Applied Materials: Display-Geschäft boomt - Solarsparte schwächelt

Freitag, 21. Mai 2010 12:51
Applied Materials

(IT-Times) - Der weltweit größte Halbleiter- und Solarausrüster Applied Materials (Nasdaq: AMAT, WKN: 865177) hat zwar im jüngsten Quartal die Markterwartungen dank der Stärke seines Silizium- und Display-Geschäfts übertreffen können, dennoch gaben die Papiere zuletzt deutlich nach.

Applied CEO Mike Splinter glaubt an einen mehrjährigen Aufschwung in der Halbleiterindustrie. Dabei verweist der Manager unter anderem auf den rapide gestiegenen Auftragseingang. Insgesamt zogen die Bestellungen im jüngsten Quartal um knapp 29 Prozent an - gegenüber dem Vorjahr ergibt sich sogar ein Plus von 290 Prozent beim Auftragseingang. Vor allem in der Display-Sparte gingen 103 Prozent mehr Aufträge ein, als noch im Vorquartal. Hintergrund ist insbesondere die starke Nachfrage nach Unterhaltungselektronikprodukten wie Flachbildfernseher und Notebooks, insbesondere aus China.

Solarsparte schwächelt - Branche leidet an Überkapazitäten und Finanzierungsproblemen
Enttäuscht hat dagegen das Abschneiden der Solarsparte. Das Geschäft, welches unter dem Dach der Einheit Energy and Environmental Systems (ESS) zusammengefasst ist, bracht um 48 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 166 Mio. Dollar ein. Applied begründet die Schwäche in der Solarsparte mit Finanzierungsproblemen einiger Kunden, zudem war einer der größten Solarkunden Applieds in die Pleite geschlittert.

Bedenken über anhaltende Überkapazitäten in der Solarbranche, sowie über wegfallende Subventionen für die Branche in Europa dürften die Solarindustrie auch in diesem Jahr weiter belasten, glauben Marktbeobachter. Zwar konnte Applied nach Angaben der Marktforscher aus dem Hause VLSI Research auch im Jahr 2009 seine führende Position als weltweit größter Solarausrüster verteidigen, dennoch schrumpfte die Solarausrüster-Industrie im Jahr 2009 um 12,2 Prozent auf 7,7 Mrd. US-Dollar.

Applied sieht hohe Nachfrage nach Esatto-Technik
Große Hoffnungen setzt Applied daher auf seine neue Esatto Technologie. Die neue Technik soll nicht nur für höhere Wirkungsgrade, sondern auch für niedrige Produktionskosten bei der Herstellung von low-cost Solarzellen sorgen. Erste Einsätze der Technik bei Kunden haben gezeigt, dass sich durch die Esatto-Technik der Wirkungsgrad um 0,46 Prozent steigern lässt. Gleichzeitig soll sich dadurch der Verbrauch von Silber-Beschichtungsmaterialien um 14 Prozent senken lassen, wodurch eine Kosteneinsparung von mehr als drei US-Cent pro Watt einhergeht, heißt es bei Applied.

Damit soll sich die Investition in die neue Technologie bereits nach acht Monaten amortisieren. Als Abnehmer für seine neue Technik sieht Applied insbesondere Kunden in Taiwan und China, wobei der Halbleiterausrüster davon ausgeht, dass die neue Technologie in mehr als zwei Gigawatt der produzierten Solarzellen in den nächsten Monaten zum Einsatz kommen wird…

Kurzportrait

Die bereits im Jahre 1967 gegründete und im kalifornischen Santa Clara ansässige Applied Materials gilt als weltweit führender Anbieter von Halbleiter- und Solarausrüstungsanlagen. Das Unternehmen bietet aber nicht nur Herstellungsanlagen für die Fertigung von Halbleitern an, sondern auch Software, welche die Beschichtung und die Produktion von Halbleitern überwachen. Gleichzeitig bietet das Unternehmen auch Testanlagen an, welche die gefertigten Mikrochips nicht nur auf ihre Funktionsweise hin überprüfen, sondern womit sich auch ganze Produktionsabläufe und Fertigungszyklen simulieren lassen. Insgesamt operiert Applied heute aus vier Kerngeschäftsbereichen heraus: Silicon, Applied Global Services (AGS), Display sowie Energy and Environmental Solutions (EES).

