Broadcom übt den Befreiungsschlag

Broadcom steigt aus dem Baseband-Geschäft aus

Mittwoch, 4. Juni 2014 12:40
Broadcom

(IT-Times) - Broadcom gibt auf. Nicht zuletzt durch den intensiven Wettbewerb in der Branche will das Unternehmen aus dem Geschäft mit Baseband-Chips aussteigen. Das Geschäft soll entweder verkauft oder abgewickelt werden. Der Wert des Geschäfts wird auf 500 bis 800 Mio. US-Dollar taxiert. Bei Broadcom erhofft man sich von diesem Schritt jährliche Einsparungen in Höhe von rund 700 Mio. US-Dollar.

Broadcom trennt sich von unprofitablen Geschäft
Auf den ersten Blick macht die Entscheidung von Broadcom durchaus Sinn. Allein im ersten Quartal musste Broadcom im Baseband-Geschäft einen operativen Verlust in Höhe von 32 Mio. US-Dollar ausweisen. Zudem gilt das Geschäft als sehr kapitalintensiv. Rund ein Fünftel der operativen Kosten entfielen auf diesen Bereich. Gleichzeitig sanken die Gewinnmargen in diesem Geschäft, nachdem Smartphones immer billiger werden.

Gleichzeitig verlor Broadcom (Nasdaq: BRCM, WKN: 913684) zuletzt Marktanteile im low-end Bereich an Qualcomm und MediaTek. Vor allem Qualcomm konnte sich mit seiner Snapdragon-Reihe einen festen Platz im Smartphone-Bereich erkämpfen, zumal das Unternehmen auch auf ein Forschungs- und Entwicklungsbudget von mehr als 3,0 Mrd. Dollar zurückgreifen kann.

Marktbeobachter fürchten weitere Marktanteilsverluste
Dennoch warnen Analysten wie aus dem Hause Stifel Nicolaus vor den langfristigen Folgen für Broadcom. Durch die Entscheidung aus dem Baseband-Geschäft auszusteigen, überlässt Broadcom das Feld der Konkurrenz. Dies könnte auch negative Folgen für das bestehende Connectivity-Geschäft von Broadcom rund um WiFi-, Bluetooth-, GPS- und NFC-Chips haben.

Hier drohen nach Angaben von Stifel-Analyst Kevin Cassidy möglicherweise weitere Marktanteilsverluste. Viele OEM-Hersteller im Smartphone-Bereich bevorzugen inzwischen Lösungen aus einer Hand, um Schlüsselfunktionen wie WiFi, Bluetooth und NFC abzudecken. OEM-Hersteller können dadurch Forschungskosten sparen, da die verschiedenen Komponenten nicht mehr miteinander abgestimmt werden müssen.

Welcher Hersteller gibt als nächstes auf?
Auf diesen Trend haben Anbieter wie Qualcomm, MediaTek und Intel bereits reagiert und bieten bzw. planen Bundle-Lösungen im low-end Smartphone-Segment. Dennoch rechnet man in Branchenkreisen aufgrund des intensiven Wettbewerbs mit weiteren Aufgaben.

Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der nächste Chiphersteller die weiße Flagge hisst, nachdem zuvor bereits Texas Instruments (TI), STMicroelectronics und Ericsson aus dem Geschäft mit Baseband-Chips ausgestiegen sind.

Kurzportrait

Die im kalifornischen Irvine ansässige Broadcom gilt als einer der führenden Entwickler von System-on-a-Chip (SoC) Lösungen. Das Unternehmen bietet dabei nicht nur Chipsätze für Mobiltelefone und Set-top-Boxen, sondern auch entsprechende Speicherbausteine für Kabelmodems, Ethernet- und DSL-Produkte an. Heute operiert Broadcom aus drei Kerngeschäftsbereichen heraus: Broadband Communications, Mobile and Wireless und Infrastructure & Networking.

Ebenfalls im Produktprogramm von Broadcom: Spezielle Chipsätze, die vor allem im Zusammenhang mit Bluetooth-Produkten zum Einsatz kommen. Transceiver und Switches für optische Netze ergänzen das Produktportfolio.

Broadcom sorgte in den letzten Jahren vor allem durch seine aggressive Expansionsstrategie für Aufmerksamkeit. Mit Mobilink Telecom, Gadzoox Networks und RAIDCore, Sand Video, Sandburst, LVL7 WIDCOMM und den Halbleiterspezialisten Zyray Wireless und Locate kaufte Broadcom in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Firmen auf. Anfang 2010 verstärkte sich Broadcom durch die Übernahme des Chipherstellers Teknovus. Mitte 2010 schluckte Broadcom die britische Innovision Research and Technology. Mit Beceem Communiations, Gigle Networks und Percello folgten in 2010 weitere Zukäufe. In 2011 übernahm Broadcom den Spezialisten Provigent. Anfang 2012 schluckte Broadcom den Netzwerk-Chiphersteller NetLogic sowie den optischen Netzwerkspezialisten BroadLight.

Zu den Hauptabnehmern von Broadcoms Halbleitern zählen unter anderem der Mobilfunkspezialist Apple, Motorola, Nokia, Samsung, Hewlett-Packard, Cisco Systems und 3Com. Auch in der Nintendo-Konsole Wii kommen Broadcom-Chips zum Einsatz. Im Herbst 2013 kaufte Broadcom LTE-Assets von einer Einheit der japanischen Renesas Electronics. Mitte 2014 kündigte Broadcom an, sich von seinem Mobile-Baseband-Geschäft trennen zu wollen.

Markt und Wettbewerb

Meldung gespeichert unter: Broadcom

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