AMD leidet unter schwacher Konjunktur und intensivem Wettbewerb

Mittwoch, 11. Juli 2012 13:38
Advanced Micro Devices (AMD)

(IT-Times) - Die Aktien des Intel-Konkurrenten AMD stürzten am Vortag in New York um über elf Prozent ab. Der Grund: Der Chip-Hersteller geht nunmehr von einem Umsatzrückgang von bis zu elf Prozent gegenüber dem Vorquartal aus. Hierfür macht das Unternehmen unter anderem das schwächere Geschäft in Europa und China verantwortlich.

Analysten nehmen die Entwicklung zum Anlass, um die Kursziele für AMD-Aktien reihenweise nach unten zu korrigieren. Die schwächere Konjunkturentwicklung in Europa und Asien und die damit verbundene Kaufzurückhaltung der Kunden dürfte aber nur die halbe Wahrheit sein. Der Branchenprimus Intel wird in der nächsten Woche seine Bilanz zum vergangenen Quartal präsentieren, Analysten erwarten dabei im Schnitt ein leichtes Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr auf 13,57 Mrd. US-Dollar.

AMD verliert Marktanteile
AMD (NYSE: AMD, WKN: 863186) dagegen dürfte in der nächsten Woche einen Umsatzrückgang auf 1,42 Mrd. Dollar melden. AMD scheint damit Marktanteile nicht nur an Intel verloren zu haben. Vor allem bei Grafik-Prozessoren hat das Unternehmen Marktanteile an nVidia bei HP-Geräten und bei Apple-Computern abgeben müssen, glaubt Caris-Experte Craig Ellis.

Bei der Credit Suisse sieht man auch die dürftige Performance von AMD Trinity Desktop-Prozessoren gegenüber Intel-Produkte (Romley) als Teil des Problems. Daneben könnte sich der Kampf an der Preisfront weiter intensivieren. Laut Medienberichten zufolge soll Intel bereits die Preise für seine Ivy Bridge Core i3 Mobile-Prozessoren gesenkt haben, um Ultrabooks zum Durchbruch zu verhelfen.

Intel investiert, AMD spart
Einen weiteren Preiskrieg kann sich AMD zum aktuellen Zeitpunkt nicht leisten, will der Intel-Konkurrent nicht wieder in die Verlustzone rutschen. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Kostensenkungen. Die operativen Kosten sollen um acht Prozent niedriger ausfallen als zuvor prognostiziert (605 Mio. US-Dollar). Intel dagegen setzt weiter auf Investitionen. Für 4,1 Mrd. US-Dollar hat sich das Unternehmen 15 Prozent der Anteile an dem niederländischen Chip-Hersteller ASML Holding gesichert, um die die Einführung neuer und moderner Produktionsverfahren zu beschleunigen.

Durch diese Investition dürfte sich Intel auch für die Zukunft einen weiteren Wettbewerbsvorteil gesichert haben. Der ungleiche Kampf zwischen David und Goliath wird zwar auch in den nächsten Jahren weitergehen, der Verlierer steht aber heute schon fest: AMD.

Kurzportrait

Der in Sunnyvale/Kalifornien ansässige Prozessorhersteller Advanced Micro Devices (AMD) ist die weltweite Nummer zwei im Prozessormarkt hinter dem Halbleitergiganten Intel. In den vergangenen Jahren konnte AMD jedoch bedingt durch seine schnellen und kostengünstigen Prozessoren immer wieder Marktanteile gegenüber seinen großen Konkurrenten Intel gut machen, rutschte im Zuge der Wirtschaftskrise aber deutlich in die roten Zahlen.

AMD ist daneben auch im Flash-Speichergeschäft engagiert und nimmt dort ebenso den zweiten Rang hinter Intel ein. Durch die Übernahme der kanadischen ATI ist AMD nunmehr auch im Segment Grafikchips positioniert. Heute operiert AMD vor allem aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Der Geschäftsbereich Computing Solutions umfasst dabei das Geschäft für Chipsätzen und Grafikprozessoren, welches vom Foundry-Segment ergänzt wird.

Mit der neuen 64-Bit-Prozessorgeneration will sich das Unternehmen wieder Vorteile hinsichtlich Performance und Kosten erkämpfen und Intel weitere Marktanteile abnehmen. Darüber hinaus will das Unternehmen mit seinem Serverprozessor Opteron, welcher ebenfalls auf der 64-Bit-Technologie basiert, auch im Marktsegment Serverprozessoren Intel Paroli bieten. Das Geschäft mit Prozessoren, Netzwerkchips und Chipbausteinen trägt nach wie vor zwei Drittel der gesamten AMD-Umsätze. Vier Fünftel der Umsätze erwirtschaftet AMD außerhalb der USA. Neben Hewlett-Packard (HP), zählen heute auch Dell und Acer zu den Kunden von AMD.

Mitte 2006 gab AMD die Übernahme des kanadischen Grafik-Chipherstellers ATI Technologies für rund 5,4 Mrd. Dollar bekannt. Im Spätsommer 2008 trennte sich AMD von seinem TV-Chipgeschäft und verkaufte die Einheit an Broadcom. Im Herbst 2008 kündigte AMD an, sämtliche Fertigungsfabriken an ein Joint Venture mit dem Namen GlobalFoundries ausgliedern zu wollen. AMD hielt zuletzt rund ein Viertel der Anteile an dem Joint Venture, welches gemeinsam mit Advanced Technology Investment Company LLC (ATIC) und West Coast Hitech L.P., (WCH) gegründet wurde. Im März 2009 schloss AMD die Ausgliederung seiner Fertigungsoperationen ab, um sich gänzlich auf das Chip-Design-Geschäft konzentrieren zu können. Anfang 2012 wurde zudem die Übernahme von SeaMicro abgeschlossen.

Zahlen

AMD erzielte im ersten Quartal 2012 einen Umsatz von 1,59 Mrd. US-Dollar. Im Vorjahresquartal erreichte der Intel-Rivale und Prozessor-Spezialist allerdings noch einen Wert von 1,61 Mrd. Dollar. Beim operativen Ergebnis rutschten die US-Amerikaner mit 580 Mio. Dollar ins Minus (1Q 2011: plus 54 Mio. Dollar).

Das Nettoergebnis fiel mit minus 590 Mio. Dollar ebenfalls deutlich negativ aus. Der Vorjahreswert hier war plus 510 Mio. Dollar. Und auch beim Ergebnis je Aktie wies man einen Negativbetrag von 0,80 Dollar gegenüber plus 0,68 Dollar im Vorjahr aus. Der Umsatz im Bereich Computing Solutions blieb auf Vorjahresniveau. In der Sparte Graphics fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent. Genauere Zahlen gab AMD nicht an.

Meldung gespeichert unter: Advanced Micro Devices (AMD)

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