schließlich mit 80 Prozent die Mehrheit an den Datensystemspezialisten Nuovo Systems. Anfang 2007 schloss Cisco die Übernahme des Softwarespezialisten Tivella ab. Gleichzeitig kaufte Cisco den Sicherheitsspezialisten IronPort sowie den Anbieter von Web-Konferenzsysteme WebEx Communications und den Spezialisten BroadWare Technologies. Bis Mitte 2008 wurde der Home-Networking-Spezialist Pure Networks sowie die dänische DiviTech übernommen. Mit Jabber und PostPath folgten zwei weitere kleinere Zukäufe im Softwarebereich.

Heute kontrolliert Cisco Systems nicht nur den Markt für Internet-Router, sondern gilt auch als einer der führenden Ausrüster der Telekomindustrie. Inzwischen entwickelt das Unternehmen aber nicht nur Router- und Switching-Technik, sondern bietet auch Lösungen rund um Server- und Management-Software, als auch Produkte rund um den Bereich Internet-Telefonie (VoIP) an. Entwicklungen rund um das Segment optische Netzwerke, Sicherheitslösungen, sowie drahtlose Kommunikations- und Webkonferenzsysteme runden das Produktportfolio ab.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2009 meldet Cisco einen Umsatzrückgang von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,1 Mrd. US-Dollar. Der Gewinn brach dabei um 27 Prozent auf 1,5 Mrd. Dollar oder 26 US-Cent je Aktie ein, nach einem Profit von 2,1 Mrd. Dollar oder 33 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Cisco einen Nettogewinn von 32 US-Cent je Aktie erwirtschaften und damit die Analystenerwartungen um zwei Cent übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 9,0 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 30 US-Cent je Aktie gerechnet.

Trotz der angespannten Wirtschaftslage konnte Cisco im jüngsten Quartal einen operativen Cashflow in Höhe von 3,2 Mrd. Dollar erwirtschaften und das Quartal mit Barreserven von 29,5 Mrd. Dollar zu beenden.

Meldung gespeichert unter: Cisco Systems

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