Das Unternehmen, welches seit 1972 an der Börse gehandelt wird, kann auf eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte zurückblicken. Bereits im Jahre 1977 folge die internationale Expansion nach Europa. Zwei Jahre später war der Halbleiterspezialist auch mit einer Niederlassung in Japan vertreten. Der asiatische Wirtschaftsraum stand auch in den nachfolgenden Jahren weiter im Mittelpunkt. 1984 folgte eine Niederlassung in China. Von 1989 bis 1991 wurden weitere Tochterfirmen in Korea, Taiwan und Singapur gegründet. Im asiatischen Raum erwirtschaftet Applied heute etwa 70 Prozent seiner gesamten Umsatzerlöse.

Im Jahre 1993 stieg das Unternehmen mit dem Überschreiten der Umsatzgrenze von einer Mrd. US-Dollar zum weltweiten Marktführer im Bereich der Fertigungsanlagen für Halbleiter auf. Im Jahre 1997 setzte das Unternehmen seine Expansion durch die Übernahme von Opal und Orbot Instruments fort. Ein Jahr später folgte die Übernahme von Consilium, einem führenden Softwareentwickler in der Halbleiterindustrie. Im Jahre 2000 kaufte Applied dann den Spezialisten Etec Systems. Zuletzt übernahm Applied den Halbleiterspezialisten Boxer Cross, einen Anbieter von Kontrollverfahren bei der Halbleiterfertigung. Im Jahr 2006 übernahm Applied den Halbleiter- und Solarausrüster Applied Films und den Softwarespezialisten Brooks Software. Mitte 2006 verstärkte sich Applied erneut in der Solarindustrie und übernahm den Spezialisten HCT Shaping Systems (HCT). Ende 2007 verstärkte sich Applied durch die Übernahme des italienischen Solar- und Halbleiterausrüsters Baccini S.p.A. Ende 2009 übernahm Applied den Chip-Spezialisten Semitool.

Mit etwa 14.000 Mitarbeitern und über 90 Niederlassungen in 13 Ländern erwirtschaftete das Unternehmen zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als fünf Mrd. US-Dollar. Zu den größten Kunden des Unternehmens zählt unter anderem der Halbleitergigant Intel, als auch der Prozessorhersteller AMD und Motorola. Im Solarausrüstermarkt betreut das Unternehmen inzwischen ebenfalls viele Kunden wie den chinesischen Solarspezialisten LDK Solar.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal meldet Applied einen Umsatzsprung auf 2,3 Mrd. US-Dollar, nach Einnahmen von 1,02 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Dabei wies Applied einen Nettogewinn von 264 Mio. Dollar oder 20 US-Cent je Aktie aus, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein Verlust von 255 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie entstand.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 22 US-Cent je Aktie, womit Applied die Markterwartungen der Analysten leicht übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 2,2 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 21 US-Cent je Aktie gerechnet.

Das starke zweite Fiskalquartal 2010 führt Applied CEO Mike Splinter vor allem auf die positive Entwicklung in den Geschäftssparten mit Silizium und Displays zurück. Durch die starke Nachfrage nach Computer- und Unterhaltungselektronikgeräten haben Applied-Kunden ihre Kapazitäten spürbar ausgebaut. Dies habe dem Unternehmen erlaubt, im Quartalsverlauf seine Quartalsdividende um 17 Prozent anzuheben.

Abschreibungen auf Dünnschicht-Equipment habe die Bruttomargen im jüngsten Quartal allerdings um 3,6 Prozentpunkte bzw. um 0,04 Dollar je Aktie belastet, so Applied-Finanzchef George Davis. Insgesamt summierte sich die Bruttomarge im jüngsten Quartal auf 40,4 Prozent vom Umsatz. Daneben konnte Applied einen positiven, operativen Cashflow von 527 Mio. Dollar erwirtschaften, wobei das Unternehmen im jüngsten Quartal 100 Mio. Dollar für den Rückkauf von 7,6 Millionen Aktien ausgab. Dennoch konnte Applied das Quartal mit Barreserven von 3,57 Mrd. Dollar beenden.

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